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Silke Schwarz

Psychotherapie bei Partnerschaftsgewalt
Herausforderungen in der Arbeit mit betroffenen Frauen

Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2025, 146 Seiten, 32,00 €, ISBN 978-3-17-044785-1

Partnerschaftsgewalt ist eine Thematik, die gesellschaftlich hoch relevant ist – nicht nur für Psychotherapeut*innen, sondern auch für Fachkräfte im weiteren psychosozialen Spektrum, darunter Sozialarbeiter*innen, Berater*innen, Pflegekräfte in der Psychiatrie sowie Mitarbeitende aus dem Gewaltschutz, der Behindertenhilfe oder aus flucht- und migrationsbezogenen Einrichtungen. Silke Schwarz legt mit ihrem Buch einen kompakten und praxisnahen Leitfaden vor, der nicht nur Psychotherapeut*innen, sondern allen dieser Berufsgruppen dienlich ist und ihnen fundierte Orientierung im Umgang mit betroffenen Frauen bietet.

Obwohl der Titel zunächst eine psychotherapeutische Schwerpunktsetzung vermuten lässt, verfolgt Schwarz einen schulenübergreifenden Ansatz, der bewusst offen gestaltet ist und sowohl therapeutisch als auch beratend tätigen Fachkräften zahlreiche Anregungen bietet.

Der inhaltliche Zugang bleibt dabei nicht auf die individuelle Ebene beschränkt, sondern bindet das Thema konsequent in gesellschaftliche und strukturelle Kontexte ein – was besonders hilfreich ist, wenn es darum geht, Gewaltphänomene nicht als isolierte Einzelfälle, sondern als Ausdruck sozialer Machtverhältnisse zu verstehen.

Die Autorin zeigt sensibel und differenziert auf, wie Partnerschaftsgewalt psychisch, sozial und strukturell wirkt. Dabei nimmt sie die Perspektiven und Erfahrungen betroffener Frauen ernst, ohne sie zu vereinfachen oder zu generalisieren. Ihre Darstellung bleibt nah an der Praxis und zugleich reflektiert im Hinblick auf die ethischen und methodischen Herausforderungen, die mit der Arbeit in diesem Feld einhergehen.

In acht klar strukturierten Kapiteln vermittelt das Buch grundlegende Kenntnisse – etwa zur Psychotraumatologie, zu Risikoabschätzung und Sicherheitsplanung, zur therapeutischen Beziehungsgestaltung sowie zur Situation mitbetroffener Kinder. Es geht auch auf rechtliche Rahmenbedingungen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit ein. Besonders hilfreich ist dabei die Verbindung von Hintergrundwissen mit konkreten Handlungsempfehlungen:

Checklisten, Fallbeispiele und Hinweise für die Gesprächsführung machen das Buch zu einem praxisorientierten Werkzeug für den Alltag in Beratungs- und Unterstützungssettings.

Ein zentrales Merkmal des Buches ist die konsequente Ausrichtung auf traumasensible, ressourcenorientierte und empowernde Ansätze. Schwarz orientiert sich dabei an der aktuellen WHO-Leitlinie für Gesundheitsfachkräfte zum Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt und betont eine Haltung, die Validierung, Parteilichkeit und die Anerkennung der Expertise betroffener Frauen in den Mittelpunkt stellt. Sie spricht sich für eine Arbeitsweise aus, die Hierarchien kritisch reflektiert, Selbstbestimmung stärkt und gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht ausklammert, sondern als wesentlichen Kontext begreift.

Besonders hervorzuheben ist der sozialkonstruktivistische Zugang, den Schwarz wählt. Das Konzept „Doing Gender“ – also die soziale Konstruktion und ständige Reproduktion von Geschlecht durch Interaktion – zieht sich als analytischer Rahmen durch das Buch. Auf dieser Grundlage wird Gewalt nicht nur als individuelles oder psychologisches Phänomen begriffen, sondern auch als Folge gesellschaftlich strukturierter Ungleichheiten, die sich in Partnerschaften ebenso wie in professionellen Beziehungskontexten manifestieren können.

Für Fachkräfte in der psychosozialen Beratung ergeben sich daraus wertvolle Impulse: etwa zur Reflexion eigener Rollenzuschreibungen, zum bewussten Umgang mit Ambivalenzen oder zur Erweiterung des Blicks auf unterschiedliche Geschlechteridentitäten und Beziehungskonstellationen. Der performative Charakter von Geschlecht und Macht wird dabei nicht nur theoretisch benannt, sondern auch praxisnah in seine Relevanz für konkrete Beratungssituationen übersetzt.

Anders als viele klassische psychotherapeutische Fachbücher vermeidet Schwarz eine feste Anbindung an eine bestimmte Schule. Sie integriert stattdessen Elemente aus verschiedenen Richtungen – unter anderem die ressourcenorientierte Haltung der Verhaltenstherapie, das tiefenpsychologische Verständnis von Beziehungsmustern und eine gesamtgesellschaftliche Perspektive, wie sie auch aus psychoanalytisch informierten Debatten bekannt ist. Diese methodische Offenheit ist ein großer Vorteil, insbesondere für Fachkräfte, die in multiprofessionellen Teams arbeiten und sich flexibel auf unterschiedliche Kontexte und Anliegen einstellen müssen.

Für eine vertiefte psychotherapeutische Ausbildung innerhalb eines spezifischen Therapieverfahrens bietet das Buch weniger systematische Anleitung. Doch gerade in seiner interdisziplinären Offenheit und durch die konsequente Einbindung feministischer Perspektiven liefert es wertvolle Impulse für die Reflexion therapeutischer Praxis – insbesondere dort, wo individuelle Problematiken in Verbindung mit struktureller Gewalt zu denken sind.

Auch international ist der Ansatz anschlussfähig: Schwarz' Ausrichtung entspricht den Empfehlungen von WHO und UN Women, in denen Empowerment, Vernetzung und traumasensible Begleitung als zentrale Elemente der psychosozialen Unterstützung genannt werden. Die Verbindung von theoretischer Reflexion, praktischen Handlungsmöglichkeiten und einer ethisch fundierten Grundhaltung macht das Buch zu einer hilfreichen Lektüre für alle, die im psychosozialen Feld tätig sind.

Fazit
Silke Schwarz' „Psychotherapie bei Partnerschaftsgewalt“ ist ein fundiertes, praxisnahes und sensibel geschriebenes Fachbuch, das insbesondere für psychosoziale Fachkräfte in Beratungsstellen und unterstützenden Einrichtungen wertvolle Anregungen bietet. Es überzeugt durch einen breiten, schulenübergreifenden Zugang, durch methodische Offenheit und durch eine konsequent ressourcenorientierte, empowernde Haltung. Wer sich mit den psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Dimensionen von Partnerschaftsgewalt auseinandersetzt und sich in seiner Arbeit theoretisch wie praktisch orientieren möchte, wird in diesem Buch eine anregende und hilfreiche Begleitung finden.

Eine Rezension von Anna Zell
B.A. Sozialökonomie, B.A. Soziale Arbeit, Psychosoziale Betreuungskraft

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