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Daniela Schmitz, Jan-Hendrik Ortloff, Manfred Fiedler, Julia Rinas-Bahl, Lena Lorenz (Hrsg.)

Klima und Vulnerabilität

Springer Nature, Berlin, 2025, 522 Seiten, Preis 49,99 €, ISBN 978-3-662-71727-1 (eBook)

Das Fachbuch zur Klimavulnerabilität und Klimagerechtigkeit widmet sich einem hochaktuellen und komplexen Themenfeld: der Verwundbarkeit von Menschen, Systemen und Infrastrukturen gegenüber den Folgen des Klimawandels. Es greift dabei insbesondere die ungleiche Verteilung von Risiken sowie die zeitliche und räumliche Entkopplung von Verursachung und Betroffenheit auf. Dabei werden Zusammenhänge zwischen klimatischen Veränderungen und gesundheitlichen Auswirkungen – insbesondere bei chronisch erkrankten und vulnerablen Gruppen – dargestellt.

Hintergrund und Kontext

Die Publikation ist interdisziplinär konzipiert und richtet sich primär an ein wissenschaftliches Publikum aus Gesundheits-, Sozial- und Umweltberufen. An dem kooperativen Herausgeberwerk hat eine breite Autorenschaft mitwirkt. Die Beiträge vereinen Expertise aus unterschiedlichen Disziplinen und verfolgen den Anspruch, ein anschlussfähiges Wissensfundament für Forschung, Lehre und Praxis bereitzustellen.

Inhalt und Aufbau

Das Buch ist modular aufgebaut und umfasst neun thematische Abschnitte. Es beginnt mit grundlegenden Begriffsdefinitionen und führt in die Polykrise des Klimawandels ein. Darauf folgen Analysen zur Vulnerabilität von Systemen und transdisziplinären Konzepten wie z. B. Planetary Health. Weitere Kapitel beleuchten konkrete Praxisfelder, Infrastrukturen sowie Herausforderungen durch Umweltveränderungen wie Hitze oder Luftverschmutzung. Ein Schwerpunkt liegt auch auf multiprofessioneller Zusammenarbeit und der Entwicklung von Climate Prepardness auf verschiedenen Ebenen. Abschließend werden Bildungsansätze und Implementierungsstrategien für Lehre, Forschung und Praxis diskutiert.

Diskussion

Neu ist weniger die Vermittlung des aktuellen Erkenntnisstandes als vielmehr die systematische Bündelung vorhandenen Wissens unter dem Begriff der Klimavulnerabilität. Positiv hervorzuheben ist der Fokus auf chronische Erkrankungen sowie Schlaglichter, die Gerechtigkeitslücken und Zusammenhänge des vorherrschenden Wirtschaftssystems sowie das Erbe des Nord-Süd-Gefälles verdeutlichen, wie vulnerabel bereits unsere aktuelle Lage ist und wie wenig wir auf die zu befürchtenden Folgen der Klimakrise vorbereitet sind. Das Werk verdeutlicht eindrücklich die gesundheitlichen Risiken durch den Klimawandel, die auf ein monodisziplinär gesteuertes Gesundheitswesen treffen. Vor diesem Hintergrund sind die Beiträge zur transprofessionellen Zusammenarbeit als besonders gelungen zu bewerten, die praxisnahen Einblicke in mögliche Kooperations- und Bildungsmodelle geben. Kurzum ist die Kernaussage: Eine gelungene interprofessionelle Zusammenarbeit braucht eine interprofessionelle Ausbildung, um die klimabedingten Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung zu begegnen.

Kritisch fällt auf, dass der Theorie-Praxis-Transfer eingeschränkt bleibt: Der Text ist stark theoretisch geprägt, grafische Aufbereitungen sind selten. Die Publikation ist in ihrer Lesbarkeit anspruchsvoll gestaltet. Es ist zu empfehlen, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um die inhaltliche Komplexität vollständig zu erfassen und zu durchdringen.

Fazit

Das Buch bietet eine fundierte, interdisziplinäre Übersicht über Klimavulnerabilität und eignet sich besonders für ein Fachpublikum aus Wissenschaft und Lehre. Es zeigt wie wichtig die interprofessionelle Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der Klimakrise ist und welche Weichen für die Transformation zur Überwindung des professionellen Silodenkens im Gesundheitswesen zu stellen sind. Für die praktische Versorgung bleibt das Werk jedoch in Teilen zu abstrakt und erschwert die Umsetzung. Es verdeutlicht jedoch auch die Komplexität der heutigen Gesundheitsversorgung. Lesenswert ist es vor allem für diejenigen, die sich einen strukturierten Überblick über die Zusammenhänge verschaffen möchten – weniger für Praktiker, die konkrete Handlungsanleitungen suchen. Es bietet jedoch ausreichend Quellen, um Argumentationen im eigenen Veränderungsprozess fundiert zu untermauern.

Eine Rezension von Cindy Steinhöfel, Diplom-Pflegewirtin (FH)

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