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Care-Arbeit als Gleichstellungsfrage: EU plant Europäischen Care Deal

Mit ihrer neuen Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 rückt die Europäische Kommission die anhaltenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern stärker in den Fokus europäischer Sozial- und Gesundheitspolitik. Besonders deutlich wird dies im Pflege- und Betreuungsbereich, wo Frauen weiterhin den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten und zugleich die Mehrheit der Beschäftigten stellen.

Die Kommission verweist darauf, dass Frauen in der EU durchschnittlich weiterhin weniger verdienen als Männer, häufiger in Teilzeit arbeiten und deutlich stärker von Altersarmut betroffen sind. Das geschlechtsspezifische Entgeltgefälle liegt EU-weit weiterhin bei rund zwölf Prozent, das Rentengefälle sogar bei etwa 25 Prozent. Als zentrale Ursache nennt die Kommission die ungleiche Verteilung von Pflege- und Betreuungsaufgaben.

Besonders im Gesundheits- und Pflegesektor sieht die EU erheblichen Handlungsbedarf. Frauen übernehmen dort nicht nur den größten Teil der professionellen Pflegearbeit, sondern zugleich auch einen großen Anteil informeller Pflege innerhalb der Familien. Dies erschwere vielen die Vollzeitbeschäftigung, berufliche Entwicklung und wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Die EU-Kommission betont zudem, dass die Arbeitsbedingungen im Pflege- und Betreuungssektor vielerorts problematisch bleiben. Niedrige Löhne, hohe Belastungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und fehlende Entwicklungsperspektiven verschärften den Fachkräftemangel zusätzlich. Pflege werde deshalb zunehmend auch als gleichstellungspolitische und wirtschaftliche Herausforderung verstanden.

Vor diesem Hintergrund kündigt die Kommission einen umfassenden Europäischen Deal für Pflege und Betreuung („European Care Deal“) an, der 2027 vorgestellt werden soll. Geplant sind Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, zur Stärkung der Langzeitpflege, zum Ausbau von Betreuungsangeboten sowie zur gerechteren Verteilung von Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern.
Darüber hinaus will die EU die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stärken. Väter und pflegende Angehörige sollen stärker ermutigt werden, familiäre Auszeiten und flexible Arbeitsmodelle zu nutzen. Gleichzeitig sollen Kinderbetreuung und Langzeitpflege in Europa ausgebaut werden, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen.

Auch gesundheitliche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern nimmt die Kommission stärker in den Blick. Kritisiert wird unter anderem, dass geschlechtersensible Aspekte in medizinischer Forschung, Diagnostik und Ausbildung bislang häufig unzureichend berücksichtigt werden. Künftig sollen geschlechtsspezifische Inhalte stärker in medizinische, pflegerische und therapeutische Ausbildungen integriert werden.

Viele der angekündigten Maßnahmen bleiben allerdings zunächst politisch unverbindlich. Konkrete Auswirkungen auf die Versorgungssituation und die Arbeitsbedingungen in Deutschland sind kurzfristig daher kaum zu erwarten.

Dennoch markiert die Strategie eine politische Neuausrichtung: Pflege, Care-Arbeit und geschlechtsspezifische Ungleichheiten werden von der EU zunehmend als zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunftsfragen verstanden. Ob daraus spürbare Verbesserungen entstehen, wird maßgeblich davon abhängen, wie konsequent die Mitgliedstaaten die europäischen Empfehlungen national umsetzen.

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