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Postpartale Depression

13. September 2026

Autor/innen:
Maria Asenbaum

Bibliographische Daten:
Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2026, 248 Seiten, 39,95 € (Printausgabe), 978-3-8497-0631-9

Rezensent/in:
Anett Friedrich, 
Medizinpädagogin M.Ed., 
Diversitytrainerin


1. Inhalt und thematische Schwerpunkte

Mit Postpartale Depression widmet sich Maria Asenbaum einem Thema, das für die Begleitung von Frauen und Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett von großer Bedeutung ist. Dabei betrachtet sie die postpartale Depression nicht isoliert als psychische Erkrankung der Mutter, sondern konsequent aus einer systemischen Perspektive. Im Mittelpunkt stehen damit auch Partnerschaft, Familie und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Besonders gelungen ist, dass das Buch mit Geschichte und gesellschaftlichen Entwicklungen beginnt und damit den Blick zunächst weitet. Die Autorin zeigt, wie Vorstellungen von Mutterschaft, Elternschaft und Familie entstanden sind und welche Erwartungen bis heute auf Frauen und Familien wirken. Dadurch wird deutlich, dass psychische Belastungen nach einer Geburt nicht losgelöst von ihrem sozialen und kulturellen Kontext verstanden werden können.

Bemerkenswert ist zudem die Auseinandersetzung mit Männern und Partner*innen als einem häufigen „blinden Fleck“. Die Perspektive der Partner und Väter erhält einen eigenen Stellenwert. Dadurch wird die postpartale Depression nicht ausschließlich als Angelegenheit der Mutter betrachtet, sondern als eine Krise, die Beziehungen und das gesamte Familiensystem betreffen kann.

Weitere Schwerpunkte bilden die Geburt als potenziell traumatische Erfahrung, Veränderungen im Übergang zur Elternschaft sowie die Bedeutung von Beziehungen und sozialen Netzwerken. Auch gesellschaftliche Vorstellungen von „guter Mutterschaft“, familiäre Rollenbilder und Einflüsse sozialer Medien werden berücksichtigt. Die zahlreichen kleineren Geschichten und Fallbeispiele machen die beschriebenen Belastungen und Dynamiken anschaulich und nachvollziehbar.

2. Zielsetzung des Buches

Das Buch verfolgt das Ziel, postpartale Depressionen aus einer umfassenden systemisch-therapeutischen Perspektive zu betrachten. Asenbaum beschränkt sich dabei nicht auf Symptome und Diagnostik, sondern richtet den Blick auf biografische, partnerschaftliche, familiäre und gesellschaftliche Zusammenhänge.

Damit trägt das Buch auch zur Enttabuisierung psychischer Krisen nach der Geburt bei. Es macht deutlich, dass Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit einem Kind nicht ausschließlich mit Glück und Erfüllung verbunden sein müssen. Ambivalenzen, Überforderung, Ängste und depressive Entwicklungen erhalten Raum, ohne die betroffenen Frauen auf eine Diagnose zu reduzieren.

Besonders wertvoll erscheint die Perspektivenvielfalt. Mutterschaft und Vaterschaft, Paarbeziehung, Familie und Gesellschaft werden miteinander verbunden. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild davon, wie vielfältig die Faktoren sein können, die eine postpartale Krise beeinflussen.

3. Aufbau und Struktur

Der Aufbau des Buches ist nachvollziehbar und abwechslungsreich. Historische und gesellschaftliche Betrachtungen werden mit theoretischen Grundlagen, therapeutischen Ansätzen und konkreten Beispielen verbunden. Die kleinen Geschichten und Fallbeispiele lockern die fachlichen Ausführungen auf und schaffen immer wieder einen Bezug zur Lebenswirklichkeit von Betroffenen.

Die Themen bauen sinnvoll aufeinander auf und ermöglichen es, die postpartale Depression schrittweise aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Besonders positiv fällt auf, dass nicht ausschließlich die Mutter in den Mittelpunkt gestellt wird. Der Übergang vom Paar zur Familie, Partnerschaft, Vaterschaft, Geburtserfahrungen und gesellschaftliche Erwartungen werden miteinander verknüpft. Diese Struktur entspricht dem systemischen Grundgedanken des Buches.

4. Verständlichkeit und Praxisbezug

Eine besondere Stärke des Buches liegt in seiner verständlichen und zugleich informativen Sprache. Komplexe psychologische und systemische Zusammenhänge werden so dargestellt, dass sie auch für Leser*innen nachvollziehbar bleiben, die nicht ausschließlich aus dem psychotherapeutischen Bereich kommen.

Der Praxisbezug wird vor allem durch die zahlreichen Fallbeispiele und kleinen Geschichten hergestellt. Sie vermitteln nicht nur theoretisches Wissen, sondern zeigen, wie unterschiedlich postpartale Krisen erlebt werden können. Gleichzeitig regen sie dazu an, die eigene professionelle Haltung gegenüber betroffenen Frauen, Partner*innen und Familien zu reflektieren.

Für Fachpersonen aus Pflege, Hebammenarbeit, Geburtshilfe, Medizin, Psychologie, Psychotherapie und Familienbegleitung bietet das Buch zahlreiche Anknüpfungspunkte. Gerade für die Pflege ist die systemische Perspektive interessant, weil Pflegende häufig unmittelbar mit Frauen und Familien in vulnerablen Lebenssituationen in Kontakt stehen.

5. Kritische Anmerkungen

Die große thematische Breite ist eine Stärke des Buches, kann aber zugleich dazu führen, dass einzelne Aspekte nicht in der gleichen Tiefe behandelt werden können. Wer ein ausschließlich medizinisches oder diagnostisches Fachbuch zur postpartalen Depression erwartet, wird hier einen anderen Schwerpunkt vorfinden. Asenbaums Zugang ist deutlich systemisch und beziehungsorientiert.

Gerade darin liegt jedoch der besondere Wert des Buches. Die Autorin erweitert den Blick über die einzelne Diagnose hinaus und verdeutlicht, dass psychische Gesundheit nach einer Geburt immer auch mit Beziehungen, biografischen Erfahrungen, gesellschaftlichen Erwartungen und vorhandenen Unterstützungsstrukturen zusammenhängt.

6. Fazit

Postpartale Depression von Maria Asenbaum ist ein sehr lesenswertes, verständlich geschriebenes und zugleich fachlich informatives Buch. Besonders überzeugt die konsequente Perspektivenvielfalt.

Hervorzuheben sind die kleinen Geschichten und Fallbeispiele, durch die das Thema lebendig und greifbar wird. Ebenso wertvoll ist die Auseinandersetzung mit Männern und Partnern als bislang häufig vernachlässigter Perspektive. Auch die Betrachtung der Geburt als potenziell traumatische Erfahrung sowie die Bedeutung von Beziehungen, Unterstützung und Vernetzung erweitern das Verständnis postpartaler Krisen.

Gerade diese Verbindung von individuellen Erfahrungen, familiären Beziehungen und gesellschaftlichen Bedingungen macht die besondere Qualität des Buches aus. Es vermittelt, dass postpartale Depression nicht allein als Erkrankung einer einzelnen Frau verstanden werden sollte, sondern in einem komplexen Geflecht aus Biografie, Beziehungen, Erwartungen und gesellschaftlichen Strukturen entsteht und erlebt wird.

Insgesamt ist Postpartale Depression ein gelungenes und empfehlenswertes Fachbuch, das Wissen vermittelt, zum Nachdenken anregt und für die Situation betroffener Frauen und Familien sensibilisiert. Besonders für Fachpersonen aus Pflege, Hebammenarbeit, Geburtshilfe, Psychologie, Psychotherapie und anderen Gesundheitsberufen stellt es eine wertvolle Lektüre dar.

Für Fachkräfte mit Haltung:

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