
Autor/innen:
Anita Engels
Bibliographische Daten:
Oekom Verlag, München 2026, 240 Seiten, Softcover 24,00 €, ISBN 978-3-98726-548-8
Cindy Steinhöfel, Diplom-Pflegewirtin (FH)
In einer Zeit, in der die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen unbestritten ist, rückt die Frage nach der praktischen Umsetzung mehr in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte. Anita Engels, eine renommierte Soziologin für Nachhaltigkeitsforschung aus Hamburg, nimmt sich in ihrem Buch „Die Klimawende jetzt organisieren“ genau diesem Thema an. Der Text betrachtet zwölf Schlüsselprozesse von „Klimawissen“ bis „Transformation der Arbeit“ in einer Landkarte der Möglichkeiten, um die Klimawende für sich selbst zu organisieren. Das Buch richtet sich an Personen, die verstehen wollen, wie tiefgreifende Veränderungen in komplexen Zusammenhängen und gegenseitigen Abhängigkeiten tatsächlich gelingen können.
Der Aufbau des Buches folgt einer klaren Logik, die von der Analyse des aktuellen Stands der Klimawende hin zu Handlungsoptionen führt. Engels beginnt mit einer fundierten Einordnung des Problems: Die Klimawende scheitert oft nicht an Wissensdefiziten oder Technologie, sondern an etablierten Strukturen und Denkmustern innerhalb bestehender Institutionen und Gesellschaft. Im zweiten Teil des Buches skizziert sie, welche Hebel sie in sechs der zwölf Schlüsselprozesse sieht, um die Klimawende zu beschleunigen.
Im Kern überzeugt das Buch durch seine klare Benennung der gesellschaftlichen und organisatorischen Hürden aber auch der Chancen. Neu ist insbesondere die Verbindung von organisationssoziologischen Erkenntnissen mit der konkreten Notwendigkeit der Dekarbonisierung. Engels zeigt auf, dass die Klimawende kein einmaliges Projekt ist, sondern ein ständiger Lern- und Anpassungsprozess. Der Nutzen der Publikation liegt vor allem darin, dass sie Lesenden hilft, Widerstände in eigenen Organisationen besser zu verstehen und strategisch zu adressieren. Das erklärte Ziel der Autorin, handlungsleitende Impulse zu geben und mit anschaulichen Beispielen verknüpft.
Was die Übersichtlichkeit und Gestaltung betrifft, so ist der Text gut strukturiert und lässt sich trotz seiner theoretischen Tiefe flüssig lesen. Die zwölf gesellschaftlichen Schlüsselprozesse werden mit einer Bestandsaufnahme, den hinderlichen und förderlichen Bedingungen am Ende des jeweiligen Kapitels zusammengefasst. Mehr grafische Darstellungen hätten das Verständnis der komplexen Zusammenhänge sicherlich gutgetan.
Zusammenfassend lässt sich resümieren, dass das Buch „Die Klimawende jetzt organisieren“ eine wichtige Lektüre ist, um Menschen Mut zu machen, den Diskurs zur Klimawende unaufhörlich von den bloßen Forderungen hin zu einer operativen Umsetzung zu verschieben. Dabei bringt sie drei zentrale Gedanken zum Gelingen zusammen: Empathie, Aktivierungsenergie und Resonanz. Das Buch ist besonders für Personen empfehlenswert, die aktiv an der Transformation arbeiten wollen und sich mit der Landkarte der Möglichkeiten orientieren wollen. Die Rezensentin hat ihre eigenen Lern- und Anpassungsprozess in diesem Text widergespiegelt gesehen.