Medical team discussing diagnosis in office. Men and women medics.Das Department Gesundheit der FH Burgenland hat kürzlich die umfangreichste Bedarfsanalyse zur Arbeitswelt Pflege in den letzten Jahren durchgeführt. Angesichts des herrschenden Pflegenotstands ist es längst überfällig, die Bedürfnisse der Pflegekräfte anzuhören. Die Ergebnisse bieten Personalverantwortlichen in der Pflege einige hilfreiche Anregungen.

Erstmals wieder seit dem Jahr 2018 tagte das Symposium der Vereinigung der Pflegedirektor*innen Österreichs, der Austrian Nurse Directors Association (ANDA), Ende Juni. Dieses Mal im Burgenland. Die wissenschaftliche Begleitung der zweitägigen Veranstaltung übernahm das Department Gesundheit der FH Burgenland. Im Vorfeld des Symposiums wurde von der Hochschule im Zeitraum von 12. April bis 8. Mai 2023 eine Bedarfsanalyse zum Thema „Arbeitswelt Pflege 4.0” durchgeführt. Zielgruppe waren Pflegepersonen, die in der direkten Patientenversorgung tätig sind und Führungskräfte in der Pflege. An der österreichweiten Online-Befragung nahmen rund 3.000 Pflegekräfte aus Krankenanstalten teil. Es handelt sich damit um die größte derartige Umfrage der letzten Jahre. Eingebunden waren auch Studierende der Bachelorstudiengänge Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung der FH.

Personelle Entwicklung

2021 waren 61.204 Personen im gehobenen Dienst für die Gesundheits- und Krankenpflege tätig. Im Vergleich: 2017 waren es noch 67.000. Bis zum Jahr 2030 ist in Summe von einem Mehrbedarf an 75.700 Personen (Referenzjahr 2017) auszugehen. Diese Summe ergibt sich aus dem Ersatzbedarf aufgrund von Pensionierungen sowie dem Zusatzbedarf durch demographische Entwicklungen und damit verbunden einem Ausbau der mobilen Dienste unter Berücksichtigung der geschätzten Teilzeitquote (Rappold, E. & Juraszovich , B. (2019). Pflegepersonal Bedarfsprognose für Österreich. (Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Hrsg.), S. 19-21). Der jährliche Bedarf umfasst 3.900 bis 6.700 je nach demographischer Entwicklung. Allein der Zusatzbedarf in Krankenanstalten ohne Miteinbezug von bevorstehenden Pensionierungen beträgt bis 2023 ca. 12.700 (Rappold & Juraszovich, 2019, S. 38-45).

Was braucht es also, um dieses Berufsfeld attraktiver zu machen und bereits tätiges Pflegepersonal im Job zu halten? Mit diesen Fragen trat das Department Gesundheit der FH Burgenland an Österreichs Pflegekräfte heran.

Eckdaten der Befragung

  • 2.954 Personen schlossen den Fragebogen ab. 25% aus der Steiermark, 18% aus Wien, 12% aus dem Burgenland, 13% aus Oberösterreich, je etwa 8% aus Tirol, Kärnten und Salzburg, 5% aus Vorarlberg und weniger als 1% aus Niederösterreich.
  • 81.57 % der Antworten kamen von Pflegekräften; 18.44% von Mitarbeiter*innen des basalen und mittleren Pflegemanagements; 2.25% von Pflegedirektor*innen (n=3248)
  • 2/3 der befragten Personen arbeiten in der Position als diplomierte/r Gesundheit- und Krankenpfleger*in.
  • 83% der Antworten kamen von weiblichen Pflegekräften.
  • 87 % der Beteiligten sind im öffentlichen Bereich tätig.
  • 63% der Befragten arbeiten als Vollzeitkräfte, 42% davon wollen ihr Beschäftigungsausmaß reduzieren.
  • Die Berufserfahrung der Pflegekräfte beträgt durchschnittlich 20 Jahre.

Bedürfnisse rund um das Arbeitsumfeld

Die Befragung war auf beeinflussenden Faktoren des Arbeitsumfeldes von Pflegepersonen gerichtet. Insbesondere wurde der Fokus auf die differenzierten Bedürfnisse der Pflege aus Sicht des Pflegemanagements und Mitarbeiter*innen in der Gesundheits- und Krankenpflege gelegt. Themen wie Mitspracherechte der Pflege bei Krankenhausentscheidungen, Adäquatheit der Personalbesetzung, Beitrag der Pflege zur Versorgungsqualität,  Führungsfähigkeiten und Unterstützung durch das Pflegemanagement und kollegiale Arbeitsbeziehungen im multiprofessionellen Team wurden abgefragt.

Positiv empfunden wird von 60 Prozent der Befragten eine ausreichende Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung. Die Hälfte gibt an, dass es für sie Karrierepfade in der Organisation gibt. 77 Prozent der Befragten können der Aussage zustimmen, dass es in ihrer Institution eine klar definierte Pflegephilosophie gibt. 63 Prozent der Befragten sagen, dass es zumindest teilweise strukturierte Onboarding-Prozesse in der Pflege gibt.

Die Mehrheit der Befragten wünscht sich im beruflichen Alltag mehr Dialog mit der Pflegedirektion. Lediglich 12 % stimmen voll zu, dass Pflegekräfte in Stabstellen mitarbeiten können. Außerdem geben mehr als zwei Drittel an, nicht ausreichend Personal für eine angemessene Versorgungskontinuität in der Institution vorzufinden. Solche und andere Anliegen sowie deren Umsetzungsmöglichkeiten wurden auch im Symposium eingehend diskutiert. 

Auf Basis der Ergebnisse aus der Bedarfsanalyse wurden in zwei Workshops des ANDA Symposiums, geleitet von Expert*innen der FH Burgenland, folgende Themen erörtert: 

  • Employer Branding /Arbeitgeberattraktivität und Anreizsystemen als Konzept und Best Practice Beispiele aus der Praxis
  • Wie können wir eine angemessene Versorgungskontinuität sicherstellen und die Identifikation mit dem Arbeitgeber erhöhen?
  • Betriebliche Gesundheitsförderung & Work-Life-Balance. Theoretischer Input zu Arbeitszeit und psychischen Belastungen
  • interprofessionelle Zusammenarbeit
  • Flexible Arbeitszeitgestaltung
  • Weiterbildung/Karriere
  • Job Crafting

Ab 2024 Ausbildung nur noch an Fachhochschule möglich

Ab 2024 wird die Ausbildung zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger*in) in Österreich an Fachhochschulen überführt. Mit dem spannenden und vielseitigen Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege trägt die FH Burgenland bereits seit 2014 wesentlich dazu bei, dem Pflegenotstand aktiv entgegen zu wirken und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Gibt es schon bisher an der FH Burgenland keine Studiengebühren, macht das neue Anstellungsmodell das Studium noch attraktiver: Studierende werden bezahlt und die Studienzeit zählt somit zu den Pensionsjahren.

Auch für Personen ohne Matura steht der Studiengang offen. Sie können bei facheinschlägiger Qualifikation über einen kostenlosen einjährigen Vorbereitungslehrgang an der FH Burgenland die Studienberechtigung erlangen. Mit dem akademischen Abschluss erwerben die Studierenden am Ende auch die Berufsberechtigung für den gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege. Vor einer mühseligen und langen Jobsuche müssen sich die Absolvent*innen nicht fürchten, denn die Studiengangsleiterin bestätigt: „Die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist enorm und garantiert neben attraktiven Einstiegsgehältern auch eine umfassende Bandbreite der Gesundheits- und Krankenpflege.“


Zur Pressemitteilung: https://www.fh-burgenland.at/news-presse/presse-detail/article/was-pflegekraefte-wollen/

Foto: stock.adobe.com – Vadim

 

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Telematikinfrastruktur für die PflegepraxisDer gesetzgeberische Rahmen ist geschaffen. Fristen sind gesetzt. Grundlegende Technologien sind entwickelt und erprobt. Trotzdem stottert der Motor der Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Pflege, die TI, noch erheblich. Einer der Gründe: Zentrale Akteur*innen sind zwar an die TI angebunden, halten sich aber bzgl. der Nutzung bisher zurück. Mit der anstehenden Anbindung der Pflege an die TI besteht nun erneut die Chance, Schwung in die Nutzung der TI-Anwendungen zu bringen. 

Eine gesetzliche Anbindungspflicht wird aber nicht reichen. Es braucht Motivation zur Nutzung und die kommt nur mit einem echten Mehrwert. In insgesamt 15 Handlungsempfehlungen zeigt die TI-AG auf, wie der Mehrwert der TI für die Pflege spürbar und sinnvoll erhöht werden kann: vollständige Digitalisierung des Abrechnungsprozesses mit allen Kostenträger; verpflichtende Nutzung der TI-Anwendungen für alle Akteur*innen, Aufbau sektorenübergreifender Unterstützungs-Netzwerke, Schaffung TI-kompatibler Schnittstellen für alle Akteur*innen, Verbesserung der Refinanzierungsgrundlage. Alle Empfehlungen finden sich im Papier, das von der Website des Berliner Kompetenzzentrums heruntergeladen werden kann.

Unter anderem haben der Landespflegerat Berlin-Brandenburg, der Volkssolidarität Bundesverband e.V., der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V., der AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. (AVG) und die Landesgruppe des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) das Papier unterzeichnet. Die TI-AG lädt ausdrücklich dazu ein, die Handlungsempfehlungen an Politik, Verwaltungen und Interessensvertreter*innen weiterzuleiten und die Argumente in die laufenden Diskussionen mit einzubringen.

Das Berliner Kompetenzzentrum Pflege 4.0 ist ein Vorhaben der Albatros gGmbH und der TU Berlin und wird durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege und den Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. gefördert.

Link zur Handlungsempfehlung: https://www.lebenpflegedigital.de/wp-content/uploads/2023/06/TI-Handlungsempfehlung.pdf

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: 
Simon Blaschke
Projektleiter LEBEN – PFLEGE – DIGITAL, Kompetenzzentrum Pflege 4.0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

 

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Fingers art of couple during quarrel.Gewalt in der Pflege ist ein erhebliches Problem und kann pflegebedürftige Menschen, aber auch alle an der Versorgung Beteiligten betreffen. In einer bundesweiten Studie des ZQP gibt über ein Drittel der befragten Leitungspersonen von Pflegeheimen an, dass Aggressionen und Gewalt gegen Bewohnerinnen und Bewohner ihre Einrichtungen vor besondere Herausforderungen stellt.

Prävention von Gewalt in der Pflege ist eine besonders wichtige Aufgabe. Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie die in deren Versorgung eingebundenen Personen, vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, können dort Opfer von Gewalt werden – aber auch entsprechend gewaltsam handeln.
 
Pflegebedürftige Menschen sind als Opfer solcher Gewalt besonders ausgeliefert. Sie sind von der Hilfe in der Einrichtung abhängig und können sich oft schlecht wehren oder nur schwer mitteilen. Eine heute von der Stiftung Zentrum für  Qualität in der Pflege (ZQP) vorgestellte bundesweite Befragung von über 1.000 Leitungspersonen in Pflegeheimen weist auf die Bedeutung des Themas für das Gesundheits- und Pflegesystem hin. Über ein Drittel (37 Prozent) der Befragten berichtet darin, dass aggressives und gewaltsames Verhalten gegen Bewohnerinnen und Bewohner ihre Einrichtung vor merkliche Herausforderungen stellt. Die Studie unterstreicht, dass es sich bei Gewaltvorkommnissen insgesamt nicht um Einzelfälle handelt. Der Vorstandsvorsitzende des ZQP, PD Dr. Ralf Suhr erklärt dazu: „Gewalt zu erfahren, bedeutet für die oft hochaltrigen pflegebedürftigen Menschen zum Beispiel, dass sie beschimpft werden, körperliche und teilweise auch sexualisierte Übergriffe erleben. Andere Gewaltformen sind etwa pflegerische Vernachlässigung oder die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts von Bewohnerinnen und Bewohnern. Gewalterfahrungen bedrohen ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und verletzen ihre Rechte.“

69 Prozent der in der Untersuchung Befragten gaben an, mindestens einen Vorfall von Gewalt gegen Bewohnerinnen oder Bewohner in der Einrichtung im zurückliegenden Jahr im Gedächtnis behalten zu haben. Mit Abstand am häufigsten wurde dabei von Gewaltverhalten innerhalb der Gruppe der Bewohnerinnen und Bewohner berichtet: 63 Prozent der Leitungspersonen erinnerten sich an eine derartige Situation. Zudem gab knapp ein Fünftel (19 Prozent) Gewalthandlungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber Bewohnerinnen oder Bewohnern an und 19 Prozent erinnerten sich an solche von Angehörigen oder Gästen der Einrichtung. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse keine Aussagen darüber zulassen, wie häufig Bewohnerinnen und Bewohner insgesamt von entsprechender Gewalt betroffen sind. Suhr ordnet ein: „Die Zahlen führen vor Augen, wie wichtig eine höhere gesellschaftliche Sensibilität für das Thema ist und wie nötig zusätzliche politische Impulse sind, um Gewaltprävention in Pflegeorganisationen stärker zu fördern. Wir haben es hier insgesamt mit einer großen Herausforderung zu tun.“

Zur Umsetzung von gewaltpräventiven Konzepten in der Pflegepraxis müssen sich die Einrichtungen auf genügend qualifiziertes, kompetentes und motiviertes Personal stützen können. Deren Gewinnung, aber gerade auch die Personalentwicklung und -bindung, sind auch deswegen sehr bedeutsam. Doch scheint es für die weitaus meisten Einrichtungen nicht einfach, genügend für sie passende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Dies geben knapp drei Viertel (73 Prozent) der Leitungspersonen an. 59 Prozent sehen einen wiederkehrenden Mangel an geeigneten Bewerbungen aus der Gruppe der Pflegefachpersonen. Für die Gruppe der Pflegehilfskräfte stellten 39 Prozent der Befragten eine solche Mangelsituation fest.

Ralf Suhr sieht die beiden Themen Gewaltprävention und Mitarbeiterzufriedenheit eng miteinander verbunden: „Die Etablierung einer von der Leitungsebene vorgelebten gewaltsensitiven Sicherheitskultur in Pflegeorganisationen zielt darauf ab, die sehr verletzlichen Bewohnerinnen und Bewohner besser zu schützen sowie zur Arbeitssicherheit des Personals beizutragen. Beides fördert attraktive Arbeitsbedingungen und kann die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich erhöhen.“ Denn Pflegende sind ebenfalls von Gewalterlebnissen, Gewaltbeobachtungen und einem damit einhergehenden negativen Klima in den Einrichtungen stark betroffen. Sie können darüber die Motivation für ihre anspruchsvolle Aufgabe verlieren und auch gesundheitlich erheblich belastet werden.