Dr. med. Mabuse · Artikel

Krisenfest trotz Dauerkrise? Wie Einrichtungen des Sozialund Gesundheitswesen Resilienz entwickeln

Hölscher, I. ; Ohneberg, C. ; Prof. Dr. Witzmann, M.

Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 43 bis 46 · DOI 10.3936/dmm_artid47763398

Abstract

Einrichtungen des Sozialund Gesundheitswesens – Pflegeeinrichtungen, Akutversorger und Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen sowie Einrichtungen der Eingliederungshilfe – stehen unter zunehmendem Krisendruck. Ob Pandemien, Extremwetterereignisse, Stromausfälle oder Personalengpässe: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie vulnerabel Versorgungsstrukturen sein können und wie schnell sich bestehende Schwachstellen verschärfen können. Parallel dazu nimmt die Komplexität der Versorgungsbedarfe zu, während Fachkräfte in andere Tätigkeitsfelder abwandern. Besonders betroffen sind vulnerable Gruppen – ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder chronisch erkrankte Menschen, die auf kontinuierliche, qualifizierte Versorgung angewiesen sind

Zusammenfassung

Der Beitrag beschreibt den wachsenden Krisendruck auf Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens durch Pandemien, Extremwetter, Stromausfälle, Personalengpässe und steigende Versorgungsbedarfe. Besonders gefährdet sind ältere, chronisch kranke und behinderte Menschen, die auf kontinuierliche und qualifizierte Versorgung angewiesen sind. Organisationsresilienz wird daher als zentrale Fähigkeit verstanden, Krisen früh zu erkennen, angemessen zu bewältigen und Strukturen langfristig weiterzuentwickeln. Die Resilienz hängt maßgeblich von politischen, rechtlichen, ökonomischen und personellen Rahmenbedingungen ab. Starre Finanzierungs- und Rechtslogiken sowie der Fachkräftemangel schränken Handlungsspielräume ein, während flexible, partizipative und interdisziplinäre Strukturen Anpassungen erleichtern. Die Autor*innen unterscheiden die Dimensionen Antizipation, Bewältigung und Anpassung: frühzeitige Risikoerkennung, schnelle Krisenreaktion mit redundanten Ressourcen und nachhaltiges Lernen aus Krisen. Als zentrale Ansätze zur Stärkung der Resilienz nennen sie partizipative Organisationsentwicklung, kompetenzorientierte Personalentwicklung, interdisziplinäre Versorgungsmodelle und organisationales Lernen. Entscheidend ist ein integrierter Entwicklungsprozess, an dem Mitarbeitende aktiv beteiligt werden und der durch förderliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen unterstützt wird. Resilienz wird damit nicht als Zustand, sondern als fortlaufende Organisationsentwicklung verstanden.

Schlagwörter

PFLEGE; ANPASSUNG; LERNEN; PARTIZIPATION; ENTWICKLUNG; ANERKENNUNG; BETREUUNG; DOKUMENTATION; EINRICHTUNG;