Foto: Das Projektteam (v.l.): Alexandra Geißler-Wölfle, Laura Blasius, Martina Maczewski, Johanna Krieser, Britta Levering, Prof. Dr. Isabel Zorn, Prof. Dr. Johann Behrens, Annika Eppmann, Stefanie Daniel und Petra Hoffmann. (c) Heike Fischer/TH Köln

Pflegeberatung und Soziale Arbeit im Tandem: Neues Projekt für Familien mit pflegebedürftigen Kindern gestartet

Familien, die pflegebedürftige Kinder betreuen, sehen sich im Alltag mit besonderen Belastungen konfrontiert: Neben der medizinischen Versorgung und Pflege müssen sie zahlreiche Unterstützungsangebote organisieren und den täglichen Ablauf bewältigen. Um diese Familien wirkungsvoll zu entlasten, entwickelt die TH Köln in einem neuen Projekt ein Tandem-Beratungskonzept, bei dem interdisziplinäre Fachkräfte eng zusammenarbeiten.

„In Deutschland mangelt es an speziell auf Kinder ausgerichteter Pflegeberatung nach Paragraph 7a des Sozialgesetzbuches XI. Darin ist geregelt, dass pflegebedürftige Personen in Deutschland einen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung haben“, sagt Prof. Dr. Isabel Zorn vom Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der TH Köln. „Ein auf die Lebensrealitäten pflegebedürftiger Kinder und deren Familien ausgerichtetes Angebot ist allerdings enorm wichtig, um psychosoziale, organisatorische und gesundheitsbezogene Belastungen zu reduzieren, Ressourcen zu aktivieren und Selbstwirksamkeit zu stärken.“

Das Projekt setzt auf einen lebensweltorientierten Ansatz, der die alltäglichen Erfahrungen und Bedürfnisse der Familien in den Mittelpunkt stellt. In Köln, das als Modellregion dient, werden dafür interdisziplinäre Beratungsteams gebildet, sogenannte Tandems aus Pflegeberater*innen und Fachkräften der Sozialen Arbeit. Diese Teams kombinieren systemische, kreative und digitale Methoden und wenden sie direkt in der Beratung mit den Familien an. Auf diese Weise sollen die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten berücksichtigt und passgenaue, individuelle Lösungen für jede Situation entwickelt werden.

Vernetzung und Bildung als wichtige Projektbausteine

Die Beratungstandems führen Gespräche mit pflegenden Familien in Köln, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden, um das Konzept fortlaufend zu optimieren. Gleichzeitig wird ein sektorübergreifendes Netzwerk mit relevanten Akteur*innen aus Gesundheits-, Eingliederungs- und Sozialbereichen in Köln aufgebaut, um eine kindspezifische und regional verankerte Unterstützungsstruktur zu schaffen. Zusätzlich soll der Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz als Unterstützungstool getestet werden, um den bürokratischen Aufwand für Beratende und Familien zu reduzieren.

„Wir möchten gemeinsam mit dem Verein Süße Zitronen e. V. zeigen, wie lebensweltorientierte Pflegeberatung konkret aussehen kann – vernetzt, kreativ und nah an den Bedürfnissen der Familien“, erklärt Zorn. „Wenn es gelingt, tragfähige Strukturen aufzubauen, können nicht nur pflegebedürftige Kinder und deren Familien profitieren, sondern auch die beteiligten Fachstellen.“ Die praktischen Erfahrungen zur Zusammenarbeit von Pflegeberatung und Sozialer Arbeit, zur Anwendung kreativer Methoden in der Beratung sowie zum Einsatz generativer KI zur Unterstützung des Familienalltags werden vom Institut ISIS e.V. wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Darauf aufbauend werden Bildungsmodule für Pflegeberater*innen sowie praxisnahe Empfehlungen entwickelt.

Über das Projekt

Das Forschungsprojekt „Lebensweltorientierte Pflegeberatung: Methoden und Netzwerkarbeit für Entlastung und Resilienz für pflegebedürftige Kinder und ihre Familien“ wird an der TH Köln von Prof. Dr. Isabel Zorn am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik geleitet. Unterstützt wird das Vorhaben von den Projektpartnern Süße Zitronen e. V. sowie dem gemeinnützigen Institut ISIS e.V. für Supervision, Institutionsberatung und Sozialforschung. Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, die Landesverbände der Pflegekassen in NRW und den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. in NRW und beläuft sich bis Ende November 2028 auf rund 1,1 Millionen Euro.

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