Dr. med. Mabuse · Artikel

Hitzeschutz in Einrichtungen für lebensältere Menschen. Erkenntnisse aus einem Lehrforschungsprojekt zu klimabedingten Krisen

Prof. Dr. Peters, M. ; Prof. Dr. Schmitt, C. ; Elischer, M. ; Prof. Dr. Tohidipur,T. ; Prof. Dr. Schmidt, L.

Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 72 bis 75 · DOI 10.3936/dmm_artid477633105

Abstract

Als Konsequenz für die Versorgung lebensälterer Menschen stellt Hitze in Deutschland eine wiederkehrende Krise dar, deren Intensität und Frequenz bereits heute die Handlungsfähigkeit von stationären Einrichtungen und ambulanten Angeboten herausfordert.

Zusammenfassung

Der Artikel beschreibt Hitze in Deutschland als wiederkehrende klimabedingte Krise, die besonders ältere und pflegebedürftige Menschen sowie das Personal in Pflege und Sozialarbeit belastet. Genannt werden gesundheitliche Risiken wie Dehydratation, Kreislaufprobleme und Erschöpfung sowie strukturelle Verstärker wie alte Gebäude ohne ausreichende Verschattung, fehlende Klimatisierung, eingeschränkte Nachtlüftung und Personalmangel. Zugleich wird auf unzureichend verbindliche rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen hingewiesen: Hitzeschutz ist bisher vor allem als Arbeitsschutz geregelt; klare, flächendeckend verbindliche Vorgaben für Einrichtungen fehlen vielfach.

Im Lehrforschungsprojekt der Frankfurt University of Applied Sciences, in Kooperation mit der Stadt Worms und dem Ready4Heat-Netzwerk, wurden in vier stationären Einrichtungen der Altenhilfe, einer akutstationären Einrichtung und einer Seniorenbegegnungsstätte 13 leitfadengestützte Interviews geführt. Die qualitative Auswertung zeigte, dass Hitze je nach Rolle, Tageszeit und Raumsituation unterschiedlich wahrgenommen wird. Pflegekräfte berichteten häufig über Konzentrationsprobleme und Erschöpfung, ältere Menschen über Kreislaufbeschwerden und Antriebslosigkeit. Organisatorisch dominieren informelle Kommunikation, erfahrungsbasiertes Handeln und situative Ad-hoc-Maßnahmen; standardisierte Trigger, Schulungen, dokumentierte Abläufe und institutionalisierte Vorsorge sind oft nur unzureichend vorhanden.

Als zentrale Konsequenz empfiehlt der Artikel partizipativ entwickelte Hitzeschutzkonzepte, die das Wissen von Bewohnenden, Nutzer:innen und Fachkräften einbeziehen. Kurzfristig sollen Temperaturkontrollen, Trinkangebote, Verschattung und feste Lüftungsroutinen, mittelfristig bauliche und organisatorische Anpassungen und langfristig vernetzte, standardisierte Hitzeschutzpläne mit Frühwarnsystemen etabliert werden. Der Beitrag ordnet Hitze als „leisen“ Krisenauslöser ein, betont die Notwendigkeit interprofessioneller Zusammenarbeit und sieht Hochschulen als wichtige Akteure für Bildung, Forschung und Transfer in der Klimakrise.

Schlagwörter

GESUNDHEIT; PROJEKT; SCREENING; ZUSAMMENARBEIT; KOCH; LITERATUR; PFLEGE; WAHRNEHMUNG; ANPASSUNG;