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Bodyshaming belastet junge Menschen und fordert Schule und Soziale Arbeit

DHBW untersucht Folgen abwertender Körperbilder und Ansätze für Prävention
24. August 2026 durch
Bodyshaming belastet junge Menschen und fordert Schule und Soziale Arbeit
Franziska Reuther

Foto: stock.adobe.com – Siberian Art

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Unrealistische Schönheitsideale und abwertende Kommentare können das Selbstbild junger Menschen nachhaltig beeinträchtigen. In sozialen Medien werden Körperbilder verbreitet, die mit der Lebensrealität vieler Menschen wenig gemeinsam haben. Wer diesen Normen nicht entspricht, kann zum Ziel von Spott, Ausgrenzung oder subtilen Abwertungen werden. Die Folgen reichen von einem verminderten Selbstwertgefühl bis zu Essstörungen, Panikattacken und Schulangst.

Mit dem Thema beschäftigt sich Prof. Dr. Sandra Mirbek, Professorin für Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Villingen-Schwenningen. Bodyshaming sei kein neues Phänomen, erklärt sie. Durch soziale Medien werde es jedoch deutlich sichtbarer und in größerem Umfang verbreitet. „Social Media funktioniert da wie ein Brennglas“, sagt Mirbek.

In der Forschung wird unter anderem untersucht, wie Mobbing und Hetze im Internet entstehen und welche Rolle digitale Medien dabei spielen. Die Corona-Pandemie habe diese Entwicklungen zusätzlich verstärkt, so Mirbek. Auch die internationale Klassifikation psychischer Störungen spiegle die zunehmende Auseinandersetzung mit digitalen Abhängigkeiten wider. Mit der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde erstmals die „Gaming Disorder“ als eigenständige Verhaltenssucht aufgenommen – sowohl in der Online- als auch in der Offline-Form. Das DSM-5 der American Psychiatric Association führt die „Internet Gaming Disorder“ als Forschungsdiagnose. Andere Formen digitaler Abhängigkeit, etwa eine übermäßige Nutzung sozialer Medien oder von Smartphones, werden intensiv erforscht, sind bislang jedoch nicht offiziell klassifiziert.

Schulsozialarbeit und pädagogische Fachkräfte sind gefordert

Bodyshaming ist auch für die Soziale Arbeit ein wichtiges Thema, insbesondere in der Schulsozialarbeit. An Schulen gibt es bereits Projekte zu Mobbing und zur Aufklärung über digitale Medien. Nach Einschätzung Mirbeks müssen solche Ansätze jedoch dauerhaft und systematisch verankert werden. Fachkräfte benötigten zudem regelmäßige Sensibilisierung, um abwertende Körperbilder frühzeitig zu erkennen und professionell darauf zu reagieren.

Studierende der DHBW Villingen-Schwenningen setzen sich im Studium mit den wissenschaftlichen Grundlagen auseinander und sammeln parallel praktische Erfahrungen bei ihren dualen Partnern. Dadurch können sie das Erlernte direkt in der Praxis anwenden und Angebote für Kinder und Jugendliche mitentwickeln.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Sportunterricht zu. Unbedachte Bemerkungen über Körper, Gewicht oder Leistungsfähigkeit können für Schüler:innen weitreichende Folgen haben. Gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Birk hat Mirbek den Beitrag „Bodyshaming als Thema des Schulsports. Der Körper und Körperlichkeit im Fokus“ in der Zeitschrift Sportunterricht. Monatsschrift zur Wissenschaft und Praxis des Sports mit Lehrhilfen veröffentlicht.

„Was unbedachte Bemerkungen anrichten können, ist immens“, betont Mirbek. Gerade im Sport würden Körper und körperliche Leistungsfähigkeit besonders sichtbar. Lehrkräfte müssten deshalb darauf achten, nicht unbeabsichtigt Normvorstellungen zu verstärken oder Schüler:innen bloßzustellen.

Selbstvertrauen und Vielfalt stärken

Im schulischen Umfeld kann Bodyshaming nach Angaben der DHBW zu erheblichen Belastungen führen. Dazu zählen Essstörungen, Panikattacken und die Angst, die Schule zu besuchen. Als wichtigen Schutzfaktor nennt Mirbek ein gestärktes Selbstvertrauen. „Alles, was Kinder stützt und stärkt, Mut und Courage fördert“, könne helfen.

Zugleich brauche es eine umfassende gesellschaftliche Sensibilisierung. Lange habe die Vorstellung bestanden, aus dem äußeren Erscheinungsbild eines Menschen ließen sich Rückschlüsse auf seine Intelligenz oder seinen Charakter ziehen. Auch Ideologien, die Einheit und Stärke vor allem über Anpassung an eine Norm definieren, seien problematisch. „Vielfalt wird hier nicht als Ressource gesehen“, sagt Mirbek.

Die DHBW Villingen-Schwenningen verfügt in diesem Bereich über langjährige wissenschaftliche Expertise. Prof. Dr. Sandra Mirbek und Prof. Dr. Frank Francesco Birk befassen sich mit Körperbildern, dem Einfluss sozialer Medien und den Folgen für die Entwicklung junger Menschen. Ihre Arbeiten zeigen, dass Bodyshaming eine vielschichtige Form der Diskriminierung ist, die sich auf unterschiedliche körperliche Merkmale beziehen kann und die psychische Gesundheit sowie den Selbstwert erheblich beeinträchtigt.

„Als Hochschule sehen wir es als unsere Verantwortung, gesellschaftlich relevante Themen wie Bodyshaming nicht nur wissenschaftlich zu erforschen, sondern auch aktiv in die Praxis zu tragen. Unsere Studierenden werden gezielt darauf vorbereitet, sensibel, reflektiert und professionell mit solchen Herausforderungen umzugehen“, betont Rektor Prof. Dr.-Ing. Lars Meierling.


Zur Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news876123

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