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André Fringer, Cla Gleiser

Pflege macht …
53 gute Gründe, stolz zu sein auf den schönsten Beruf der Welt

Hogrefe Verlag, Bern 2026, 128 Seiten, 20,00 €, ISBN 978-3-456-86457-0

Der Pflegeberuf steht seit Jahren im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Unverzichtbarkeit und mangelnder Anerkennung. Fachkräftemangel, öffentliche Debatten über Arbeitsbedingungen und strukturelle Erschöpfung prägen das Bild, das von der Pflege nach außen dringt. Umso bemerkenswerter ist der Versuch, den André Fringer und Cla Gleiser mit ihrem Band „Pflege macht…“ unternehmen. Sie wollen nicht klagen, sondern feiern.

André Fringer, 1973 in Friedrichshafen geboren, ist ausgebildeter Pflegefachmann und hat an der Universität Witten/Herdecke Pflegewissenschaft studiert und promoviert. Heute ist er Professor für familienzentrierte Pflege und Co-Leiter des Masterstudiengangs Pflege an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Palliative Care, dem Sterbefasten und der familienorientierten Pflege. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher pflegewissenschaftlicher Publikationen und seit Jahren an Universitäten im deutschsprachigen Raum lehrend tätig. Cla Gleiser ist freischaffender Illustrator und Texter mit Sitz in Thalwil und Inhaber von verständlich.ch, einem Büro, das sich auf die visuelle und sprachliche Aufbereitung komplexer Inhalte spezialisiert hat. Die Zusammenarbeit zwischen Fringer und Gleiser besteht bereits seit dem Vorgängerband „Pflege ist … 52 Schlaglichter auf den schönsten Beruf der Welt“, der ebenfalls im Hogrefe Verlag erschienen ist und das Konzept eines Cartoon-Bandes mit pflegewissenschaftlichem Anspruch begründete. Das Buch entstand nicht im Rahmen einer akademischen Qualifikationsarbeit oder einer Auftragsstudie, sondern als eigenständiges Autorenprojekt, das die langjährige Zusammenarbeit der beiden fortführt und in Fringers breiteres Engagement für die Sichtbarkeit pflegerischer Professionalität eingebettet ist.

Das vorliegende Buch ist die konsequente Weiterentwicklung dieses Konzepts. Während der Vorgängerband fragte, was Pflege ist, richtet sich der neue Band auf das, was Pflege macht, und damit auf Berufsstolz als zentrales Thema. Das Buch versammelt 53 Doppelseiten, auf denen jeweils ein farbiger Cartoon von Gleiser einem prägnanten Text von Fringer gegenübersteht. Jede Einheit ist in sich geschlossen und beleuchtet einen Aspekt pflegerischen Handelns, eine Kompetenz, eine Haltung oder eine Alltagssituation. Es gibt keine Kapitelstruktur im klassischen Sinne, keine Hierarchie, keine Rangfolge. Das Buch ist bewusst offen und nicht linear angelegt. Man kann es von vorne nach hinten lesen, aufschlagen wo man möchte oder gezielt nach dem suchen, was einen gerade bewegt.

Neu an dieser Publikation ist die konsequente Verschiebung des Fokus vom Definitorischen zum Affektiven. Während pflegewissenschaftliche Literatur Berufsstolz meist als abhängige Variable in Studien zur Mitarbeiterbindung verhandelt, machen Fringer und Gleiser ihn zum eigentlichen Gegenstand. Die Stärke des Bandes liegt dabei in seiner konzeptionellen Klarheit. Fringer und Gleiser richten sich explizit an Pflegefachpersonen, Studierende und Pflegeinteressierte, die die Vielschichtigkeit und Professionalität des Berufs aus einer neuen Perspektive betrachten möchten. Das Ziel, ein positives, inspirierendes und wissenschaftlich fundiertes Bild des Pflegeberufs zu zeichnen, wird konsequent verfolgt. Gerade weil das Buch nicht mit erhobenem Zeigefinger argumentiert, sondern mit Witz, Wärme und präziser Sprache, erreicht es dieses Ziel überzeugend. Die Texte sind kurz genug, um im Alltag gelesen zu werden, und substanziell genug, um zu berühren und nachzudenken.

Das Thema Berufsstolz in der Pflege ist alles andere als neu, wird jedoch selten so niedrigschwellig und ästhetisch ansprechend aufbereitet. Im Vergleich zu gängigen Pflegelehrbüchern oder Fachartikeln, die Professionalität vor allem über Kompetenzrahmen und Outcome-Messungen verhandeln, wählen Fringer und Gleiser einen grundlegend anderen Zugang. Sie zeigen statt zu erklären. Die Cartoons von Gleiser sind dabei keine bloßen Illustrationen, sondern eigenständige Aussagen, die den Text ergänzen, zuspitzen oder ironisch brechen. Gestalterisch überzeugt der Band durch klare Farbgebung, großzügige Layouts und eine Lesefreundlichkeit, die auch Menschen anspricht, die sonst keine Fachliteratur lesen. Ein Vergleich mit ähnlichen Formaten aus anderen Professionen legt nahe, dass ein solches Buch für die Pflege längst überfällig war.

Kritisch anzumerken ist, dass der Band naturgemäß keine Tiefe in Einzelthemen entwickeln kann und will. Wer eine differenzierte Auseinandersetzung mit pflegerischen Konzepten sucht, wird hier nicht unmittelbar fündig. Zur Vertiefung einzelner Themen bieten sich jedoch die zahlreichen Literaturverweise an, die der Band bereitstellt. Das Buch erhebt damit keinen wissenschaftlichen Anspruch, den es nicht einlöst, sondern öffnet für interessierte Leser:innen die Tür zu weiterführender Lektüre.

„Pflege macht…“ ist ein Buch, das man verschenken, ins Pausenraum-Regal stellen und sich selbst gönnen sollte. Es richtet sich an Pflegefachpersonen, die einen Moment der Bestätigung brauchen, an Berufseinsteiger:innen, die wissen möchten, worauf sie sich einlassen, und an alle, die dem Pflegeberuf von außen begegnen. Es ist kein Lehrbuch und kein Manifest, sondern etwas Selteneres: ein kleines, ehrliches Stück Berufsstolz zwischen zwei Buchdeckeln.

Eine Rezension von Julia Taubitz, 
Pflegewissenschaftlerin M.Sc

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