Das Foto zeigt eine Frau, die die Haare einer älteren, scheinbar unterstützungsbedürfttgen Frau bürstet, Quelle: Christoph Soeder, Copyright: Deutsches Zentrum für Altersfragen

Angehörigenpflege zentrale Stütze des deutschen Pflegesystems

Von den aktuell 5,7 Millionen pflegebedürftigen Menschen gemäß Elften Sozialgesetzbuch in Deutschland leben 86 Prozent in Privathaushalten. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf rund 9 Millionen Pflegebedürftige erwartet. Vor diesem Hintergrund analysieren Forschende des Deutschen Zentrums für Altersfragen, des DIW Berlin und der TU Dortmund die aktuellen Pflegearrangements.

Die Studie hebt die Unterschiede zwischen Angehörigen- und Zugehörigenpflege im eigenen Haushalt und außerhalb hervor. So richtet sich die Pflege im eigenen Haushalt häufig an Partnerinnen und Partner im Rentenalter. Dies führt dazu, dass Pflegende seltener erwerbstätig sind, über ein deutlich geringeres Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf verfügen und stärker auf Pflegegeld angewiesen sind. Demgegenüber steht die außerhäusliche Pflege, die häufiger die Elterngeneration betrifft: Hier sind die Pflegenden häufiger berufstätig, das Einkommen liegt im Durchschnitt aller Haushalte, und das Pflegegeld spielt kaum eine Rolle.

Die Geschlechterunterschiede in der Pflegeübernahme bleiben bestehen. Ulrike Ehrlich, Wissenschaftlerin am DZA, forscht seit vielen Jahren zu Pflege durch Angehörige und Vereinbarkeit zwischen Pflege und Beruf. Sie führt aus: „Angehörigenpflege ist überwiegend weiblich. Egal, ob innerhalb oder außerhalb des eigenen Haushalts gepflegt wird, sind es zu 64 Prozent Frauen, die die Hauptpflegeperson stellen. Aus anderen Studien wissen wir, dass Pflege insbesondere für Frauen oft zu Vereinbarkeitskonflikten führt.“

Die Ergebnisse verdeutlichen klaren politischen Handlungsbedarf. Ein immer wieder diskutiertes Familienpflegegeld könnte zwar einen Beitrag leisten, stellt jedoch lediglich einen Baustein für die zukunftsweisende Weiterentwicklung von Pflegearrangements in Deutschland dar. Herausfordernd bleibt insbesondere die Festlegung einer angemessenen Bezugsdauer – anders als bei der Elternzeit ist diese schwer zu bestimmen. Darüber hinaus braucht es Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung der Pflegeversicherung sowie gezielte Unterstützungsangebote für Pflegende jenseits des Erwerbsalters. Nadiya Kelle, Wissenschaftlerin am DZA, sagt: „Pflegende Angehörige tragen die Hauptlast des Pflegesystems. Ihre Rolle erfordert eine stärkere Berücksichtigung in der Ausgestaltung künftiger Pflegepolitik.“

Die Untersuchung unter Verwendung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) wurde gemeinsam von Wissenschaftler*innen des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) mit Kolleg*innen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Universität Dortmund durchgeführt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Ulrike Ehrlich https://www.dza.de/ueber-uns/mitarbeiterinnen/profilseite/ehrlich-ulrike
Dr. Nadiya Kelle https://www.dza.de/ueber-uns/mitarbeiterinnen/profilseite/kelle-nadiya

Originalpublikation:
Brandt, M., Ehrlich, U., Geyer, J., Haan, P., & Kelle, N. (2025). Größter Pflegedienst in Deutschland: Millionen Menschen pflegen Angehörige inner- und außerhalb ihres Haushalts [DIW Wochenbericht 37/2025]. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. https://doi.org/10.18723/diw_wb:2025-37-1

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