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Depressionen im Alter: Eine Studie zur Wirksamkeit des MIASA (Mittendrin im Alter statt allein)-Programms

Unter Berücksichtigung depressiver Symptome bei Senioren in stationären Einrichtungen
14. Juli 2026 durch
Depressionen im Alter: Eine Studie zur Wirksamkeit des MIASA (Mittendrin im Alter statt allein)-Programms
Franziska Reuther

Autor/innen:
Sarina Engelhardt

Bibliographische Daten:
Verlag Dr. Kovač, Studien zur Gerontologie, Band 14, Hamburg 2025, 206 Seiten, 88,90 €, ISBN 978-3-339-14498-0

Rezensent/in:
Jochen Martin, Diplom Pflegepädagoge, MA Erwachsenenbildung

Depressionen kommen im Alter etwa genauso häufig vor wie bei jüngeren Menschen. Allerdings sieht die Situation in Pflegeheimen anders aus. Etwa 30 % der BewohnerInnen, vielleicht sogar mehr, leiden unter dieser Krankheit. Sie steht nach der Demenz an zweiter Stelle der akuten Erkrankungen in stationären Pflegeeinrichtungen. Gründe, die Depressionen begünstigen, sind der Verlust an Autonomie durch den Einzug ins Heim, Einschränkungen aufgrund körperlicher und psychischer Gebrechen und der Verlust von Freunden und Angehörigen.

Depressionen beeinträchtigen die Lebensqualität, können körperliche Leiden verschlimmern, tragen zur Entstehung einer Demenz bei und erhöhen die Suizidgefahr.

Umso wichtiger sind Maßnahmen, die präventiv eingesetzt werden können, um Depressionen im Pflegeheim zu begegnen. Die Autorin des Buches will klären, ob ein von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen entwickeltes Seniorenprogramm „Mittendrin im Alter statt allein“ (MIASA) zur Prävention beitragen kann. Sarina Engelhardt hat dazu im Rahmen ihrer Masterarbeit eine qualitative Studie durchgeführt.

Wer sich nicht bereits im Vorfeld intensiv mit dem Thema Depressionen im Alter auseinandergesetzt hat, ist für die einführenden Kapitel dankbar. Der Begriff der Altersdepressionen wird verständlich erklärt und mit epidemiologischen Daten unterfüttert. Die Diagnostik wird erläutert und das Krankheitsbild von der Demenz abgegrenzt. Schließlich wird die Therapie mit dem Schwerpunkt Psychotherapie dargestellt. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Darstellung des MIASA-Programms. Dieses Programm wurde entwickelt, um Einsamkeit im Alter zu reduzieren. In vier Modulen werden Achtsamkeits- und Entspannungsverfahren mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie verbunden. Die Evaluationsforschung führt gute Ergebnisse des MIASA-Programms auf.

Im folgenden Kapitel wird das methodische Vorgehen bei der Durchführung der Studie beschrieben: Nach einer Eingangsdiagnostik mit Einzelinterviews wurde das MIASA-Programm durchgeführt und mittels einer Verlaufsuntersuchung und einer Ausgangsdiagnostik ausgewertet.  In den abschließenden Kapiteln des Buches werden die Ergebnisse genannt und diskutiert.

Die Ergebnisse sind, das soll hier zumindest angedeutet werden, uneinheitlich und teilweise widersprüchlich. Das spricht keineswegs gegen die Qualität der Studie. Sie wurde sehr sorgfältig konzipiert, durchgeführt, dokumentiert und ausgewertet. Wie so oft, wenn es um Gesundheitsthemen geht, kommt hier zum Ausdruck, wie vielgestaltig das Phänomen Depressionen ist. Die Ausgangslage, die Vorgeschichte, die körperliche und psychischen Beeinträchtigungen der PflegeempfängerInnen usw. machen es fast unmöglich, mit nur einer einheitlichen Intervention zu einem durchgängig positiven Ergebnis zu kommen. Trotzdem sind mit Blick auf das MIASA-Programm positive Trends ablesbar.

Das Buch ist für PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, Pflegekräfte und andere Fachkräfte geeignet, die mit dem Thema Depressionen im Alter befasst sind und das Problem aktiv angehen wollen. Als Leser bekommt man einen Einblick in eine gut ausgearbeitete Studie zum Thema. Auch formal ist das Werk sorgfältig gestaltet und mit mehrfarbigen Diagrammen und Grafiken ausgestattet. Der Anhang mit Interviewergebnissen, Formularen usw. ist sehr umfangreich und nimmt die Hälfte des Buches ein. Der Verkaufspreis ist bei knappen 100 inhaltlichen Seiten leider sehr hoch.

Das MIASA-Programm sollte weiter erforscht und in der Praxis angewendet werden. Dazu kann die Studie von Sarina Engelhardt einen wichtigen Beitrag leisten.

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