
Autor/innen:
Prof. Dr. Christine von Reibnitz
Bibliographische Daten:
Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2026, 72 Seiten, 9,99 €, ISBN 978-3-662-72658-7
Dr. Thomas Petzold,
Gastwissenschaftler an der Fakultät für Humanwissenschaften, Institut für Gesundheit, Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg
Die Frage, wie Leadership, Führung, Management und Zusammenarbeit in Organisationen zielführend gestaltet werden können, gehört zu den prägenden Themen unserer Zeit. Gerade in Gesundheitseinrichtungen entscheidet Führung nicht nur über die Zielerreichung, sondern auch darüber, ob Mitarbeitende wirksam, verantwortungsvoll und langfristig gesund arbeiten können.
Im Springer Essential „Nachhaltige Führung in Gesundheitseinrichtungen“ betrachtet Frau Prof. Dr. Christine von Reibnitz nachhaltige Führung mit besonderem Blick auf Unternehmenskultur, Resilienz und die Gesunderhaltung von Mitarbeitenden. Zwar nimmt das Buch häufig Pflegefachpersonen in den Blick, jedoch lassen sich die dargestellten Überlegungen grundsätzlich auf weitere Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung übertragen.
Christine von Reibnitz ist Professorin am Business Psychology & HR Department der International School of Management. Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem in der Organisationsentwicklung in der Gesundheitswirtschaft sowie in der Gesundheitsförderung. In diesem Themenfeld ist auch das vorliegende Essential zu verorten.
Ausgangspunkt der Betrachtung ist das Prinzip der Triple Bottom Line. Nachhaltige Führung richtet sich demnach nicht ausschließlich am wirtschaftlichen Erfolg von Gesundheitseinrichtungen aus, sondern berücksichtigt zugleich ökologische und soziale Auswirkungen. Ziel ist ein langfristiger Ausgleich dieser drei Dimensionen. Nachhaltige Weiterentwicklung bedeutet dabei, nicht allein die Bedürfnisse der Gegenwart zu berücksichtigen, sondern auch die Handlungsmöglichkeiten künftiger Generationen zu bewahren. „Ethisches Verhalten, soziale Gerechtigkeit, Umweltverantwortung sowie die Förderung einer nachhaltige Unternehmenskultur“ werden somit zu Voraussetzungen langfristigen Unternehmenserfolgs und gesellschaftlichen Mehrwerts.
Wie kann eine solche Unternehmenskultur entstehen? Frau Prof. Dr. von Reibnitz hebt die organisationale Resilienz als zentrales Merkmal nachhaltiger Organisationen hervor. Führungskräfte nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Sie erkennen interne und externe Herausforderungen, bewerten diese gemeinsam mit ihren Teams und entwickeln Lösungswege, die Anpassung und Lernen ermöglichen. Nachhaltige Führung beruht damit auf dem Zusammenspiel persönlicher und organisationaler Resilienz – was auch bereits als Antifragilität verstanden werden könnte (Adam 2025). Eine tragfähige Unternehmenskultur kann Zufriedenheit, Widerstandsfähigkeit und Handlungsfähigkeit der Mitarbeitenden fördern und zugleich stabilisieren resiliente Mitarbeitende die Organisation und ihre Kultur.
Für Führungskräfte bedeutet dies konkret, langfristige ökologische und soziale Ziele gleichrangig neben ökonomische Zielsetzungen zu stellen. Eine nachhaltige Ausrichtung kann jedoch nur gelingen, wenn Mitarbeitende die Ziele verstehen, mittragen und aktiv an ihrer Umsetzung beteiligt werden. Führung wird dadurch nicht überflüssig, verändert aber ihren Charakter. Sie schafft Orientierung, ermöglicht Beteiligung und eröffnet Handlungsspielräume für eigene Ideen und Verantwortung.
Im letzten Abschnitt richtet das Buch den Blick auf Gesundheitskompetenz als Element nachhaltiger Führung. Gesundheitskompetente Führungskräfte können Arbeitsbedingungen so gestalten, dass Wohlbefinden gefördert und Belastungen reduziert werden. Mitarbeitende sind nicht lediglich Ressourcen der Organisation, sondern konstituierende Bestandteile ihres Erfolgs. Eine nachhaltig geführte Organisation kann daher auch als gesunde Organisation verstanden werden.
Gerade an diesem Punkt lässt sich zugleich eine weiterführende Diskussion anschließen. Während zu Beginn ökologische, soziale und ökonomische Aspekte gleichwertig nebeneinanderstehen, fokussiert der letzte Teil insbesondere die soziale Dimension nachhaltiger Führung. Die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen und die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitenden und Führungskräften werden nachvollziehbar als wechselseitige Aufgabe von Organisation und Individuum beschrieben. Soziale Führungskompetenzen könnten jedoch noch deutlicher einbezogen werden. Insbesondere Vertrauen, Kommunikation und Mindfulness sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende langfristig gesund, engagiert und wirkungsvoll tätig sein können (Meeßen & Roth 2026; Kopkow 2026).
Das Essential empfiehlt sich für Führungskräfte sowie für alle in Gesundheitseinrichtungen Tätigen, die sich mit nachhaltiger und gesundheitskompetenter Führung auseinandersetzen möchten. Es bietet einen kompakten, gut zugänglichen Einstieg und liefert Anregungen für die praktische Umsetzung.
Literatur
- Adam, P. Antifragil ist mehr als resilient. QZonline. 17.03.2025
- Meeßen, A., Roth, B. (2026). Zukunftsfähige Führung durch Mindfulness. In: Petzold, T., Böhland, B. (eds) Adaptive Transformation des Gesundheitswesens. Springer, Berlin, Heidelberg.
- Kopkow, P. (2026). Führen auf Augenhöhe: Grundlage nachhaltiger Transformation. In: Petzold, T., Böhland, B. (eds) Adaptive Transformation des Gesundheitswesens. Springer, Berlin, Heidelberg.