
Autor/innen:
Julia Rau, Marie-Luise Krohm, Anna Geburtig, Noks Nauta
Bibliographische Daten:
hogrefe, Bern 2026, 210 Seiten, 33,00 €, ISBN 9783456864495
Dr. med. Paul Kokott
Wenn man davon ausgeht, dass etwa 2-5% aller Menschen, darunter auch Senior*innen hochbegabt sind und wenn wir dazu die Versorgungskontakte ergänzen, die im Alter stets mehr werden, ist es eine große Gruppe, für die das Wissen über Hochbegabung hilfreich sein kann.
Es gibt viele Definitionen, Modelle und Beschreibungen zum Begriff Hochbegabung. Bisher gibt es jedoch keinen Konsens darüber, was dies ist und keine allgemeingültig anerkannte Definition dazu. Bei Hochbegabungsdefinitionen kann zwischen Performanzdefinitionen und Kompetenzdefinitionen unterschieden werden. Bei Performanzdefinitionen wird Hochbegabung über bereits erbrachte Leistungen definiert. Bei den Kompetenzdefinitionen werden Personen, die ein hohes Entwicklungspotenzial aufweisen – unabhängig davon, ob sie dies in Leistung umgesetzt haben oder nicht – als hochbegabt bezeichnet.
In zwanzig Kapiteln – aufgeteilt auf die drei Buchteile „Hochbegabung“, „Lebensgeschichten hochbegabter Senior*innen“ und „Leben mit Hochbegabung im Alter“ – beleuchten die Autorinnen die besonderen Anforderungen im Umgang mit Hochbegabten im Alter. Dabei verbinden sie ausgewählte Fachthemen mit praktischen Empfehlungen.
Als Gemeinsamkeit ist in fast allen Definitionen und Modellen eine hohe Intelligenz enthalten, sie ist das Kernelement. Hochbegabte sind schnelle und kluge Denker, die komplexe Materie bewältigen können. Von Natur aus autonom und selbstbewusst sowie neugierig und begeistert. Scharfe und sensitive Beobachter, die eine stark nuancierte, bildreiche Innenwelt in sich tragen. Intensive Menschen, die es genießen, kreativ zu sein (Delphie-Modell Hochbegabung: van Thiel et al., 2009). Bei der Inter-aktion der Person mit der Umgebung kann diese Beschreibung um die Merkmale kreativ, schnell, intensiv, komplex erweitert werden. Im zweiten Buchteil veranschaulichen zehn Fallbeispiele die Herausforderungen, die aus der Ausprägung des Merkmalsspektrums von Hochbegabten erwachsen. Bei hochbegabten Senior*innen äußert sich der Wunsch nach Freiheit und Freiraum vor allem in einem ausgeprägten Autonomiebedürfnis. Autonomie ist neben Intelligenz und Hochsensibilität eine der drei Wesensmerkmale einer hochbegabten Person. Hochbegabte wollen auch die Kontrolle darüber behalten, welche Untersuchungen gemacht werden, weil sie im Voraus über die Konsequenzen einer Diagnose nachdenken. Es ist also von großer Bedeutung, dass die in der Altenpflege tätigen Personen Kenntnisse über Hochbegabung bei älteren Menschen haben. Dies verhindert falsche Einordnungen und kann helfen, sich auf die spezifischen Bedürfnisse einzustellen.
Im dritten Buchteil werden die Wesenszüge und Aspekte von Hochbegabten, Identität, Autonomie, Hochsensibilität, Verbundenheit und Emotionen, in ihren positiven und negativen Wirkungen einschließlich der Besonderheiten der Hochbegabung im Alter besprochen und erläutert. Des Weiteren werden neben Konflikten auch die Pflege und die Betreuung hochbegabter Senior*innen ausgeführt.
Mit Hochbegabung zu leben bedeutet, ein komplexes Leben zu führen: Dazu gehören vielschichtige Gedankengänge und Gefühle sowie der Drang, Dingen auf den Grund zu gehen. Gerade in Pflegesituationen, wenn die Selbstbestimmtheit begrenzt ist und man auf das Handeln anderer Menschen angewiesen ist, hat der würdige Umgang mit der zu pflegenden Person einen großen Stellenwert.
Das Fachbuch beschreibt die Besonderheiten und Eigenheiten, illustriert von Fallgeschichten, bei Hochbegabung im Alter mit den sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen für die besonderen Fähigkeiten und Bedürfnisse. Die Autorinnen geben Tipps und konkrete praktische Empfehlungen für die Kommunikation, Betreuung und Pflege zur Vermeidung von Verständigungsproblemen und Konflikten.