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Politische Partizipation in der Pflege

Ein Bildungsangebot und Weckruf zur Pflegekammer in Bayern
6. Oktober 2026

Autor/innen:
Hannah Igl, Johannes Lichtenegger, Michael Bossle

Bibliographische Daten:
Springer, 2026, 109 Seiten, Softcover 42,79 €, ISBN978-3-662-73506-0, eBook (Open Access) ISBN 978-3-662-73507-7

Rezensent/in:
Prof. (em) Dr. Christa Olbrich


Wie kann politische Teilhabe und Mitbestimmung in der Pflege erreicht werden? Dieser Frage geht das Buch von Hannah Igl, Johannes Lichtenegger und Michael Bossle nach. Grundlage ist eine qualitative Forschungsarbeit, die untersucht, wie politische Bildung dazu beitragen kann, die Pflegeprofession zu stärken. Damit ist das Buch zugleich ein Plädoyer für mehr berufspolitisches Bewusstsein und für die aktive Beteiligung von Pflegefachpersonen an der Gestaltung ihres Berufes.

Die Autoren und Autorinnen beginnen mit einer historischen und gesellschaftlichen Einordnung. Pflege ist die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und trägt damit eine erhebliche gesellschaftliche Verantwortung. Dennoch ist ihr politischer Einfluss bislang vergleichsweise gering. Als eine Ursache wird das historisch gewachsene Rollenverständnis der Pflege beschrieben: Die lange Tradition des Dienens, der karitativen Fürsorge und der weiblichen Unterordnung hat die Entwicklung eines selbstbewussten berufspolitischen Selbstverständnisses erschwert.

Ein eigenes Kapitel widmet sich den Pflegekammern – ihren Aufgaben, ihrem Potenzial und dem aktuellen Diskurs. Dabei wird deutlich, dass politische Beteiligung Wissen voraussetzt. Wer Strukturen, Zuständigkeiten und Möglichkeiten der Einflussnahme kennt, kann die eigenen Interessen fundierter vertreten und berufspolitische Entscheidungen aktiver mitgestalten.

Besonders interessant sind die Ergebnisse der Experteninterviews. Sie verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Praxis und bilden die Grundlage für konkrete Bildungskonzepte. Auch erfolgreiche berufspolitische Aktionen wie „Trommeln für die Pflege“, unterstützt vom Caritasverband Regensburg, werden einbezogen. Dadurch erhält das Thema der politischen Partizipation eine anschauliche und praxisnahe Dimension.

Eine besondere Stärke des Buches liegt in den entwickelten pädagogischen Handreichungen und dem pflegedidaktischen Modell. Sie bieten Lehrenden und Multiplikatoren konkrete Möglichkeiten, politische Bildung in der Pflegeausbildung und -weiterbildung zu verankern. Damit bleibt das Buch nicht bei der Analyse stehen, sondern zeigt Wege auf, wie politisches Handeln tatsächlich gelernt und eingeübt werden kann.

Die zentrale Botschaft reicht jedoch über die Vermittlung von Wissen hinaus: Politische Bildung ist ein emanzipatorischer Prozess. Sie kann Pflegefachpersonen darin unterstützen, ihre beruflichen Interessen wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und ihre gesellschaftliche Rolle selbstbewusst zu gestalten.

Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen ist das Buch hochaktuell. Die Pflege braucht nicht nur mehr Fachkompetenz, sondern auch mehr politische Handlungskompetenz. Sie muss lernen, ihre Stimme als größte Berufsgruppe des Gesundheitswesens gemeinsam und wirkungsvoll einzubringen.

Dass das Buch als Open-Access-Publikation kostenlos als PDF zur Verfügung steht, ist dabei ein besonderer Vorteil. Es sollte von Lernenden, Lehrenden und Leitenden genutzt werden, um politisches Bewusstsein zu fördern – und damit die Handlungsmacht einer Profession zu stärken, die längst mehr Verantwortung trägt, als sie politisch wahrnimmt.

Politische Bildung macht aus Betroffenen Beteiligte. Das Buch zeigt, wie Pflegefachpersonen lernen können, ihre Stimme zu erheben – und aus ihrer beruflichen Verantwortung politische Gestaltungskraft zu entwickeln.

Für Fachkräfte mit Haltung:

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