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Projekt HOME erprobt WHO-Programm für Geflüchtete in Bremen
Geflüchtete Menschen tragen häufig schwerste Traumata mit sich: Krieg, Verfolgung, Gewalt und der Verlust von Angehörigen hinterlassen tiefe seelische Wunden, die oft lange unbemerkt bleiben. Genau hier setzt das neue Projekt HOME an. Gemeinsam mit dem Bremer Behandlungszentrum REFUGIO untersucht das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, ob eine von der Weltgesundheitsorganisation entwickelte Intervention Geflüchteten in Deutschland wirksam helfen kann.
Im Mittelpunkt steht „Problem Management Plus“ (PM+), ein niedrigschwelliges, präventives Unterstützungsangebot. Es richtet sich an Menschen, die nicht schwer psychisch erkrankt sind, aber mit besonderen Belastungen kämpfen und bisher nur schwer Zugang zu Therapie oder Beratung haben. Das Besondere: PM+ wird von geschulten Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren durchgeführt, die die Sprache der Teilnehmenden sprechen. Internationale Studien belegen, dass das Programm Symptome von Depression, Angst und Stress deutlich reduzieren kann – in Deutschland fehlt bislang jedoch eine nachhaltige Umsetzung.
Bremen dient als Vorbild
Mit HOME soll dies geändert werden. Das Projekt prüft nicht nur, ob PM+ in Bremen wirksam angewendet werden kann, sondern auch, wie sich das Konzept an die lokalen Versorgungsstrukturen anpassen lässt. Darüber hinaus werden Barrieren und förderliche Faktoren analysiert und konkrete Leitfäden für die Umsetzung entwickelt – als Basis, um das Programm künftig auf weitere Regionen in Deutschland auszuweiten.
„PM+ ist international gut evaluiert und in Ländern wie der Schweiz bereits etabliert. Wir freuen uns sehr, dieses Konzept nun auch in Deutschland wissenschaftlich zu erproben und zu prüfen, wie es sich nachhaltig in bestehende Strukturen integrieren lässt“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Daniela Fuhr vom BIPS.
Großer Bedarf an psychologischer Unterstützung
Projektpartner ist REFUGIO Bremen, ein psychosoziales Zentrum für Geflüchtete mit jahrzehntelanger Erfahrung. Der gemeinnützige Verein unterstützt seit 1989 Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder Diskriminierung geflohen sind. „Wir erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist und wie schwer es für viele Betroffene ist, Hilfe zu bekommen“, sagt Marc Millies, Leitung Kommunikation und Verwaltung bei REFUGIO Bremen. „Die Zusammenarbeit im Projekt HOME bietet die Chance, ein wirksames, sprachsensibles Angebot strukturell zu verankern und damit Menschen zu erreichen, die bislang durchs Raster fallen.“
Das Projekt HOME läuft vom Oktober 2025 bis September 2028 und wird kofinanziert von der Europäischen Union. Anmeldungen für das Programm sind ab dem 08. April 2026 möglich. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich hier: https://www.bips-institut.de/forschung/studienteilnehmer-info/home.html
Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Fuhr
stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS
Telefon: +49 (0)421 218-56-754
E-Mail:
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