
Danny Herzog-Braune (Hrsg.)
New Work und Resilienz
Kompass für menschenorientierte und innovative Arbeit in einer Welt in der Dauerkrise
Haufe Verlag, Freiburg, 1. Auflage 2025, 224 Seiten, 39,99 €, ISBN 978-3-648-19010-4
Mit New Work und Resilienz legt der Herausgeber Danny Herzog-Braune ein Werk vor, das zwei derzeit viel diskutierten Begriffe der Arbeitswelt systematisch miteinander verknüpfen soll: Resilienz und New Work. Beide Begriffe sind zwar in der Praxis angekommen, oft aber nur auf theoretischer Ebene und werden häufig getrennt voneinander behandelt – Resilienz als individuelle Bewältigungsstrategie, New Work als organisationales oder kulturelles Zukunftsmodell. Das vorliegende Buch setzt genau hier an und versteht sich als praxisorientierter Leitfaden für Menschen, die sich im beruflichen Kontext mit Wandel, Unsicherheit und neuen Formen der Arbeit auseinandersetzen möchten.
Auffällig ist zunächst die bewusste Entscheidung gegen eine sektorale Perspektive. Anders als zahlreiche Veröffentlichungen, die New Work exemplarisch auf einzelne Arbeitsfelder – etwa Büroarbeit, Industrie oder Gesundheitswesen – beziehen, verfolgt dieses Buch einen übergreifenden Ansatz. In dem einleitenden Kapitel werden grundlegende Konzepte von New Work und Resilienz eingeführt, bevor eine Vielzahl von Autor:innen aus unterschiedlichsten Bereichen (wissenschaftliche Vertreter:innen sind hier weniger vertreten), diverse Facetten dieser Themen beleuchten. Diese Vielfalt ist Programm: Das Buch möchte weniger eine geschlossene Theorie entwickeln als vielmehr Orientierung bieten – im Sinne eines Kompasses, der verschiedene Blickrichtungen eröffnet.
Der Herausgeber weist selbst darauf hin, dass das Buch primär als Nachschlagewerk konzipiert ist. Dieser Anspruch ist nachvollziehbar und aus Sicht des Rezensenten auch konsequent umgesetzt. Zwar wird im Vorwort betont, dass eine lineare Lektüre möglich sei, tatsächlich erweist sich diese jedoch als wenig gewinnbringend. Gerade zu Beginn der Kapitel treten deutliche Redundanzen auf, die bei fortlaufender Lektüre schnell ermüdend wirken. Deutlich überzeugender ist die selektive Nutzung: Wer gezielt einzelne Kapitel zu spezifischen Fragestellungen liest, findet gut strukturierte, in sich geschlossene Beiträge, die sich unabhängig voneinander erschließen lassen.
Inhaltlich gelingt die Verbindung von Resilienz und New Work überzeugend. Besonders positiv hervorzuheben ist der konsequente Rückgriff auf den salutogenetischen Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch viele Beiträge zieht. Damit wird deutlich gemacht, dass es bei New Work nicht primär um neue Arbeitsformen oder methodische Innovationen geht, sondern um die Frage, wie Arbeit gesundheitsförderlich, sinnstiftend und nachhaltig gestaltet werden kann – auf individueller, teambezogener und organisationaler Ebene.
Die wissenschaftliche Tiefe des Buches ist nicht durchgängig eindeutig zu bewerten. Einige Beiträge beziehen sich klar auf etablierte, teils ältere Theorien (Bandura, Antonowsky), andere bleiben stärker essayistisch oder erfahrungsbasiert. Erschwert wird die Einordnung dadurch, dass ein systematisches Literaturverzeichnis zum Zeitpunkt der Rezension fehlt. (Zur Erklärung: Am Ende des Buches verweist ein QR-Code auf ein digitales Literaturverzeichnis. Dieser Code funktionierte aber nicht.) Gerade bei einem Thema, das sich dynamisch weiterentwickelt und stark von interdisziplinären Diskursen lebt, ist dies ein spürbares Defizit, da Aussagen und Konzepte nicht immer nachvollziehbar verortet werden können.
Didaktisch setzen die Beiträge auf ein wiederkehrendes Element: Jedes Kapitel endet mit Reflexionsfragen. Diese greifen die Leitidee des Buches als Orientierungsinstrument auf und laden zur persönlichen Auseinandersetzung ein. In der Umsetzung wiederholen viele dieser Fragen zwar zentrale Inhalte des jeweiligen Kapitels, wirken aber angesichts des geringen Umfangs mancher Kapitel etwas zu hochgegriffen. Für Leser:innen können sie dennoch als Impulsgeber dienen.
Gestalterisch fällt die visuelle Umsetzung der Kapitel kritisch ins Gewicht. Jedes Kapitel wird durch ein Bild eingeleitet, das mutmaßlich KI-generiert ist. Die Intention, dem Buch ein modernes Erscheinungsbild zu verleihen, ist nachvollziehbar, wird jedoch nicht eingelöst. Die Bilder wirken häufig unklar, inhaltlich wenig anschlussfähig und eher ablenkend als unterstützend. Die Abbildungen in den Kapitel hingegen sind gut gestaltet und wirken unterstützend für die jeweiligen Inhalte der Kapitel. Ähnlich ambivalent ist die Idee, das Inhaltsverzeichnis per QR-Code auszulagern, um Seiten einzusparen. Grundsätzlich ein zeitgemäßer Ansatz, der jedoch zum Zeitpunkt der Rezension nicht funktionierte - ein ärgerlicher Mangel, insbesondere bei einem Buch, das sich mit digitalen und zukunftsorientierten Arbeitsformen beschäftigt.
In der Einordnung in den bestehenden Diskurs um New Work erweist sich New Work und Resilienz dennoch als wertvolle Ergänzung. Es unterscheidet sich deutlich von Best-Practice-Sammlungen, die konkrete Umsetzungen einzelner Unternehmen vorstellen. Stattdessen bietet es thematische Tiefenbohrungen, unterschiedliche Perspektiven und einen Reflexionsrahmen für Menschen, die sich bereits mit Stress, Arbeitsgestaltung und Salutogenese beschäftigt haben und ihr Verständnis erweitern möchten.
Fazit:
New Work und Resilienz ist kein Einstiegsbuch und kein klassisches Lehrwerk, sondern ein thematisch breit angelegtes Sammelwerk mit klarem Fokus auf Orientierung und Reflexion. Seine Stärke liegt in der gelungenen Verknüpfung von Resilienz und New Work sowie in der Vielfalt der Perspektiven. Schwächen zeigen sich in der Gestaltung, der fehlenden wissenschaftlichen Transparenz und in der Bedeutung der Reflexionsfragen. Für berufserfahrene Leser:innen, die sich differenziert mit den Herausforderungen moderner Arbeitswelten auseinandersetzen möchten, stellt das Buch jedoch eine sinnvolle und anregende Ergänzung im New-Work-Diskurs dar.
Eine Rezension von Simon Ludwig-Pricha
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