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Dr. med. Mabuse · Fachartikel

Ältere Frauen werden oft zu spät gesehen. Warum geschlechtersensible Demenzdiagnostik kultursensibel gedacht werden muss

Zusammenfassung

Eine Demenzdiagnostik beginnt selten erst mit einem Test. Sie beginnt mit der Frage, wer überhaupt als krank wahrgenommen wird. Gerade bei älteren Frauen kann diese Wahrnehmung erstaunlich spät einsetzen. Vergesslichkeit wird dann als normale Alterserscheinung eingeordnet, Rückzug als Charakterzug, Erschöpfung als Folge jahrelanger Fürsorge und depressive Stimmung als verständliche Reaktion auf Verluste. Das kann richtig sein. Es kann aber auch dazu führen, dass eine beginnende kognitive Störung zu lange übersehen wird. Geschlechtersensible Medizin wird häufig mit Herzinfarkt, Pharmakologie oder reproduktiver Gesundheit verbunden. In der Demenzdiagnostik ist sie jedoch ebenso relevant. Denn Demenz ist nicht nur eine neurodegenerative Erkrankung, sondern auch ein Versorgungsgeschehen. Wer Hilfe sucht, wer Beschwerden benennt, wer in der Familie gehört wird und welche Symptome als behandlungsbedürftig gelten, hängt nicht allein vom Gehirn ab. Es hängt auch von Rollenbildern, Biografien, Sprache, Bildung und Zugang zum Gesundheitssystem ab.

Zitierempfehlung:
Ülker, M.: Ältere Frauen werden oft zu spät gesehen. Warum geschlechtersensible Demenzdiagnostik kultursensibel gedacht werden muss. Dr. med. Mabuse (2026), Heft 3, S. 73 bis 75.