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Europäischer Holocast Gedenktag für Sinti und Roma

10. August 2026 durch
Europäischer Holocast Gedenktag für Sinti und Roma
Anna Lauterbach
Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
von Hilde Schädle-Deininger



Am 02. August wurde zum 82. Mal an das Schicksal der Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus gedacht. In der Holcaust-Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau fand eine Gedenkfeier statt, an der auch der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung Michael Brand teilgenommen hat. Er hielt fest, dass die Stimmen der Überlebenden immer weniger werden und dass es dehalb jetzt an uns allen liege, die Erinnerung wachzuhalten und weiterzutragen. Er rief dazu auf jeglicher Form von Antiziganismus, Menschenverachtung und Rassismus entschieden gemeinsam entgegenzutreten.

Dr. Matthias Heinrich, Weihbischof im Erzbistum Berlin, vertrat beim Gedenken die katholische Kirche in Deutschland und wies darauf hin, dass die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs auch heute mahnt, sensibel für alle Formen der Ausgrenzung und Diskriminierung zu sein und Stellung zu beziehen. Er betonte, dass Minderheiten heute wieder vermehrt zur Zielscheibe würden, Stereotypen sich ausbreiten und dass dies an ganz unterschiedlichen Orten und Stellen stattfinde. Er fügt hinzu, dass unser Platz an der Seite der Opfer und ihrer Nachfahren sei, denn es schmerze zu sehen, dass auch die Kirche den Sinti und Roma vieles schuldig geblieben sei.


Ein punktueller Blick in geschichtliche Zusammenhänge

Festzuhalten ist, dass Sinti als Gruppe bereits im 14. und 15. Jahrhundert nach Deutschland und Mitteleuropa eingewandert sind, Roma dann im 19. Jahrhundert nach der Beendigung der Leibeigenschaft in Süd- und Ost-Europa. In den 1960er und 1970er kamen weitere Gruppen der Roma als Gastarbeiter aus dem damaligen Jugoslawien und nach dem Zerfall des Landes in den 1990igern dann häufig als Flüchtlinge. Ab 2004 durch die Aufnahme ostmitteleuropäischer und südosteuropäischer Staaten in die Europäische Union änderte sich der Status (europäische Unionsbürgerschaft).

Weiter ist der Begriff Antiziganismus zu beleuchten, der bedeutet, dass Sinti und Roma pauschal beispielsweise als primitiv, fremd, kulturlos, altertümlich oder auch kriminell bezeichnet werden, dadurch eine Abwehrhaltung entsteht und sie damit einer Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik seit dem 15. Jahrhundert ausgesetzt sind. Antiziganismus bezeichnet eine spezielle Form des Rassismus. Sowohl Vorurteile als auch feindliche Einstellungen sindbis heute in der Gesellschaft eine durchaus akzeptierte Grundhaltung von Menschen gegenüber Sinti und Roma.

Sinti und Roma wurden vor diesen Hintergrund von den Nationalsozialisten entrechtet, es wurden ihnen ihre gesetzlichen (Grund-)Rechte entzogen wie beispielsweise Meinungsfreiheit, Wahrecht und Besitz, was bedeutet, dass Personen schutzlos, rechtlos und wehrlos sowie ausgeliefert sind. Sie wurden als artfremde Rasse verfolgt und systematisch ermordet, ca. 500 000 Menschen fielen diesem Völkermord zum Opfer. Das NS-Regime erklärte alle Menschen zu Volks- und Reichsfeinden, die nach dessen Vorstellungen in der deutschen Volksgemeinschaft keinen Platz hatten, dazu gehörten neben Sinti und Roma auch Juden.

1933 bis 1938 wurden Sinti und Roma registriert und systematisch ausgegrenzt, z. B. erfolgte ein Tätigkeits- und Berufsverbot sowie die Unterbringung ins Zwangslagern. Bereits seit 1936 wurden Internierungslager eingerichtet, so z. B. in Berlin, Düsseldorf und frankfurt am Main. Durch Zwangsuntersuchungen und familäre Stammbäume wurden Sinti und Roma rassenbiologisch erfasst und im Reichsgesundheitsamt (Rassenhygieneinstitut) registriert, das vor allem Daten von Sinti und Roma sammelte. In diesem Zusammenhang wurden dann die Rassengesetze (Nürnberger Gesetze) angewandt, die z. B. die staatsbürgerlichen Rechte aberkannt oder ein Eheverbot nach sich gezogen haben.

Bereits 1940 wurden ca. 3000 Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich ins besetzte Polen verschleppt und 1942 wies Heinrich Himmler (Reichsinnenminister) die Deportation aller Sinti und Roma an. Ab 1943 wurden ins sogenannte Zigeunerlager Auswitz-Birkenau weit mehr als 23 000 Personen deportiert und ausgebürgert und in Gaskammern ermordet. Im Konzentrationslager Dachau wurden Sinti und Roma Opfer der grausamen medizinischen Menschenversuche der Nationalsozialisten.

Nach Kriegsende (1945) wurde die Verfolgung der Sinti und Roma häufig aus kriminamlpolizeilichen Gründen rassistisch begründet. Auch die Öffentlichkeit hat den Völkermord an Sinti und Roma lange vernachlässigt, verleugnet und ignoriert. Die Bundesregierung, vertreten durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, hat erst 1982 den Völkermord an Sinti und Roma offiziell anerkannt.

Der Holocaust an den Sinti und Roma wurde nach der Befreiung vom Nationalsozialismus jahrzehntelang aus dem historischen Gedächtnis und der öffentlichen Erinnerung verdrängt. In der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland fand weder eine politische noch eine juristische Aufarbeitung dieses Völkermords Platz. Im Gegenteil: Die meisten der ehemaligen Täter konnten in Behörden oder in der Wirtschaft ungehindert Karriere machen.

Es wird davon ausgegangen, dass heute zwischen 70 000 und 150 000 Sinti und Roma in der BRD leben. Da es keine offiziellen Erhebungen gibt, ist die genaue Zahl nicht bekannt und die Angaben beruhen auf Schätzungen. In Deutschland leben die meisten Sinti und Roma in den großen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Mit ca. zehn bis zwölf Millionen bilden Sinti und Roma die größte ethnische Minderheit Europas.

 

Erinnerung wachhalten

Im Oktober 2012 wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin eingeweiht. Die Bundesregierung, vertreten durch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, setzte damit ein Zeichen und würdigte die ca. 500 000 Ermordeten. Das Denkmal ist ein bedeutungsvoller Erfolg der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma und der Arbeit des Zentralrats, der sich mehr als 20 Jahre dafür eingesetzt hat.

Für viele Sinti und Roma bleibt die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord ein kollektives bedeutendes Trauma.

Gemeinsam geteilte Erinnerungen an Unrecht und Verbrechen können uns dazu ermutigen unsere Beziehungen menschlich zu gestalten sowie solidarisch und aufrichtig zu handeln bzw.Unrecht, Ausgrenzung, Stigmatisierung usw. beim Namen zu nennen.

 

Hilde Schädle-Deininger, Offenbach



Quellen:

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg; 
https://zentralrat.sintiundroma.de

Stellvertretend: Verband Deutscher Sinti und Roma- Landesverband Hessen, Annastr. 44, 64285 Darmstadt www.sinti-roma-hessen.de

 Dokumentations- und Kulturzentrums der Sinti und Roma http://www.sintiundroma.de

 Bastian, T.: (2001). Sinti und Roma im Dritten Reich: Eine Geschichte der Verfolgung.München Verlag C. H. Beck

 


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