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Studie untersucht medizinische Versorgung von trans* Personen in Deutschland

Für trans* Personen bestehen erhebliche Mängel und Zugangsbarrieren in der medizinischen Versorgung – das zeigen internationale Studien. Wie die Lage jedoch konkret in Deutschland aussieht, ist bislang wenig erforscht. Welche Herausforderungen erleben trans*Personen im deutschen Gesundheitssystem? Und wie gut sind Versorgende auf transGesundheitsthemen vorbereitet? Diese und weitere Fragen untersucht ein Forschungsteam des Instituts für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in der Studie Trans*power.

Vielfältige gesundheitliche Probleme

Trans* Personen sind Menschen, die sich nicht mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Wie viele Menschen in Deutschland betroffen sind, lässt sich nur schätzen: Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Intergeschlechtlichkeit (dgti) geht von etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung aus, das entspricht rund 500.000 Menschen. Sie haben spezifische gesundheitliche Bedürfnisse: Einige benötigen zum Beispiel Unterstützung bei der Transition, etwa durch Hormonersatztherapien oder geschlechtsangleichende Operationen. Hinzu kommt, dass negative gesellschaftliche Einstellungen zu erhöhtem Stress führen können, was das Risiko für psychische Beschwerden erhöht. „Aus anglo-amerikanischen Studien ist bekannt, dass trans* Personen durchschnittlich häufiger an psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen sowie an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden. Außerdem ist nachgewiesen, dass sie seltener Früherkennungs- und Präventionsangebote wahrnehmen“, erklärt Prof. Dr. Stephanie Stiel vom MHH-Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin. Die Projektleiterin von Trans*power und ihr Team wollen nun herausfinden, wie es um die gesundheitliche Versorgung von trans* Personen in Deutschland bestellt ist.

Schwerpunkt ambulante Versorgung

Neben trans* Personen werden in der Studie auch ihnen nahestehende Angehörige sowie Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens einbezogen. Sie alle geben in Interviews und teils in einer Online-Befragung Auskunft über ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen an die medizinische Versorgung. Das Forschungsteam arbeitet eng mit trans* Personen und Versorgenden zusammen, die das Projekt aktiv begleiten und mitgestalten. Der Fokus der Studie liegt auf der ambulanten Versorgung. „Ambulant Versorgende spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von trans* Personen“, erläutert Professorin Stiel. „Ihre Praxen sind meist die ersten Anlaufstellen.“ 

In die Untersuchung werden Fachrichtungen wie Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Psychologie, Psychiatrie, Urologie und Gynäkologie einbezogen. Das Forschungsteam untersucht unter anderem, welche spezifischen Versorgungsleistungen trans* Personen in Anspruch nehmen und wie die Behandlungswege verlaufen. Dabei werden auch Daten der AOK Niedersachsen genutzt. Ein weiteres Ziel ist, Lücken in der Ausbildung von Medizinstudierenden und Pflegekräften zu erkennen, da die Versorgung von trans* Personen bisher nicht flächendeckend und systematisch im Curriculum verankert ist.

Leitfäden zur Verbesserung der Situation

„Trans* Personen sollten eine auf ihre spezifischen gesundheitlichen Bedarfe zugeschnittene Versorgung ohne Diskriminierung und ohne Zugangsbarrieren erhalten können“, betont Professorin Stiel. Aus den Ergebnissen des Projekts wollen die Forschenden konkrete Handlungsempfehlungen und Leitlinien für Versorgende entwickeln. Professorin Stiel: „Mit unserer Studie wollen wir für das Thema sensibilisieren und dazu beitragen, dass sich die Versorgungssituation für trans* Personen insgesamt verbessert.“

Neben der Universitätsmedizin Göttingen kooperiert die MHH im Trans*power-Projekt auch mit der AOK Niedersachsen. Die Studie begann im Oktober 2025 und läuft bis September 2029. Gefördert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Programms „zukunft.niedersachsen“.

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Mehr dazu in
Dr. med. Mabuse:

Vielfalt, Respekt und Toleranz im Gesundheitswesen – lesen Sie mehr dazu in der Schwerpunkt-Ausgabe „Diversity & Gender“ (Ausgabe 1-2025).

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