Dr. med. Mabuse · Artikel

Von der Schönwetterveranstaltung zur Krisenresilienz. Public Health braucht ein klares Mandat

Dr. Heintze, C.

Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 55 bis 59 · DOI 10.3936/dmm_artid47763394

Abstract

Die Daten sind eindeutig: Wegen des primär menschengemachten Klimawandels und der Abnahme von Biodiversität nehmen Extremwetterereignisse unterschiedlichster Art nach Anzahl und Intensität zu und in der Folge auch die Risiken für die menschliche Gesundheit. Die Sachstandsberichte des Weltklimarates (IPCC) verdeutlichen das breite Panorama wachsender Gefahren. Mit mehr und intensiveren Waldbränden, häufigeren Hochwasserereignissen, der Zunahme extrem heißer Tage und einer Trinkwasserverknappung ist zu rechnen sowie für den Fall einer weiteren Schwächung des Golfstromsystem paradoxerweise zugleich mit extremer Kälte in Nordeuropa. Hinzu kommen die Zerstörungen durch häufigere und intensivere Tornados und Hurrikans. Die Gesundheitsgefahren, die daraus erwachsen, werden in fortlaufenden LANCET-Berichten (Lancet 2024, 2025) eingehend analysiert. Statt die Gefahren einzudämmen, hat die Menschheit nach Bernd Ulrich (2025) aber beschlossen, „ungebremst in die ökologische Katastrophe zu gehen.

Zusammenfassung

Der Beitrag argumentiert, dass Klimawandel und Biodiversitätsverlust bereits heute zu mehr und intensiveren Extremwetterereignissen und damit zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen. Zugleich würden internationale Kooperation und Klimaschutz durch machtpolitische, neokoloniale und wissenschaftsfeindliche Tendenzen geschwächt. Vor diesem Hintergrund brauche das deutsche Gesundheitssystem mehr Resilienz und Redundanz. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) sei dafür aufgrund seiner bevölkerungsbezogenen Ausrichtung grundsätzlich prädestiniert, verfüge aber bislang nur über unklare Zuständigkeiten, unzureichende rechtliche Grundlagen und keine dauerhaft ausreichenden Ressourcen. Die Corona-Pandemie habe die enorme Bedeutung des ÖGD für Infektionsschutz, Quarantäne, Testungen und Impfkampagnen sichtbar gemacht; der Pakt für den ÖGD habe zwar Personal, Digitalisierung und Vernetzung gestärkt, doch die Fortschritte blieben begrenzt und teils regional ungleich. Besonders bei Krisenkommunikation, Koordination und gesundheitlicher Vorsorge im Klimawandel sieht die Autorin erheblichen Bedarf an gesetzlichen Reformen auf Bundes- und Landesebene. Ohne dauerhafte Finanzierung und verbindliche Kompetenzen drohe der ÖGD nach 2026 wieder an Bedeutung zu verlieren und nicht zum zentralen Akteur des bevölkerungsbezogenen Gesundheitsschutzes zu werden.

Schlagwörter

ARBEITSSCHUTZ; BERICHT; FALLPAUSCHALEN; KOMMUNIKATION; LEBEN; PLANUNG; VORSCHRIFTEN; WEITERENTWICKLUNG; ZIEL;