Das Gesundheitswesen ist von den Folgen des Klimawandels betroffen und trägt zugleich selbst zu ihnen bei. Hitzebedingte Belastungen, neue Infektionskrankheiten und infrastrukturelle Probleme durch Wetterextreme wirken sich auf die Versorgung aus. Gleichzeitig verursacht der Gesundheitssektor durch seinen hohen Energie- und Ressourcenverbrauch Emissionen und große Abfallmengen.
Forschende des Instituts für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG) der Hochschule Bielefeld (HSBI) haben deshalb im Projekt „Green Guide for Nursing“ einen Aktionsleitfaden für nachhaltiges Handeln in der Pflege entwickelt. Zusätzlich entstanden digitale Educational Escape Rooms (EER), die Klimakompetenz in der Pflegeausbildung vermitteln. Alle Materialien stehen online zur freien Verfügung.
Koordiniert wurde das Projekt von den Gesundheitswissenschaftlerinnen Dr. Eva Cruel und Karina Ilskens unter der Leitung von Prof. Dr. Christa Büker und Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck. Grundlage ist das Konzept der „Planetary Health“, das den gemeinsamen Schutz der Gesundheit von Menschen und Umwelt in den Mittelpunkt stellt. „Gesund leben kann man nur in einer gesunden Umwelt“, sagt Ilskens. „Und mit unserem Projekt wollen wir nachhaltiges Handeln in die Pflege bringen.“
Vier Themenbereiche für drei Pflege-Settings
Der „Green Guide“ umfasst die Bereiche „Nachhaltig handeln“, „Kommunikation“, „Mentale Gesundheit“ und „Disaster Nursing“. Die entwickelten Aktionen richten sich an die akutstationäre, langzeitstationäre und ambulante Pflege. Bei der Erarbeitung berücksichtigten die Forschenden die unterschiedlichen Bedingungen in Krankenhausstationen, Pflegeheimen und der häuslichen Pflege.
Die Inhalte basieren auf der Auswertung der Studienlage und umweltpsychologischer Erkenntnisse sowie auf Fokusgruppen mit Pflegefachpersonen. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass neben Ressourcenverbrauch, Ernährung und Abfall auch Fragen der Kommunikation relevant sind. Die Beteiligten wünschten sich Hinweise für Gespräche mit Patient:innen und Kolleg:innen, Möglichkeiten zur Vernetzung und Argumentationshilfen.
„Die Aktionen müssen wirklich passen, damit sie umgesetzt werden. Auf einer Krankenhausstation sind die Bedingungen andere als in einem Pflegeheim oder in der ambulanten häuslichen Pflege“, erklärt Ilskens.
Im Themenfeld „Mentale Gesundheit“ geht es um die Voraussetzungen dafür, ökologisch nachhaltig und klimaresilient handeln zu können. „Disaster Nursing“ soll Pflegende auf Krisensituationen vorbereiten, die beispielsweise durch Extremwetterereignisse entstehen.
Niedrigschwellige Maßnahmen für den Arbeitsalltag
Der Leitfaden setzt bewusst bei kleinen und leicht umsetzbaren Veränderungen an. „Es geht im Green Guide nicht darum, den Pflegenden zusätzliche Arbeit zu machen. Sondern darum, kleine nachhaltige Aktionen ins alltägliche Pflegehandeln zu integrieren“, betont Cruel.
Als Beispiel nennt Ilskens das Ausschalten des Lichts in Räumen, die nicht genutzt werden. Auch der Einsatz von Einmalhandschuhen könne geprüft werden. Für die Unterstützung beim Ankleiden seien sie nicht bei jeder Tätigkeit erforderlich. Aufwendigere Maßnahmen, etwa die Gründung eines Green Teams, benötigen dagegen die Zusammenarbeit mehrerer Bereiche.
Das gilt auch für Veränderungen bei der Ernährung. Wenn regionale Produkte eingesetzt oder mehr vegetarische Speisen angeboten werden sollen, müssen unter anderem Einkauf, Hauswirtschaft, Pflege und Patient:innen einbezogen werden.
Die Materialien stehen digital und in einer analogen Version zur Verfügung. Die Aktionskarten enthalten Hintergrundwissen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen. In der digitalen Fassung finden sich zusätzlich Sticker, Checklisten und Vorlagen.
Digitale Escape Rooms für die Pflegeausbildung
Um Nachhaltigkeit bereits in der Ausbildung zu verankern, entwickelte das Projektteam drei digitale Educational Escape Rooms. Für jedes der drei Pflege-Settings entstand ein eigener Lernraum. Innerhalb einer Rahmenhandlung erhalten die Studierenden fachliche Informationen und lösen anschließend Rätsel und Fragen zum Klimaschutz in den jeweiligen Bereichen.
„Das Thema ist ja durchaus sperrig. Aber mit den EER lässt sich Klimakompetenz spielerisch vermitteln“, sagt Cruel. In Testspielen lernten die Studierenden nach Angaben des Projektteams viel über Nachhaltigkeit in der Pflege und hatten dabei zugleich Freude an der Lernform.
Der „Green Guide for Nursing“ soll damit konkrete Orientierung für nachhaltiges Handeln in verschiedenen Pflegebereichen geben und Lehrenden wie Pflegenden Materialien für die praktische Umsetzung und Ausbildung bereitstellen.
Klimawandel und Gesundheit
Der Klimawandel ist eine zentrale Herausforderung für die Gesundheit. Ausgabe 3-2025 beleuchtet gesundheitliche Folgen, notwendige Anpassungsstrategien und die besondere Rolle von Gesundheitsberufen: