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Jens Foell

MEIN GEHIRN, DAS DENKEN & ICH
Wie wir unser komplexestes Organ besser verstehen und benutzen

Droemer Verlag, München 2026, 240 Seiten, 22,00 EUR, ISBN 9783426568453

Verständlich und anschaulich schildert der Autor in seinem Buch nach einführenden Vorbemerkungen in den drei Teilen „Mein Gehirn, das Denken und Ich“ die Wirkungs- und Funktionsweise des menschlichen Gehirns mit ihrem Einfluss auf das Erleben und Verhalten in ihren unterschiedlichen Facetten. Zuerst geht es um die wichtigsten Eigenschaften des Gehirns, „Das Denken“ beschreibt die Interaktion zwischen Gehirn und Mensch und im Kapitel „Ich“ wird der Frage nachgegangen, wann und wie wir für andere da sind oder mit ihnen mitfühlen und warum uns manchmal Hoffnungslosigkeit übermannt. 

Das Gehirn besitzt eine erstaunliche Flexibilität und Plastizität, sich selbst zu reparieren. Der Begriff Modularisierung des Gehirns steht dafür, dass ein System verschiedene Komponenten hat, die miteinander verbunden sind, aber unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Das in sich verbundene, modularisierte Gehirn ist ein gutes Sinnbild, um sich die Komplexität seiner Persönlichkeit und der eignen Gedanken vor Augen zu führen. Unsere Entscheidungen sind oft schwierig, da wir Menschen komplexe Wesen sind – und wir selbst sind komplex, weil unser Gehirn komplex ist. Die Plastizität des Gehirns ist eine faszinierende Eigenschaft. Soweit wir wissen, gibt es im gesamten Universum kein anderes Objekt, das sich derart umbauen kann, um mit der Umgebung interagieren zu können. Für Sie bedeutet das: Stimulieren Sie Ihr Gehirn auf alle Arten, die Ihnen einfallen, um möglichst alles aus seiner erstaunlichen Leistungsfähigkeit herauszuholen. 

Was macht das menschliche Denken aus und führt dazu, dass wir die einzigen Wesen sind, die diese Fähigkeit besitzen? Der Unterschied zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Denkweise liegt in unserer Fähigkeit, in Symbolen zu denken und über die Beziehungen zwischen ihnen nachzudenken. Künstliche Intelligenz ist weder künstlich noch intelligent. Die Bots plappern einfach nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit (also stochastisch) nach, was ihnen zuvor beigebracht wurde. Unabhängig von den Lerntypen (visuell, auditiv, kinästhetisch) ist der Befund der Überlegenheit multimedialen Lernens auch der beste Anknüpfungspunkt an die Hirnforschung. Es gibt Eigenschaften der lernenden Person, die Einfluss auf die Wahl der richtigen Lernstrategie nehmen. Diese werden eingeteilt in Fertigkeiten, Einstellung und Motivation – wobei das im Englischen sehr viel griffiger klingt: skill, will und shrill. Beim ersten (skill) geht es darum, wie umfangreich, wie schnell und wie zielgerichtet man Informationen aufnehmen kann. Beim zweiten (will) spielt die eigene Meinung über den Lernstoff eine Rolle und was einem die Aufgabe an Einsatz wert ist. Und beim letzten (shrill) kommt es auf die eigenen Ziele mit dem Lernthema an. 

Im Abschnitt des dritten Buchteils „Wer steuert hier wen? Über den freien Willen“ geht es letztlich darum, ob wir eigene bedeutsame Entscheidungen treffen können oder unser Leben von außen vorgegeben wird und wir nur denken, es läge in unserer eigenen Hand. Diese Einstellung nennt die Philosophie Determinismus. Am besten macht man sich keine allzu großen Gedanken darüber, ob und inwieweit unser freier Wille nur eine Illusion sein könnte, auch wenn das manche Neuropsychologen behaupten. Auf alle Fälle hat das, was in unserem Gehirn gespeichert wird, die Kombination einer Wahrnehmung mit ihrer Bewertung. Dieses Glaubenskonstrukt wird bei Gelegenheit mit der Realität abgeglichen und gegebenenfalls angepasst. Wichtige neuropsychologische Wirkzusammenhänge der Interaktion mit dem menschlichen Gehirn, etwa die Wirkungen des Alkohols, der Blut-Hirn-Schranke oder des circadianen Schlaf-Wach-Rhythmus, werden behandelt und dargestellt und mit konkreten Hinweisen, Strategien und Ratschlägen des Handelns verknüpft.  Experimente, Studien und Untersuchungsmethoden illustrieren relevante Fragen der Gehirnfunktion und diskutieren die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen. Eine aufschlussreiche Lektüre, die zum grundlegenden Verständnis des menschlichen Gehirns mit wertvollen praktischen Implikationen beiträgt.

Eine Rezension von Dr. med. Paul Kokott

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