Dr. med. Mabuse · Artikel

Krisensituationen professionell begegnen. Aufbau und Integration klinischer Kriseninterventionsteams

Batzoni, H.; Deffner, T.; Roth, G.

Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 67 bis 71 · DOI 10.3936/dmm_artid477633108

Abstract

Krisenhafte Situationen im somatisch-klinischen Setting treten im Krankenhaus häufig auf. Während klinische Abläufe für somatische Notfälle hochgradig standardisiert sind, bleibt die systematische Integration psychosozialer Akutunterstützung vielerorts unzureichend. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Bedeutung Klinischer Krisenintervention (KKI) und psychosozialer Unterstützung (PSU) im Krankenhaus und stellt ein Phasen- und Strukturmodell zur systematischen Implementierung vor.

Zusammenfassung

Der Beitrag zeigt, dass krisenhafte Situationen im Krankenhaus zum Versorgungsalltag gehören, psychosoziale Akutunterstützung aber vielerorts noch nicht systematisch in die klinischen Abläufe integriert ist. Anhand eines Fallbeispiels wird verdeutlicht, dass nicht nur Patient*innen, sondern auch An- und Zugehörige sowie Mitarbeitende durch plötzliche Todesfälle, schwere Diagnosen, Gewalt oder unklare Prognosen belastet werden. Krisen entstehen dabei weniger durch die objektive Schwere eines Ereignisses als durch den subjektiv erlebten Kontrollverlust, Unsicherheit und die Überforderung vorhandener Bewältigungsressourcen.

Klinische Krisenintervention (KKI) und psychosoziale Unterstützung (PSU) sollen in solchen Situationen zeitnah, strukturiert und ressourcenorientiert stabilisieren. Ziel ist es, Sicherheit, Beruhigung, Verbundenheit, Selbstwirksamkeit und Hoffnung zu fördern sowie bei Bedarf weiterführende Hilfen zu vermitteln. Der Artikel betont, dass diese Angebote nicht als freiwilliges Zusatzangebot verstanden werden dürfen, sondern als Teil der Organisationsqualität eines Krankenhauses.

Vorgestellt wird ein sechsstufiges Phasen- und Strukturmodell zur Implementierung: 1) Krankenhaus als Gesamtstruktur denken, 2) Geschäftsführung gewinnen, 3) geeignete Fachkräfte auswählen und qualifizieren, 4) gestufte Implementierung mit klarer Erreichbarkeit und Indikationskriterien starten, 5) erste Erfahrungen evaluieren und 6) die Struktur dauerhaft verankern. Genannt werden als zentrale Herausforderungen fehlende Refinanzierbarkeit, der Balanceakt zwischen Professionalität und Niedrigschwelligkeit sowie die interprofessionelle Kooperation. Fazit: KKI und PSU sind für eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung ethisch und strukturell notwendig.

Schlagwörter

KRANKENHAUS; KRISENINTERVENTION; INTEGRATION; ELTERN; ERLEBEN; EVALUATION; FALLBEISPIEL; KOSTEN; NOTAUFNAHME;, Krankenhaus, Denken, Angehörige, Finanzierung, Deutschland, Ärztinnen, Berlin, Angst, Ärzte, Aussehen, Pflegepersonal, Gesetz