Professionalisierung - das Gebot der Stunde
Olbrich, B.
Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 29 bis 31 · DOI 10.3936/dmm_artid47763395
Abstract
In den 2030er-Jahren tritt Pflege zunehmend in die Öffentlichkeit. Damit stehen wir heute mitten im Prozess der Professionalisierung. Denn der Begriff leitet sich vom lateinischen professio ab und bedeutet „öffentliches Bekenntnis“ – also die Fähigkeit, sich fachlich begründet öffentlich zu erklären. Genau an dieser Zeitenwende befindet sich unser Beruf heute: auf dem Weg zur eigenständigen Profession.
Zusammenfassung
Der Beitrag versteht Professionalisierung als zentrale Aufgabe der Pflege auf dem Weg zur eigenständigen Profession. Pflege wird als Wissenschaft beschrieben, die sich sprachlich und fachlich präzise als berufliche bzw. professionelle Pflege von Laien- und Angehörigenpflege abgrenzt. Professionelles Handeln bedeutet nicht nur regelgeleitetes Können, sondern situatives, reflexives und ethisch begründetes Entscheiden in komplexen, dynamischen Situationen. Der Text betont dabei die Bedeutung von Akademisierung, Forschung, Vorbehaltsaufgaben und beruflicher Selbstbestimmung als Grundlagen einer Profession.
Gleichzeitig werden historische Belastungen herausgearbeitet: die christlich geprägte Dienerrolle, weibliche Unterordnung und die langjährige Dominanz der Medizin über die Pflege haben das Selbstverständnis des Berufs bis heute geprägt. Diese Muster fördern Ohnmachtserfahrungen, geringe Anerkennung und eine schwache eigene Deutungshoheit. Die Akademisierung seit den 1990er-Jahren und die gesetzliche Verankerung pflegerischer Vorbehaltsaufgaben seit 2020 markieren daher einen wichtigen Wandel hin zu mehr Autonomie.
Pflege wird als systemrelevante, gesellschaftlich unverzichtbare „Heilkunde“ verstanden, die Pflegebedarf erhebt, Pflegediagnosen stellt und daraus eigenständig Handlungen ableitet. Angesichts von demografischem Wandel, chronischen Erkrankungen und Fachkräftemangel muss Pflege zur tragenden Säule der Gesundheits- und Primärversorgung werden. Dazu braucht es ein neues Selbstverständnis: weg von Defiziten und Abhängigkeit, hin zu Sichtbarkeit, Verantwortung, fachlicher Autorität und gleichberechtigter interprofessioneller Zusammenarbeit.
Schlagwörter
PFLEGE; ENTWICKLUNG; MEDIZIN; ZEIT; ANPASSUNG; BEWUSSTSEIN; DIAGNOSTIK; EMANZIPATION; FORSCHUNG;
