
Ursula H. Pabsch
Der Mensch ist mehr als seine Krankheit
Systemische Soziale Arbeit im Krankenhaus
Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2024, 203 Seiten, 29,95 €, ISBN 978-3-8497-0519-0
Zahlen, zahlen, zählen
Damit ist noch nicht alles gesagt, liebe Leser/innen aus der Pädagogik, der Sozialen Arbeit und den Gesundheitsberufen. Wir arbeiten Subjektfinanziert, nach Fallzahlen und engen Vorgaben. Insbesondere in den klinischen, therapeutischen, pflegenden und pädagogischen Spannungsfeldern liegt die Qualität der Arbeit in den interpersonellen und formellen ausdauernden und verbindlichen Balancen. Die Motivation speist sich sinnerfüllend u.a. daraus.
Ursula H. Pabsch ist Diplom-Pädagogin, systemische Therapeutin und erfahrene Organisationsentwicklerin (DGSF). Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in der klinischen Sozialarbeit und war unter anderem in leitenden Positionen im Sozialdienst verschiedener Kliniken tätig. Heute arbeitet sie selbstständig im außerklinischen Case-Management sowie in Beratung und Supervision im Gesundheitswesen.
In ihrem Buch „Der Mensch ist mehr als seine Krankheit – Systemische Soziale Arbeit im Krankenhaus“ plädiert sie für die Bedeutung des systemischen Ansatzes in der klinischen Sozialarbeit und verbindet dabei fundiert Theorie und Praxis mit einem empathischen, ressourcenorientierten Blick auf Patientinnen und Patienten.
Die Publikation „Der Mensch ist mehr als seine Krankheit“ ist das Ergebnis von 32 Jahren Expertise, die sich in den Spannungsfeldern und wandelnden gesellschaftlichen, aber auch gesetzlich-strukturellen Veränderungen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen, entwickelte. Neben weiteren Projekten ist ihr insbesondere die Supervision im Gesundheitswesen eine Herzensangelegenheit. Mit ihrem Buch zur systemischen Sozialen Arbeit im Krankenhaus richtet sich Ursula Pabsch an Kolleginnen und Kollegen, an Akteurinnen und Akteure in Klinik- und Betreuungskontexten sowie an interessierte Fachdisziplinen und Verantwortliche in Organisationen. Aber auch für die Gesetzgeber/innen, welche die zunehmend bedeutender werdenden Arbeitsfelder der Sozialarbeiter/innen in ihrer Relevanz verstehen. Auch Patient/innen, Betroffene, Angehörige und Familien kann ihre Publikation zur Sortierung, in jenen schweren Lebensentscheidungen, behilflich sein und sie darin unterstützen.
Die vorliegende Publikation ist in ein Vorwort, die Einleitung, 16 Kapitel, einer Zusammenfassung zum Schnellüberblick, einem Dokumentationsbogen zur Familienanamnese, der Literaturliste und einer Kurzbeschreibung zur Autorin aufgebaut. „Der Mensch ist mehr als seine Krankheit – Systemische Soziale Arbeit im Krankenhaus“ ist ein fachliches und praktisches Plädoyer für den ethisch-professionellen Umgang mit Patient/innen und ihren Angehörigen bzw. Bevollmächtigten. Hierbei ermutigt sie klinische Sozialarbeiter/innen zum methodisch sauberen Arbeiten, auch wenn nur so wenig Zeitkontingente zur Verfügung stehen. Dabei ermutigt sie Klinikteams zu einer professionellen Haltung, Patient/innen von Beginn an zu begleiten und das gesetzlich vorgeschriebene Entlassmanagement strukturiert zu gestalten.
Daraus ergeben sich Kontinuitäten, Präsenz und Vertrauen, um in den kurzen Beratungs- und Begleitungsterminen methodisch und didaktisch klar, bewusst und konkret alle Beteiligten in ihren schweren Lebens- und Heilungswegen zu unterstützen, zu informieren und zu ermutigen; auch wenn existentielle Entscheidungen getroffen werden müssen. Hierfür stellt sie verschiedene unterstützende systemische Interventionsmöglichkeiten vor und schildert konkrete Fälle der Praxis und ihre inhärenten Beratungsphasen. Dafür braucht es fundierte Diagnostik sowie Wissen über Familienkonzepte, Lebensmodelle und Krankheitsverläufe. Ebenso wichtig sind klare Kommunikation, eindeutige Zuständigkeiten und Grenzen im Team sowie eine professionelle Haltung. Ergänzt wird dies durch fachliche Fähigkeiten und Kompetenzen, die als Ausdruck eines gefestigten beruflichen Selbstverständnisses professionelles Handeln, Beständigkeit und zugleich Anpassungsfähigkeit an zukünftige Entwicklungen in der klinischen Sozialen Arbeit ermöglichen. Ursula Pabsch schließt ihre Publikation mit einem Blick in die Zukunft des ambulanten freiberuflichen Case Management und den sich gerade herauskristallisierenden Forschungsfelder ab.
Erfreulich in der Publikation ist ihr positiver Blick und das Wissen über den Ressourcenschatz aller Beteiligten. Auch die Praxisnähe und der überraschend auflockernde Witz der Autorin stellt überdeutlich die Spannungszusammenhänge in der Praxis, durch organisationale, gesellschaftliche, gesetzliche und finanzielle Rahmungen, erfrischend heraus. Bei aller Schwere schaffen es die Sozialarbeiter/innen sich dabei professionell zu orientieren und zu handeln.
Neu an der Publikation ist die konsequente Stringenz der systemischen Sozialen Arbeit und ihrer seit Jahrzehnten belegten Fachlichkeit, in den sich weiter ausdifferenzierten Aufgabenfeldern. „Die Forschung zur Sozialtherapie als prozessorientiertem methodischen Handeln unterstreicht die Notwendigkeit einer stationären und v.a. ambulanten psychosozialen Behandlung als wichtige Säule der Gesundheitsversorgung.“ (Pabsch 2024, S. 193)
Leser/innen finden hier konkret zur klinischen sozialen Arbeit im Krankenhaus und zur Intensivpflege, eine praxiserprobte Begleitung, Reflexionsunterstützung und inspirierende Hinweise, sowie ein ermutigendes Statement zum professionellen Selbstverständnis. Emotional schwer belastende Situationen können so professionell ressourcen- und lösungsorientiert im Akutkrankenhaus, in Rehabilitationskliniken und in ambulanten Beratungsstellen, mit den Patient/innen und Angehörigen, gehandhabt und Lösungswege beschritten werden. Die vorliegende Publikation überzeugt und ermutigt hierbei. Sie ist sehr übersichtlich, schafft eine schnelle Orientierung und konkrete Hilfe, gerade in Praxiszusammenhängen. Übersichtlich gestaltet und sofort verständliche Darstellungen bündeln die verschiedenen Aspekte klar und deutlich.
Wie auch andere Publikationen greift Ursula H. Pabsch die hohe Relevanz des demografischen Wandels auf: Eine alternde Gesellschaft und die steigende Lebenserwartung machen neue Lebens- und Pflegemodelle im Gesundheitswesen notwendig – und vielerorts sind diese bereits Realität. Dabei unterstreicht sie, dass klinische Sozialarbeiter/innen diese Zukunft beratend, kompetent und selbstbewusst mitgestalten und spricht sie auch konkret ermutigend, amüsant und verbindlich dabei an. Denn es ist mehr als, dass nur Zahlen zählen zählt. Vertrauen entwickelt Wege.
Eine Rezension von Violet Hasner,
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