Anlässlich des Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober erinnern die Verbände des Kontaktgesprächs Psychiatrie an etwas, das in aufgeheizten Sicherheitsdebatten allzu schnell verloren geht: Psychisch erkrankte Menschen sind keine Gefahrengruppe. Sie unter Generalverdacht zu stellen, schafft keine Sicherheit, sondern vertieft Ausgrenzung, Scham und Misstrauen.
Wenn nach Gewalttaten vorschnell auf eine tatsächliche oder vermeintliche psychische Erkrankung verwiesen wird, ohne dass deren Bedeutung für die Tat geklärt ist, wird ein gefährliches Bild erzeugt. Es legt nahe, psychische Erkrankung und Gewalt gehörten zusammen. Das ist fachlich verkürzt, gesellschaftlich schädlich und für viele Betroffene konkret belastend.
Besonders problematisch ist, wenn dieses Narrativ politische Folgen hat. In mehreren Bundesländern werden Psychisch-Kranken-Gesetze verändert oder diskutiert, die mehr Datenaustausch, Registrierung oder erweiterte Eingriffsmöglichkeiten vorsehen. Damit verschiebt sich der Blick: weg von Hilfe, Versorgung und Teilhabe, hin zu Kontrolle und Gefahrenabwehr.
Gerade am Tag der seelischen Gesundheit sollte deshalb nicht nur über Entstigmatisierung gesprochen werden, sondern auch über ihre Voraussetzungen. Dazu gehören eine differenzierte Berichterstattung, der Schutz ärztlicher Schweigepflicht, der Respekt vor Grundrechten und eine Politik, die nicht auf gefühlte Bedrohungslagen mit Diskriminierung und Stigmatisierung reagiert.
Wer psychische Gesundheit ernst nimmt, darf psychisch erkrankte Menschen nicht zum Sündenbock machen. Nötig sind erreichbare Hilfen, gute psychosoziale Versorgung, Krisenangebote, Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen – und eine öffentliche Debatte, die bei den Fakten bleibt.
Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das kommende Schwerpunktheft Dr. med. Mabuse 1/2027 „Anders denken, anders fühlen – Psychische Erkrankungen und Neurodivergenz“. Gesucht werden Beiträge, die psychische Gesundheit, Erkrankung, Versorgung, Teilhabe und Selbstbestimmung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten – fachlich, wissenschaftlich, praxisbezogen oder aus eigener Erfahrung.
Hier können Sie die Presseerklärung des DGSP E.V. herunterladen.
26-10-09 Pressemitteilung Kontaktgespaech_Medienberichterstattung_10154674445257251424.pdf
