
Autor/innen:
Peter Jelinek, Katja Sinko
Bibliographische Daten:
oekom-Verlag, München, 1. Auflage 2026, 192 Seiten, 16,00 €, ISBN 978-3-98726-523-5
Rezensent/in:
Simon Ludwig-Pricha
Europa befindet sich in einer Phase vielfältiger Herausforderungen. Polarisierung, nationale Abschottungstendenzen, der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien sowie die Frage nach einer nachhaltigen und demokratischen Zukunft prägen die politischen Debatten vieler Mitgliedstaaten. Vor diesem Hintergrund legen Peter Jelinek und Katja Sinko mit Das beste Europa aller Zeiten kein klassisches Sachbuch über die Europäische Union vor, sondern vielmehr einen optimistischen Gegenentwurf zu den häufig dominierenden Krisennarrativen.
Bereits nach wenigen Seiten wird deutlich, dass die Autor:innen kein Interesse an einer nüchternen Analyse europäischer Institutionen haben. Stattdessen verstehen sie ihr Buch als Plädoyer für Demokratie, europäische Zusammenarbeit, ökologische Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die zentrale Botschaft lautet: Europa muss nicht verwaltet, sondern weitergedacht werden.
Den Kern des Buches bilden acht Zukunftsideen, die auf rund 75 Seiten vorgestellt werden. Dabei reicht das Spektrum von vergleichsweise pragmatischen Vorschlägen, etwa einem europaweiten kostenlosen Nahverkehrsticket, bis hin zu weitreichenden Reformideen wie der Einführung eines europäischen Zukunftsrates für junge Menschen anstelle bestehender politischer Strukturen. Die vorgestellten Konzepte wirken dabei weniger „unerhört“ im Sinne radikaler Neuartigkeit, sondern eher wie bereits bekannte Ideen, die bislang nicht konsequent politisch verfolgt wurden.
Gerade hierin liegt jedoch auch eine Stärke des Buches. Die Autor:innen verzichten weitgehend auf komplexe politische Detaildiskussionen und konzentrieren sich stattdessen auf die Frage, welche Visionen Europa attraktiver, gerechter und lebenswerter machen könnten. Dadurch bleibt das Buch auch für Leserinnen und Leser ohne vertiefte Kenntnisse europäischer Politik leicht zugänglich.
Gleichzeitig zeigt sich an einigen Stellen eine gewisse Vereinfachung. Wer sich regelmäßig mit politischer Berichterstattung, europäischer Gesetzgebung oder politikwissenschaftlicher Literatur beschäftigt, wird viele der Vorschläge bereits kennen und sich stellenweise eine stärkere Auseinandersetzung mit deren praktischer Umsetzbarkeit wünschen. Dies scheint jedoch bewusst in Kauf genommen zu werden. Das Ziel des Buches besteht weniger darin, politische Programme auszuarbeiten, sondern vielmehr darin, Diskussionen anzustoßen und Hoffnung auf politische Gestaltungsmöglichkeiten zu vermitteln.
Die politische Grundhaltung der Autor:innen bleibt dabei transparent. Mehrfach wird auf Donald Trump, die AfD und andere nationalistische beziehungsweise rechtspopulistische Entwicklungen Bezug genommen. Europa erscheint als Gegenmodell zu diesen Strömungen. Ebenso deutlich wird die starke Orientierung an Klima- und Naturschutzthemen. An manchen Stellen entsteht dabei der Eindruck, dass bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen als weitgehend selbstverständlich vorausgesetzt werden, etwa die hohe Bedeutung von Mobilität, Reisen oder naturnahen Lebensformen für alle Menschen.
Insgesamt liest sich Das beste Europa aller Zeiten eher wie ein politischer Essay als wie ein klassisches Sachbuch. Es bietet keine tiefgehende Analyse europäischer Politik, sondern einen bewusst optimistischen Blick auf mögliche Zukunftsentwicklungen. Wer konkrete Handlungsanleitungen oder detaillierte Reformkonzepte sucht, wird möglicherweise nicht vollständig zufriedengestellt. Wer sich hingegen auf einen ideenreichen, leicht zugänglichen Denkanstoß einlassen möchte, findet hier zahlreiche Anregungen für die Frage, wie Europa künftig gestaltet werden könnte.
Fazit:
Jelinek und Sinko legen ein engagiertes und bewusst optimistisches Buch vor, das zum Nachdenken über Europas Zukunft einlädt. Die vorgestellten Ideen sind nicht immer neu und bleiben in ihrer Umsetzung häufig skizzenhaft. Als leicht lesbarer politischer Essay, der Mut machen und Debatten anregen möchte, erfüllt das Buch seinen Anspruch jedoch überzeugend.
Für Fachkräfte mit Haltung:
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