Foto: stock.adobe.com - Jo Panuwat D
Projekt „Kümmern verbindet“ untersucht häusliche Unterstützung und Pflege in Bayern
Die Hochschule Kempten startet mit „Kümmern verbindet“ eine bayernweite wissenschaftliche Studie zur privat erbrachten gesundheitlichen Unterstützung und Pflege in der Häuslichkeit. Ziel ist es, ein genaueres Bild von den Lebensrealitäten pflegender Angehöriger und der von ihnen unterstützten Menschen zu gewinnen.
In Bayern sind mehr als 630.000 Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftig. Über 82 Prozent von ihnen – rund 520.000 Personen – werden zu Hause versorgt. Noch größer ist die Gruppe, wenn auch Menschen berücksichtigt werden, die im Alltag wegen gesundheitlicher Einschränkungen oder aufgrund ihres Alters Unterstützung benötigen, aber noch keinen Pflegegrad haben. In den meisten Fällen übernehmen Angehörige oder andere nahestehende Personen diese Aufgabe. Über die konkreten Belastungen, Bedürfnisse und möglichen Entlastungen in dieser Lebenssituation ist bislang jedoch nur vergleichsweise wenig bekannt.
Hier setzt die Studie „Kümmern verbindet“ an. Sie soll verlässliche Erkenntnisse zur Gesundheit, zum Wohlbefinden und zur Beziehung der jeweils beteiligten Personen liefern. Darüber hinaus untersucht das Projekt, welches Potenzial digitale Möglichkeiten für die Versorgung älterer Menschen in der Häuslichkeit haben.
„Wir brauchen fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, um Akteuren und Entscheidungsträgern in der Politik auf kommunaler, regionaler und überregionaler Ebene Konkretes an die Hand geben zu können, damit sie gute und richtungsweisende Entscheidungen in der Gesundheits- und Pflegepolitik treffen können“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Mario Jokisch.
Für die Erhebung arbeitet die Hochschule Kempten mit dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft zusammen. Im Rahmen der Studie werden Fragebögen an 40.000 zufällig ausgewählte Menschen ab 60 Jahren in ganz Bayern verschickt. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist, dass zwei Perspektiven einbezogen werden: die der Person, die Unterstützung erhält, und die der Person, die diese Unterstützung leistet. In früheren Untersuchungen blieb die Sichtweise hilfe- und pflegebedürftiger Menschen häufig unberücksichtigt.
Zudem ist die Studie auf Wiederholungsbefragungen angelegt. Mit Einverständnis der Teilnehmenden sollen diese mehrfach befragt werden, um Veränderungen und Dynamiken in der häuslichen Versorgung über einen längeren Zeitraum hinweg nachvollziehen zu können. Dadurch sollen sowohl individuelle Entwicklungen als auch gesellschaftliche Veränderungsprozesse sichtbar werden.
Finanziert wird die Studie durch die Hightech Agenda Bayern. Mit dieser Technologie- und Innovationsinitiative stärkt der Freistaat Bayern die staatlichen Hochschulen und setzt gezielte Impulse für Forschung, Lehre und Transfer in zukunftsrelevanten Bereichen.
Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.infas.de/kuemmern-verbindet/
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Mario Jokisch
Alle Gesundheitsberufe. Eine Zeitschrift.
Für Fachkräfte mit Haltung:
Lesen Sie Dr. med. Mabuse, die Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe: 4x im Jahr neue kritische Analysen, praxisnahe Beiträge und Fachdebatten zu spannenden Schwerpunkt-Themen! Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugriff auf das gesamte Archiv seit Erstausgabe.
Die aktuelle CareLit Recherche zu diesem Thema
Passende Fachartikel aus CareLit, automatisch zur Nachricht recherchiert.

5 relevante Treffer aus CareLit

Der Text bündelt Meldungen aus mehreren bpa-Landesgruppen und zeigt vor allem politische und praktische Entwicklungen in der Pflege. In Baden-Württemberg diskutierten bei einer Podiumsdiskussion zur Landtagswahl über 100 Teilnehm...
Artikel in CareLit ansehen
Das neue Teilhabe- und Pflegequalitätsgesetz (TPQG) in Baden-Württemberg, das im März 2023 in Kraft trat, wird von Betroffenen- und Selbsthilfeorganisationen als Rückschritt in der Pflege bewertet. Kritisiert wird insbesondere di...
Artikel in CareLit ansehen
Sabine beschreibt aus Angehörigensicht die erste schwere manisch-psychotische Krise ihres Ehemanns Michael im Jahr 2004 und die massiven Folgen für Familie und Ehe. Zunächst hatte sie seine frühere manisch-depressive Erkrankung u...
Artikel in CareLit ansehen
In Baden-Württemberg wurden zwei bedeutende Einrichtungen eröffnet: eine Palliative Tagespflege in Heidelberg und die Casa Vita Residenz in Denzlingen. Die Tagespflege, initiiert von Dr. Ulrike Köhler, ist speziell für Menschen m...
Artikel in CareLit ansehen
Die Mitgliederversammlung der bpa-Landesgruppe Baden-Württemberg fand am 10. Juli 2025 in Heilbronn statt, bei der Nicole Schliz als Vorsitzende bestätigt wurde. Über 100 Teilnehmer kamen zusammen, um die Erfolge des vergangenen...
Artikel in CareLit ansehenMemorandum fordert bundesweite Einführung von Schulgesundheitsfachkräften
Ein breites Bündnis aus BKK Dachverband, Bundesschüler*innenkonferenz, Bundeselternrat und Deutschem Pflegerat dringt auf die bundesweite Einführung von Schulgesundheitsfachkräften. In einem zum Inter...Verhindern statt behandeln: DGVS wirbt für Nationale Dekade für Prävention
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS) begrüßt, dass die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutach...
Care-Arbeit als Gleichstellungsfrage: EU plant Europäischen Care Deal
Mit ihrer neuen Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 rückt die Europäische Kommission die anhaltenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern stärker in den Fokus europäischer Sozi...Apothekenreform beschlossen: Mehr Versorgungsaufgaben für Apotheken – Honorarerhöhung weiter ausstehend
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das heute in zweiter und dritter Lesung auf der Tagesordnung des Bundestages steht, sollen Apotheken künftig zusätzliche Aufgaben in der ...

