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Werner Tschan & Jörg Wanner

Trauma Survivorship – Leben statt Überleben
Wie man Traumafolgestörungen verstehen, überleben und professionell begleiten kann 

Hogrefe Verlag, Bern, 1. Auflage 2025, 272 Seiten, 35,00 €,  ISBN 978-3-456-86425-9

Zusammenfassung / Inhalt

Das Buch „Trauma Survivorship – Leben statt Überleben“ setzt sich umfassend mit den Folgen traumatischer Erfahrungen sowie mit den Möglichkeiten der Verarbeitung und Bewältigung von Trauma auseinander. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Betroffene einen Weg finden können, nicht nur mit traumatischen Erfahrungen zu überleben, sondern ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen.

Das Werk verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Traumaforschung mit praxisnahen Beispielen und Fallbeschreibungen. Diese Kombination ermöglicht es, theoretische Konzepte mit konkreten Erfahrungen aus der Praxis zu verknüpfen. Dadurch wird deutlich, wie vielfältig sich Traumata auf das Leben von Menschen auswirken können und wie individuell die Bewältigungsstrategien sind.

Inhaltlich behandelt das Buch sowohl psychologische und soziale Aspekte von Traumata als auch gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen. Besonders hervorzuheben ist die multiperspektivische Herangehensweise. Neben der individuellen Ebene werden auch institutionelle Strukturen, etwa im Kontext von Polizei und Justiz, in den Blick genommen. Diese Perspektive verdeutlicht, dass traumatische Erfahrungen nicht nur persönliche, sondern auch gesellschaftliche Dimensionen besitzen.

Darüber hinaus erweitert das Buch den Blick auf Trauma durch internationale Perspektiven, beispielsweise durch den Einbezug afrikanischer Kontexte. Dadurch wird deutlich, dass Traumata in unterschiedlichen kulturellen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen entstehen und verarbeitet werden. Insgesamt vermittelt das Buch ein differenziertes Bild von Trauma und seinen langfristigen Auswirkungen.

Ziel des Buches

Das zentrale Anliegen des Buches besteht darin, ein vertieftes Verständnis für traumatische Erfahrungen und deren Folgen zu vermitteln. Ziel ist es, sowohl Fachpersonen als auch interessierte Leserinnen und Leser für die komplexen Zusammenhänge von Trauma, individueller Verarbeitung und gesellschaftlichen Strukturen zu sensibilisieren.

Das Buch verfolgt dabei einen aufklärerischen Ansatz. Es möchte bestehende Wissenslücken schließen und dazu beitragen, traumatisierte Menschen besser zu verstehen. Gleichzeitig soll deutlich werden, dass Traumata nicht ausschließlich als individuelles Problem betrachtet werden können, sondern immer auch im Kontext gesellschaftlicher und institutioneller Rahmenbedingungen stehen.

Ein weiteres wichtiges Ziel besteht darin, den Umgang von Institutionen mit traumatisierten Menschen kritisch zu reflektieren. Insbesondere im Kontakt mit staatlichen Institutionen – etwa im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen oder gerichtlichen Verfahren – können traumatische Erfahrungen eine erhebliche Rolle spielen. Das Buch macht deutlich, dass mangelnde Sensibilität oder fehlendes Wissen über Trauma in solchen Situationen zu zusätzlichen Belastungen oder sogar Retraumatisierungen führen kann.

Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Analyse und praxisorientierten Perspektiven möchte das Buch somit dazu beitragen, einen reflektierten und sensiblen Umgang mit traumatisierten Menschen zu fördern.

Aufbau des Buches

Der Aufbau des Buches ist klar strukturiert und folgt einer nachvollziehbaren inhaltlichen Logik. Die einzelnen Kapitel sind thematisch sinnvoll gegliedert und bauen inhaltlich aufeinander auf. Zu Beginn werden grundlegende Aspekte von Trauma sowie zentrale theoretische Konzepte der Traumaforschung eingeführt.

Im weiteren Verlauf werden diese theoretischen Grundlagen durch praxisnahe Beispiele und Fallbeschreibungen ergänzt. Diese Verbindung von Theorie und Praxis ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit den dargestellten Inhalten. Die Leserinnen und Leser erhalten dadurch nicht nur abstrakte Informationen, sondern auch konkrete Einblicke in reale Situationen.

Ein besonderes Merkmal des Aufbaus ist die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven. Neben individuellen Erfahrungsberichten werden auch institutionelle und gesellschaftliche Dimensionen von Trauma thematisiert. Dazu gehören unter anderem die Rolle von Polizei und Justiz sowie internationale Perspektiven auf den Umgang mit traumatischen Erfahrungen.

Diese strukturierte Herangehensweise trägt dazu bei, das komplexe Thema Trauma aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.

Übersichtlichkeit und Praxisbezug

Das Buch zeichnet sich durch eine hohe Übersichtlichkeit und eine klare Darstellung der Inhalte aus. Trotz der wissenschaftlichen Fundierung bleibt die Sprache verständlich und gut nachvollziehbar. Komplexe Zusammenhänge werden anschaulich erläutert, ohne dabei an fachlicher Tiefe zu verlieren.

Besonders positiv hervorzuheben ist der starke Praxisbezug. Die im Buch dargestellten Fallsituationen aus der Praxis ermöglichen es, theoretische Konzepte unmittelbar mit konkreten Erfahrungen zu verknüpfen. Dadurch wird deutlich, wie sich Traumata im Alltag von Betroffenen manifestieren und welche Herausforderungen im Umgang mit traumatisierten Menschen entstehen können.

Der Praxisbezug ist insbesondere für Berufsgruppen relevant, die im Rahmen ihrer Tätigkeit mit traumatisierten Menschen konfrontiert sind. Dazu gehören beispielsweise Fachkräfte im psychosozialen Bereich, aber auch Mitarbeitende in Polizei und Justiz. Das Buch verdeutlicht, dass traumatisierte Menschen häufig Verhaltensweisen zeigen, die ohne entsprechendes Fachwissen missverstanden werden können.

So können beispielsweise Erinnerungslücken, widersprüchliche Aussagen oder starke emotionale Reaktionen Ausdruck traumatischer Belastung sein. Ohne traumasensibles Wissen besteht die Gefahr, solche Reaktionen falsch zu interpretieren. Das Buch leistet daher einen wichtigen Beitrag dazu, das Verständnis für diese Dynamiken zu fördern.

Kritikpunkte

Trotz der insgesamt sehr gelungenen Darstellung lassen sich auch einige kritische Anmerkungen formulieren. Aufgrund der thematischen Breite des Buches werden einzelne Aspekte teilweise nur relativ knapp behandelt. Gerade besonders interessante Themenfelder hätten stellenweise noch ausführlicher vertieft werden können.

Dies gilt insbesondere für die institutionellen Perspektiven, etwa im Hinblick auf Polizei und Justiz. Obwohl diese Bereiche angesprochen werden, wäre eine noch detailliertere Auseinandersetzung mit konkreten Handlungsmöglichkeiten und strukturellen Veränderungen denkbar gewesen.

Ein weiterer Punkt betrifft die inhaltliche Dichte des Buches. Durch die Verbindung zahlreicher Perspektiven und Themen kann die Lektüre stellenweise anspruchsvoll sein. Für Leserinnen und Leser ohne Vorkenntnisse im Bereich der Traumaforschung könnten einzelne Abschnitte daher eine intensivere Auseinandersetzung erfordern.

Diese Kritikpunkte mindern jedoch nicht den insgesamt positiven Eindruck des Buches, sondern zeigen vielmehr, dass die behandelten Themen eine hohe Relevanz besitzen und teilweise noch weiter vertieft werden könnten.

Fazit und Mehrwert für Menschen, die mit Traumata arbeiten 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass „Trauma Survivorship – Leben statt Überleben“ ein fachlich fundiertes und zugleich praxisnahes Werk darstellt. Das Buch überzeugt durch seine klare Struktur, die verständliche Darstellung komplexer Inhalte sowie durch die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit praktischen Beispielen.

Ein besonderer Mehrwert besteht in der multiperspektivischen Herangehensweise. Das Buch beschränkt sich nicht auf eine rein psychologische Betrachtung von Trauma, sondern bezieht auch gesellschaftliche, institutionelle und kulturelle Dimensionen mit ein. Dadurch wird deutlich, dass der Umgang mit traumatisierten Menschen eine interdisziplinäre Herausforderung darstellt.

Gerade für Personen, die beruflich mit traumatisierten Menschen arbeiten, bietet das Buch wertvolle Einsichten. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Justiz. In rechtlichen Verfahren kann mangelndes Wissen über traumatische Belastungen zu Fehlinterpretationen von Aussagen oder Verhaltensweisen führen. Traumatisierte Menschen erinnern sich häufig fragmentarisch oder reagieren emotional anders als erwartet, was ohne entsprechendes Fachwissen missverstanden werden kann.

Das Buch trägt dazu bei, solche Zusammenhänge besser zu verstehen und fördert damit einen sensibleren Umgang mit Betroffenen. Für Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie für Mitarbeitende in Polizei und Justiz kann dieses Wissen von großer Bedeutung sein, um faire und traumasensible Verfahren zu ermöglichen.

Insgesamt stellt das Buch einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für das Thema Trauma dar. Es verbindet wissenschaftliche Fundierung mit praktischer Relevanz und bietet wertvolle Impulse für alle, die sich mit den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen oder in ihrem beruflichen Kontext mit Betroffenen arbeiten.

Eine Rezension von Anett Friedrich,
Medizinpädagogin M. Ed.

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