Hitzewellen, Naturkatastrophen oder Pandemien verändern nicht nur den Alltag, sondern können auch erhebliche Folgen für die körperliche, psychische und soziale Gesundheit haben. Mit der Pilotstudie PULS! will die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg nun genauer untersuchen, wie Menschen solche Krisen erleben, welche Belastungen sie spüren und was sie brauchen, um besser damit umgehen zu können.
Aktueller Anlass sind die hohen Temperaturen, die viele Menschen derzeit im Alltag und am Arbeitsplatz vor besondere Herausforderungen stellen. Temperaturen deutlich über 35 Grad, tropische Nächte und Warnungen vor gesundheitlichen Risiken zeigen, dass Hitze längst nicht mehr nur ein Wetterthema ist, sondern auch eine Frage der öffentlichen Gesundheit.
Hier setzt die Studie PULS! an. Sie soll erstmals in Echtzeit erfassen, wie Menschen in Baden-Württemberg Krisensituationen wie Hitzewellen, Naturkatastrophen oder Pandemien erleben – und zwar in unterschiedlichen Lebenslagen und sozialen Kontexten. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche kurz- und langfristigen Auswirkungen solche Krisen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben.
„Angesichts der Vielzahl potenzieller Krisenereignisse, die die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung beeinflussen können, besteht ein wichtiger Bedarf, die gesundheitlichen Auswirkungen und die Erfahrungen der Bevölkerung zeitnah zu erfassen“, sagt Professor Dr. Falko Sniehotta, Leiter der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim.
Nach Angaben des Studienteams soll PULS! dazu beitragen, eine bislang bestehende Lücke zu schließen: Zwar gibt es viele Annahmen darüber, wie Krisen auf die Bevölkerung wirken, doch es fehlen oft zeitnahe Daten dazu, wie Menschen solche Situationen tatsächlich erleben – und was sie konkret belastet oder entlastet.
Die Befragung erfolgt über die von Data4Life entwickelte D4L-Collect-App. Das Unternehmen ist Kooperationspartner der Studie und unterstützt Forschungsprojekte mit Open-Science-Lösungen für Gesundheitsdaten. Bei akuten Krisenereignissen werden den Teilnehmenden kurzfristig Fragebögen auf das Smartphone geschickt. So sollen gesundheitliche Auswirkungen und Veränderungen des Wohlbefindens direkt in der jeweiligen Situation erfasst werden. Ergänzend sind über einen Zeitraum von zwei Jahren vierteljährliche Befragungen geplant, um auch längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen.
Mit diesem Studiendesign übernimmt PULS! nach Angaben der Medizinischen Fakultät Mannheim eine Vorreiterrolle. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Datengrundlage für gezielte Interventionen im Krisenfall zu verbessern und Präventionsmaßnahmen frühzeitiger zu planen.
„Mit PULS! schaffen wir eine Plattform, die es uns ermöglicht, mit den Menschen im Land im Austausch zu bleiben. Wenn wir die gesundheitlichen Auswirkungen von Krisen und die Bedarfe in der Bevölkerung besser verstehen, können wir Wege finden, um zukünftig besser durch Krisen zu kommen“, so Professor Sniehotta.
Die Studie startet zunächst in Baden-Württemberg. Ein Teil der Teilnehmenden wird per E-Mail eingeladen, weil sie sich bereits zuvor grundsätzlich zur Teilnahme an Gesundheitsstudien bereiterklärt hatten. Darüber hinaus können sich auch interessierte Bürgerinnen und Bürger direkt an das Studienteam wenden. Nach Einschätzung der Forschenden trägt jede Teilnahme dazu bei, Sorgen, Belastungen und Bedarfe in Krisenzeiten früher sichtbar zu machen – und damit gesellschaftliche Reaktionen auf solche Lagen künftig besser vorzubereiten.
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Anna Kaiser
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
puls@medma.uni-heidelberg.de
https://www.umm.uni-heidelberg.de/puls-studie/studie/
Zur Pressemitteilung: https://www.umm.de/medien/pressemitteilungen/pressemitteilung/hitzewelle-wie-gehen-wir-mit-extremen-temperaturen-um-und-wie-erleben-menschen-solche-und-andere-krisen/
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Wenn Versorgung an Grenzen kommt:
Krisen, Katastrophen oder Konflikte: Ausgabe 2-2026 von Dr. med. Mabuse beleuchtet,
wie belastbar unser Gesundheitswesen ist – und welche Antworten es
braucht, wenn Versorgung, Verantwortung und Solidarität unter Druck
geraten.