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Eva Maria Bauer

Tagebuch einer letzten Reise

Konkursbuch Verlag, Tübingen 2025, 230 Seiten, 15,00 €, ISBN 978-3-88769-007-6

Das Buch Tagebuch einer letzten Reise der Autorin Eva Maria Bauer stellt einerseits den persönlichen Weg einer palliativen Patientin aus Sicht der unterstützenden/pflegenden Angehörigen dar. Andererseits das professionelle Gesundheits- und Unterstützungssystem im palliativen und hospizlichen Kontext anhand von Interviews, die aus der Rolle der pflegenden Angehörigen geführt wurden.

Eva Maria Bauer ist Musikerin und Musiktherapeutin. Neben autobiographischen Romanen veröffentlichte sie auch ein Fachbuch über Musiktherapie sowie ein Kinder-Liederbuch. Sie ist die Ehefrau der im Buch beschriebenen Palliativpatientin. Trotz dieses engen Bezugs und der Rolle als pflegende Angehörige ist das Buch zwar emotional und auch emotional-bewegend. Die Schilderungen verlieren sich jedoch nicht in reiner Emotionalität in der Bewertung der Situationen und auch der Systemdefizite.

Das Werk umfasst eine Art autobiographisches Tagebuch aus der Rolle der pflegenden Angehörigen heraus sowie eine Darstellung der professionellen Unterstützungsangebote anhand von Interviews mit verschiedenen Schnittstellen-Instanzen. Es beschreibt sich bereits im Klappentext als eine Art Wegweiser, was auch sehr gut gelingt – emotional berührt und berührend, aber trotz dessen, und vielleicht gerade auch deswegen, fachlich-sachlich nachvollziehbar wegweisend. Für von solch einer Situation betroffene Menschen (Patient:innen und deren An- und Zugehörige) sowie vor allem auch für professionelle Umsorger:innen und Systementscheider:innen.

Die erste Hälfte des Buchs ist eine Art Roman in Form eines Tagebuchs bzw. beschriebener Situationen. Hierbei wird sehr deutlich, welchen Belastungen, pflegende An- und Zugehörige ausgesetzt sind sowie auch, wie unterstützend professionelle Umsorger:innen sein und wirken können. Aber auch, wie wichtig pragmatische und basale pflegerisch-medizinische Interventionen sind, gerade vor dem Hintergrund einer hoch-technisierten und -spezialisierten Medizin. Die zweite Hälfte fokussiert anhand von Interviews mit professionellen Unterstützer:innen aus dem Gesundheitssystem die Möglichkeiten, palliativ-hospizlich wirken zu können, zeigt aber auch Systemdefizite auf. Dieser Teil wird eingeführt mit dem persönlichen Brief der Autorin an eine die palliative Patientin versorgende Ärztin. Neben diesem folgen Interviews mit Fachpersonen aus SAPV, ambulantem Hospizdienst, ambulantem Pflegedienst und Palliativstation. Abgerundet wird dies mit rechtlichen, gesetzlichen und fachlichen Grundlagen.

Das Buch besticht mit der Kombination aus autobiographischen Situationsschilderungen und Einblicken in das Versorgungssystem. Zwar sind letztere aufgrund der Erlebnisse persönlich konnotiert, nichtsdestotrotz steht das persönliche Schicksal in der sachlichen Bewertung nicht im Fokus, sodass gut aufgezeigt wird, welche Möglichkeiten es im Gesundheitssystem gibt/geben kann, aber auch, welche mögliche Ressourcen das System angehen muss.  

Auch wenn das Buch im ersten Moment, insbesondere auf Fachpersonen, abschreckend wirken mag, lohnt es sich in jedem Fall – zur System- und auch zur Selbstreflexion. Die Autorin mag auf den ersten Blick eher der Esoterik zugewandt sein, auch das Titelbild unterstützt diese These, doch bereits nach wenigen Seiten zeigt sich eine bodenständige, weltliche Sichtweise aus der Rolle einer pflegenden/unterstützenden Angehörigen heraus. Es besticht somit auch durch eine wenig wahrnehmbar Über-Bedeutungszuschreibung, wie sie in diesem existenziellen Versorgungskontext manches Mal erlebbar ist. 

Insgesamt bewertet ist es Allen, die sich in diesem Setting bewegen, ob als professionelle/r Um-/Versorger:in oder als unterstützende:r An-/Zugehörige:r, nahezulegen, dieses Buch zu lesen. Einerseits als emotionaler, andererseits als fachlicher Ratgeber.

Eine Rezension von Marco Sander, 
Altenpfleger, Palliative Care Pflegefachperson, Pflegewissenschaft (M.A.)

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