
Jan Jochmaring, Bastian Pelka, Helmut Stange, Jana York
Soziologie der Behinderung
Ein Lehrbuch
Kohlhammer, 1. Auflage, Stuttgart 2026, 271 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-17-045873-4
Thematik und Kontext
Die Autor:innen beschreiben in der Einleitung ihres Buchs treffend, dass das vorliegende Buch eine Reise beschreibt. Jedoch stehen keine touristischen Ziele wie Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt. In diesem Lehrbuch stehen verschiedene theoretische Perspektiven mit Blick auf das Thema Behinderung im Vordergrund. Hierdurch können verschiedene Blickwinkel erschlossen und neue Perspektiven eröffnet werden. Der Kontext wird durch den Fachbereich der Soziologie geschaffen, in dem das gesamte Buch eingebettet ist. Ein Schwerpunkt in diesem Lehrbuch ist der Fokus auf die Essenz theoretischer Perspektiven auf Behinderung, um Verständnis herzustellen und im besten Falle, gesellschaftliche Veränderungen zu ermöglichen.
Über die Autoren
Dr. Jan Jochmaring, Vertr.-Prof. PD Dr. Bastian Pelka, Dr. Helmut Stange und Dr. Jana York sind über die Technische Universität Dortmund miteinander verbunden. Sie lehrten und lehren im Fachgebiet Rehabilitationssoziologie der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften.
Rahmen der Publikation
Grundlage dieses Buchs bildete ein zwischen 1999 und 2010 verwendetes Skript, welches im Rahmen von Vorlesungen verwandt wurde. Es handelt sich um ein soziologisches Lehrbuch, welches wesentliche soziologische Theorien skizziert, konkrete Beispiele aufzeigt sowie Fragen für weitere Denkanstöße stellt. Wie bei einem Lehrbuch erwartet, liefert das vorliegende Buch Definitionen, Abbildungen, Erklärungen und präzise Texte. Lernziele führen in die jeweiligen Kapitel ein und schaffen Transparenz.
Überblick zum Aufbau und Gliederung des Buches
Das vorliegende Lehrbuch verfügt über 10 Kapitel und umfangreiche Unterkapitel. Einleitend führt ein Kapitel in das soziologische Denken ein, gefolgt von der Darstellung von Behinderung aus soziologischer Perspektive. Dann folgen die Autor:innen ihrem Versprechen, Perspektiven zu eröffnen: Rollentheoretische-, Handlungstheoretische-, Interaktionstheoretische-, Gruppentheoretische-, Sozialisationstheoretische-, Sozialstrukturelle-, Systemtheoretische- und die Modernisierungstheoretische Perspektive werden in unterschiedlichen Kapiteln ausgeführt. Es fällt ein übersichtlicher, gut vergleichbarer Aufbau der jeweiligen Kapitel auf, in dem zunächst die soziologischen Grundlagen und dann der Transfer auf Behinderung ausgeführt werden. Damit sind die einzelnen Kapitel sehr übersichtlich, strukturiert und klar beschrieben. Der Theorie-Praxis-Transfer wird durch den Aufbau des Buchs gelungen unterstützt.
Diskussion
Insgesamt erfüllt das Lehrbuch den Anspruch, verschiedene Perspektiven auf Behinderung zu eröffnen voll und ganz. Ein Diskussionsstrang ist z.B. der, um die Bezeichnung und Definition von Behinderung. Die internationale Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) wurde 2001 verabschiedet. Mit ihr wurde sich auch vom Paradigma der Fähigkeitsstörungen verabschiedet und der Fokus auf soziale Teilhabe gelegt. Begriffe um Behinderung unterliegen einem stetigen gesellschaftlichen Wandel. Es ist wichtig zu verstehen, dass Behinderung weder in der Alltagssprache noch in der Wissenschaft ein eindeutiger und Disziplinen übergreifend einheitlicher Begriff ist. Um so wichtiger ist es, sich der Verwendung von Begriffen und der einhergehenden Verantwortung bewusst zu sein. Ein anderer Diskurs ergibt sich aus der interaktionstheoretischen Perspektive auf Behinderung. Handlungen werden in Ausrichtung an andere Akteuer:innen analysiert, folglich stehen Interaktionen mit anderen Menschen im Mittelpunkt dieser Theorie. Dieser Perspektive folgend, steht Behinderung weniger für individuelle Phänomene, sondern für ein gesellschaftliches Suchen von Ursachen- und Verbesserungspotenzialen (z.B. Stigmatisierung).
Fazit
Die Kombination aus soziologischem Grundlagenwissen und dem unmittelbaren Bezug auf Behinderung ist sehr gelungen. Den höchsten Mehrwert hat das Lehrbuch wahrscheinlich im Kontext Hochschule, denn es ermöglicht einen fundierten und gleichsam praxisnahen Einblick in relevante Themenbereiche um Soziologie und Behinderung. Aber auch für alle, die ihr soziologisches Grundwissen erweitern bzw. auffrischen oder neue Perspektiven auf Behinderung erschließen möchten, ist das Buch überaus geeignet.
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