
Autor/innen:
Serap Gülüc
Bibliographische Daten:
Self-Published/BoD – Books on Demand GmbH, Hamburg 2026, 112 Seiten, 22,90 Euro, ISBN 978-3-6957-5120-4
Claudia Korb,
B.Sc. Pflege, Palliative Care Nurse
Das Buch „Wo Worte enden – Begegnungen am Lebensende“ ist ein persönlicher Erfahrungsbericht der Autorin Serap Gülüc über ihre eigenen Erlebnisse und Begegnungen auf der Palliativstation. Sie ist erfahrene Fachärztin für innere Medizin und Palliativmedizin am MVZ am Universitätsklinikum Köln. Zudem pflegt sie einen Instragram Accout namens „nichtaufspaeter“, in dem sie ihre Gedanken zu den Themen Zeit, Mut und das Wesentliche als Ärztin aufschreibt. Dort teilt sie ihre persönlichen Gedanken zu dem Unterschied zwischen den Begriffen „später“ und „zu Spät“. Sie ist der Ansicht, dass das Leben nicht „auf Später“ verschoben werden soll.
Frau Gülüc beschreibt zu Beginn einfühlsam, wie dieses Buch entstanden ist und ihre Beweggründe. Auf der Palliativstation hat sie neben fachlicher Erfahrung auch sehr viele persönliche Momente gesammelt. Allerdings gab es für sie Zeiten, in denen sie das Erlebte nicht in Worte fassen konnte. Viele Geschichten waren aber tief in ihrem Herzen verankert. Es brauchte Reife, Stille und Mut, die Geschichten aufzuschreiben und in einem Buch zusammenzufassen.
Die Autorin erzählt in ihrem Buch sieben Geschichten von Menschen, die sie am Ende des Lebens begleiten darf. Es sind aber nicht nur die Patienten und Patientinnen, von denen sie erzählt, sondern auch von deren Angehörigen. Sie sieht sich aber nicht allein in den Situationen, sondern sie ist Teil eines interdisziplinären Teams, dass sie in und durch diese Zeiten begleitet.
Sie versteht den Tod nicht nur als Ende, sondern als tiefes Auseinandersetzen mit Wahrheit und Annahme, aber auch mit Verzweiflung und versäumter Nähe. Oftmals sind es die kleinen Gesten, die mehr sagen als 1000 Worte. Das kann ein Blick, ein Händedruck, oder oftmals auch ein wortloses Übereinkommen sein. Die Begleitung eines sterbenden Menschen und deren Angehörigen stellt oftmals eine besondere Herausforderung dar. So stellt sich Frau Gülüc die Frage, ob sie manchmal zu vorsichtig in ihren Äußerungen war, oder auch manchmal zu direkt. Persönlich war es ihr immer ein großes Anliegen menschlich zu bleiben. Diese Menschlichkeit spiegelt sich in den Geschichten wider, die die Autorin erzählt. Sie handeln von Nähe, Verständnis und Freundlichkeit, aber auch von Direktheit und dem oftmals auch schwierigen Auseinandersetzen mit dem unvermeidbaren Tod, da jeder Mensch anders mit dieser Situation umgeht. Frau Gülüc beschreibt sehr authentisch, wie sie zusammen mit den beteiligten Menschen diese Situationen bewältigen konnte – oftmals auch ohne Worte.
Das Buch ist für Interessierte an der Palliativmedizin, aber auch für Angehörige ein sehr guter Begleiter und Wegweiser. Die Geschichten sind klar und aussagekräftig geschrieben, sodass man sich gut in die Gefühlswelt denken und mitfühlen kann. Frau Gülüc verzichtet bewusst auf Fachsprache, sondern erklärt einfach und verständlich Vorgänge und Vorgehensweisen. Das Buch liefert Erkenntnisse in die sehr wichtige Arbeit auf der Palliativstation und gibt tiefgreifende Einblicke in das Seelenleben von Betroffenen und Angehörigen.
Das Buch regt auch persönlich zum Nachdenken an: über die Zeit, das eigene Leben und die Endlichkeit des Menschen. Und es lässt die Lesenden mit dem Bewusstsein zurück, dass das Leben kostbar ist und man nichts aufschieben sollte.