Dr. med. Mabuse · Artikel

Wenn die Welt aus den Fugen gerät. Psychische Belastung junger Menschen in Zeiten der Polykrise - eine Herausforderung für das Gesundheitswesen

Kuttler,l. ; Bärlocher, A. ; Weydmann, N.

Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 76 bis 79 · DOI 10.3936/dmm_artid47763393

Abstract

Die Gleichzeitigkeit und Verwobenheit gegenwärtiger Krisen, häufig als Polykrise bezeichnet, prägt zunehmend das Erleben junger Menschen. Studien weisen darauf hin, dass insbesondere junge Frauen eine erhöhte Vulnerabilität für die negativen Auswirkungen der Polykrise auf das psychische Wohlbefinden aufweisen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet anhand qualitativer Interviews mit fünf jungen Studentinnen unterschiedlicher Fachrichtungen, wie sich die Polykrisenlage im individuellen Erleben und dem psychischen Wohlbefinden niederschlägt. Die Ergebnisse zeigen ausgeprägte emotionale Reaktionen sowie innere Spannungsfelder. Bewältigungsstrategien sind häufig emotionsorientiert und werden überwiegend auf individueller Ebene umgesetzt.

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht, wie junge Menschen – insbesondere Studentinnen – die gegenwärtige Polykrise psychisch erleben und welche Folgen daraus für das Gesundheitswesen entstehen. Grundlage sind qualitative Interviews mit fünf Studentinnen im Alter von 23 bis 26 Jahren aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Die Befragten beschreiben die Polykrise nicht als abstraktes Konzept, sondern als dauerhaft präsente, persönlich berührende Realität, die von Angst, Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Grübeln geprägt ist. Besonders belastend wirken die Gleichzeitigkeit und gegenseitige Verstärkung von Krisen sowie die daraus entstehenden Zukunftssorgen, etwa in Bezug auf Familienplanung und Lebensentwürfe. Gleichzeitig zeigen sich innere Spannungsfelder zwischen dem Wunsch nach Information und dem Bedürfnis nach Abgrenzung und Selbstschutz. Die Bewältigung erfolgt überwiegend individuell und emotionsorientiert, etwa durch Ablenkung, Vermeidung, Nachrichtenverzicht oder soziale Kontakte; diese Strategien entlasten meist nur kurzfristig. Der Artikel betont, dass die psychische Belastung durch die Polykrise im Gesundheitswesen bislang zu wenig berücksichtigt wird. Empfohlen werden niederschwellige, partizipativ entwickelte und interdisziplinär getragene Präventions- und Unterstützungsangebote, die Resilienz, Selbstwirksamkeit, Stressmanagement, Emotionsregulation und Krisenkompetenz stärken. Polykrise sollte als relevanter Belastungsfaktor systematisch in Konzepte zur Förderung psychischer Gesundheit junger Menschen integriert werden.

Schlagwörter

JUNGE; GESUNDHEIT; BELASTUNG; GESUNDHEITSWESEN; ERLEBEN; LITERATUR; DEPRESSION; DIGITAL; ENTWICKLUNG;