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Die Longevity-Strategie für Frauen: Sieben Säulen für ein langes und gesundes Leben

1. September 2026 durch
Die Longevity-Strategie für Frauen: Sieben Säulen für ein langes und gesundes Leben
Franziska Reuther

Autor/innen:
Viyan Sido

Bibliographische Daten:
Rowohlt Polaris Verlag, Hamburg, August 2026, 480 Seiten, 20,00 €, ISBN 978-3-499-01994-4

Rezensent/in:
Univ.-Prof. Dr. med. Johannes Albes, MBA, FETCS
Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Brandenburg,
Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg


Longevity- was ist das eigentlich? Der Begriff stammt aus dem lateinischen „longaevitas“ und bedeutet „Ewigkeit, unvergängliche Zeit oder lange Dauer“.

Ein möglichst langes Leben wollen wir alle. Aber das wollen wir natürlich bei guter körperlicher und geistiger Gesundheit. Genau hier kommt die Longevity-Forschung ins Spiel. Wie verlangsamen wir den Alterungsprozess und damit den Erhalt unserer Gesundheit und Fitness? Wie erzielen wir eine Steigerung der Quantität und Qualität der Lebensjahre? Das ist das auf den Punkt gebrachte Ziel. Nun gibt es dabei aber auch noch eine Besonderheit zu beachten. Mitnichten kann hier für beide Geschlechter genau dasselbe empfohlen oder getan werden. Frauen altern anders als Männer. Lange Jahre wurde dies mehr oder weniger negiert, obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu stetig gewachsen sind.

Dieses Buch hat es ich also zum Ziel gemacht, die Longevity Strategie speziell für Frauen zu beleuchten. Ein überfälliges Thema. Es geht um Prävention, gesundes Altern und Frauengesundheit. Dazu hat die Autorin die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebündelt und aufgearbeitet. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Frauen anders altern als Männer und weshalb geschlechtsspezifische Unterschiede in Prävention, Diagnostik und Therapie bislang häufig unzureichend berücksichtigt werden. Das Buch verbindet aktuelle Erkenntnisse aus Präventionsmedizin, Public Health, Herz-Kreislauf-Medizin, Endokrinologie und Lebensstilmedizin mit praxisnahen Empfehlungen für den Alltag. Thematisiert werden unter anderem Herzgesundheit, Hormone und Menopause, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Muskelgesundheit, Darmmikrobiom, Stressregulation sowie moderne Konzepte der Longevity-Medizin.

Die Autorin vertritt die These, dass Longevity keinesfalls ein kurzfristiger Trend und auch kein exklusiver Luxus für wenige ist. Vielmehr beschreibt sie Longevity als das Ziel moderner Medizin: Menschen möglichst viele gesunde Lebensjahre zu ermöglichen. Der Weg dorthin führt nicht über einzelne Wundermittel oder kurzfristige Interventionen, sondern über konsequente Prävention und wissenschaftlich fundierte Alltagsroutinen. Kleine, regelmäßig umgesetzte, teils banal klingende Gewohnheiten, wie ausreichend Schlaf, Bewegung, Muskelaufbau, ausgewogene Ernährung, Stressregulation und soziale Verbundenheit, haben langfristig einen größeren Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung als die meisten medizinischen Einzelmaßnahmen. Vor diesem Hintergrund plädiert das Buch für einen Paradigmenwechsel: Weg von einer Medizin, die Krankheiten erst behandelt, wenn sie bereits entstanden sind, hin zu einer Medizin, die Gesundheit aktiv erhält. Prävention wird dabei nicht als Verzicht verstanden, sondern als Investition in Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Selbstbestimmung bis ins hohe Alter.

Das zentrale Anliegen des Buches ist es, Frauen wissenschaftlich fundiertes Wissen und konkrete Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Gesundheit langfristig aktiv zu gestalten. Den „Jungbrunnen“ werden wir dabei nicht finden, auch wenn Lucas Kranach der Jüngere einen solchen schon 1546 erdacht und gemalt hat. Nur für Frauen übrigens.

Longevity ist beständige Arbeit an sich selbst, am Lebensstil, an der Prävention. Achtsamkeit ist notwendig und die beginnt bereits früh im jugendlichen Alter. Es gibt keine „harmlosen Jugendsünden“. Rauchen, Alkohol, Partydrogen, Sportverletzungen, Infektionen aufgrund mangelnden Impfschutzes, Verpassen von Vorsorgeuntersuchungen, schlechte Ernährung. Sorglosigkeit und Versäumnisse merkt sich der Körper ganz genau und all das holt den Menschen dann im höheren Alter wieder ein. Der Körper vergisst letztlich nichts.

„I don’t regret the follies of the youth, I regret that I didn’t pursue more of them“. Dieses Peter Ustinov zugeschriebene Bonmot relativiert humoristisch wohlwollend Jugendsünden verschiedenster Art.  Leider aber ist die Botschaft falsch. Jugendsünden sollte man durchaus bereuen, oder besser noch, gar nicht erst begehen.

Die richtige Botschaft ist also tatsächlich die: Prävention ist der Weg zu Longevity, zu einem langen und gesunden Leben. Die Instrumente dazu, dies zu erreichen, finden sich alle im Buch. Vieles ist eigentlich ganz einfach zu realisieren, in der Summe dennoch durchaus eine Herausforderung. Die konsequente Umsetzung bedarf der Überwindung des „Inneren Schweinehundes“. Im Ergebnis ist sie aber von allergrößtem Nutzen. Nichts ist schöner, als im höheren Alter jenseits der 75 noch topfit zu sein. Überdies ist diese Lektüre tatsächlich nicht nur für Frauen relevant. Auch Männern ist das Buch zu empfehlen. Zum einen schadet es wahrlich nicht, zu wissen, was gut für die Partnerin ist und sie entsprechend zu verstehen und begleiten zu können, zum anderen kann man(n) über das Begleiten hinaus gleich auch mitmachen bei präventiven Maßnahmen, denn sehr viele, im Buch beschriebene Maßnahmen sind für beide Geschlechter gleichsam von Nutzen.

Dieses Buch ist erfreulicherweise nicht allzu trocken geschrieben, trotz der eingebrachten Fülle aktueller wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ein belletristischer Roman ist es aber auch nicht. Es bedarf des konzentrierten Lesens.

Autorin ist Dr. med. Viyan Sido, Fachärztin für Herzchirurgie und Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Prävention, Frauengesundheit und Longevity. Neben ihrer klinischen Ausbildung absolvierte sie einen Master of Science in Public Health und engagiert sich seit vielen Jahren für geschlechtersensible Medizin sowie die Weiterentwicklung präventiver Versorgungskonzepte.

Gute Versorgung braucht Differenzierung

Medizinische Standards beruhen noch immer häufig auf Daten, die vor allem am männlichen Körper gewonnen wurden. Ausgabe 3/2026 von Dr. med. Mabuse erscheint im August 2026 und zeigt, warum die Medizin genauer hinschauen muss – auf Symptome, Diagnostik, Therapien und Versorgung. 

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