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BMG gibt Startschuss für Forschungsförderung zu Frauengesundheit
Ab sofort können Forschende ihre Projekte zur Frauengesundheit für eine Förderung aus den insgesamt bis zu zehn Millionen Euro umfassenden Mitteln einreichen. Hierfür wurden heute zwei entsprechende Förderrichtlinien veröffentlicht.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sagt dazu: „Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen. Frauen haben andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer. Genau diese Unterschiede sollen sich in der Gesundheitsversorgung besser abbilden. Die Förderung von konkreten Forschungsvorhaben durch das BMG leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Ich verspreche mir von den Ergebnissen konkrete Verbesserungen für betroffene Frauen.“
Förderrichtlinien
Die erste Förderrichtlinie unterstützt Projekte, die sich mit der patientinnenzentrierten Versorgung von Frauen beschäftigen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die die Versorgung von Frauen in Deutschland verbessern können.
Die zweite Förderrichtlinie richtet sich gezielt an Nachwuchsgruppen an (Fach-)Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Bereich Frauengesundheit. Sie soll den Aufbau institutioneller Kapazitäten in der Versorgungsforschung fördern und die nachhaltige Entwicklung von Forschungsteams anstoßen.
Beide Förderrichtlinien verfügen jeweils über ein Fördervolumen von bis zu fünf Millionen Euro. Die geförderten Projekte sollen spätestens zum 1. Januar 2027 beginnen. Die Laufzeit ist für reguläre Projekte auf bis zu drei Jahre und für die Nachwuchsgruppen auf bis zu fünf Jahre ausgelegt.
In beiden Förderrichtlinien werden die folgenden thematischen Schwerpunkte besonders hervorgehoben, die ein besonderes Förderinteresse darstellen:
- Versorgung von Frauen mit frauenspezifischen Erkrankungen,
- Versorgung von Frauen mit Erkrankungen mit frauenspezifischen Ausprägungen, beispielsweise hinsichtlich Prävalenz, Inzidenz, Symptomatik, Krankheitslast, Verläufen, Therapieansätzen oder Therapieansprechen,
- Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Gesundheitsversorgung von Frauen in Deutschland; Ungleichheiten im Zugang zum Gesundheitssystem, der Versorgungsqualität oder der
- Inanspruchnahme von Leistungen,
- Versorgung von Frauen mit Endometriose mit dem Fokus auf versorgungspraktische und psychosoziale Aspekte, Gesundheitskompetenz, Kommunikation zwischen behandelnder und behandelter Person und Information/Aufklärung,
- Versorgung von Frauen in den Wechseljahren, einschließlich Prä-, Peri- und Post-meno-pause,
- Versorgung rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett,
- Versorgung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.
Ergänzend zu den genannten Schwerpunkten sind auch eigene Themenvorschläge ausdrücklich willkommen. Ausgeschlossen von einer Förderung sind jedoch folgende Themen und Forschungsansätze:
- klinische Studien gemäß Arzneimittelgesetz (AMG),
- klinische Studien gemäß Medizinproduktegesetz (MPG),
- Evaluierung der Wirksamkeit von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs),
- vergleichende Untersuchungen neuer Versorgungsansätze gegenüber dem Versorgungsstandard,
- tierexperimentelle Arbeiten,
- Ernährungsstudien, Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln,
- Betriebliches Gesundheitsmanagement,
- Long COVID/Post COVID (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
- ME/CFS (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
- Entwicklung von medizinischen Leitlinien.
Mit der Abwicklung der Fördermaßnahmen hat das BMG den Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) beauftragt.
Hier finden Sie die beiden Förderrichtlinien zur Frauengesundheit
Hintergrund
Frauen werden in der Gesundheitsforschung nach wie vor deutlich seltener berücksichtigt als Männer. In der Folge basieren viele diagnostische Verfahren, Behandlungsstandards und therapeutische Leitlinien noch immer primär auf männlichen Referenzwerten und Krankheitsverläufen. Dies kann dazu führen, dass Symptome bei Frauen übersehen oder falsch interpretiert werden, was Fehlversorgungen zur Folge haben kann.
Zudem bringt der weibliche Lebenszyklus spezifische Anforderungen mit sich, etwa im Zusammenhang mit Menstruation, Schwangerschaft, Geburt oder den Wechseljahren. Frauen sind außerdem von geschlechtsspezifischen Erkrankungen wie Endometriose oder dem Polyzystischen Ovarialsyndrom betroffen und zeigen bei vielen anderen Erkrankungen eine höhere Prävalenz oder unterschiedliche Verläufe.
Beispiele hierfür sind Angststörungen, Autoimmunerkrankungen, Depressionen, Migräne und chronische Schmerzkrankheiten, die bei Frauen deutlich häufiger auftreten oder anders verlaufen als bei Männern. Um die Versorgungsforschung zu Frauengesundheit in Deutschland langfristig zu stärken, ist daher der gezielte Aufbau von Kapazitäten und Strukturen in der Forschung notwendig.
Zur Pressemitteilung: https://digitales.hessen.de/presse/ki-beschleunigt-diagnose-seltener-erkrankungen
Gendersensible Medizin
Ausgabe 3-2026
Lange Zeit galt der männliche Körper in der Medizin als Maßstab – mit Folgen bis heute: Symptome wurden „am Standard“ gemessen, Erkrankungen, die primär oder ausschließlich Frauen betreffen, wurden seltener erforscht und später erkannt.
Beiträge zum Thema können bis zum 1. Juni 2026 über die Manuskriptzentrale eingereicht werden:
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