Die Katastrophenresilienz der Pflege bei Stromausfall und Überschwemmungen stärken Ein Forschungsprojekt in der Wesermarsch in Niedersachsen
Palm, D. ; Klein, L-H. ; Battenberg, R. ; Aumann-Suslin, I. ; Semmler, L. ; Koppelin, F.
Dr. med. Mabuse · 2026 · Heft 2 · S. 47 bis 49 · DOI 10.3936/docid582231
Abstract
Wetterextreme und Stromausfälle Als Folge der anthropogenen Klimakrise nehmen Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse zu. Dabei können Hochwasserereignisse wie im Ahrtal und Ereignisse wie die Stromausfälle im September 2025 und im Januar 2026 in Berlin teils gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Versorgungsstabilität haben [1]. Insbesondere ältere Menschen sind überproportional von Katastrophen und ihren Folgen betroffen und gelten daher als besonders vulnerabel [2, 3, 4]. Für pflegebedürftige Menschen können diese Katastrophen lebensbedrohlich werden. Als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen kommt dem Pflegepersonal daher eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Katastrophen zu [5]. Die Erfahrungen der Corona-Pandemie haben dies eindrucksvoll bewiesen [6]. Auch im Rahmen der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021 sah sich das Pflegepersonal teils extremen Bedingungen ausgesetzt und musste unvorbereitet sowie selbstorganisiert Lösungen finden, um Bewohner*innen aus überfluteten Pflegeeinrichtungen zu evakuieren [7]. Pflegefachpersonen in Deutschland sind derzeit aber nicht ausreichend für das Risikound Krisenmanagement in Katastrophenlagen vorbereitet [8].
Zusammenfassung
Der Artikel betont, dass Wetterextreme und längere Stromausfälle infolge der Klimakrise die Versorgungssicherheit und besonders die Situation pflegebedürftiger, meist älterer Menschen gefährden. Pflegefachpersonen spielen in Katastrophenlagen eine Schlüsselrolle, sind jedoch in Deutschland bislang nicht ausreichend für Risiko- und Krisenmanagement qualifiziert. Vor diesem Hintergrund fordert die Politik seit 2023 mehr Katastrophenmanagement-Kompetenz in der Pflegeausbildung; zugleich brauchen Pflegeeinrichtungen praktikable, einrichtungsspezifische Krisenkonzepte. Das Forschungsprojekt LifeGRID setzt in der Wesermarsch eine Modellstrategie um, um die Resilienz von Pflege, Bevölkerung und Katastrophenschutz bei Überschwemmungen und längerem Stromausfall zu stärken. Dazu gehören eine im Katastrophenschutzstab verankerte Fachberatung Pflege, ein freiwilliges Pflegeregister für häuslich versorgte Menschen ab Pflegegrad 3, technische Nachrüstungen in stationären Einrichtungen sowie individuell entwickelte Krisenkonzepte. Für ambulante Dienste und pflegende Angehörige werden Vernetzungs- und Informationsangebote bereitgestellt, darunter ein regionaler Ratgeber zur Katastrophenvorsorge. Im Bereich Qualifizierung pilotiert das Projekt Lehr- und Weiterbildungsbausteine zu „Disaster Nursing im regionalen Kontext“ für Studierende und Pflegefachkräfte. Ziel ist, Katastrophenvorsorge dauerhaft in Ausbildung, Fortbildung und Praxis zu verankern.
Schlagwörter
PFLEGE; GESUNDHEIT; LANDKREIS; BREMEN; ENTWICKLUNG; KATASTROPHENFALL; PFLEGEPERSONAL; PROJEKT; ZIEL;
