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Studie der Universität Witten/Herdecke: Rassismus gefährdet Gesundheitsversorgung

Eine Studie der Universität Witten/Herdecke untersucht erstmals systematisch, wie Betroffene Rassismus im deutschen Gesundheitssystem erleben und welche Auswirkungen dies auf ihre Versorgung hat.

Rassistische Erfahrungen im Gesundheitswesen sind kein Einzelfall – zu diesem Ergebnis kommen Forschende des Lehrstuhls für Versorgungsforschung der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Grundlage der Analyse sind rund 800 Beiträge aus verschiedenen Bewertungsplattformen wie jameda.de und klinikbewertungen.de sowie aus sozialen Medien wie YouTube und TikTok. Die Auswertung erfolgte sowohl quantitativ anhand häufig genannter Themen als auch qualitativ im Hinblick auf Inhalte und geschilderte emotionale Erfahrungen.

Diskriminierung aufgrund von Sprache und Herkunft

Besonders häufig berichteten Patient:innen von Benachteiligungen aufgrund von Sprache und Herkunft. In einigen Fällen führten Verständigungsprobleme dazu, dass Beschwerden nicht ernst genommen oder falsch eingeschätzt wurden, was Diagnose und Behandlung beeinträchtigte.

Weitere wiederkehrende Themen waren:

  • Rassistische Stereotype, die Behandlungsentscheidungen beeinflussten
  • Fehlende kulturelle Sensibilität im Umgang mit Patient:innen
  • Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem als Folge der Diskriminierungserfahrungen

Emotionale Berichte machen das Ausmaß sichtbar

Besonders auffällig für die Forschenden war die emotionale Intensität vieler Beiträge. Zwar ist die Gesamtzahl der Posts und Kommentare zu Rassismus im Gesundheitswesen geringer als bei Themen wie Krebsprävention oder der COVID-19-Pandemie, doch die Erfahrungsberichte sind oft sehr ausführlich, eindringlich und mit starker emotionaler Intensität verfasst.

„Die Menschen schildern ihre Erfahrungen sehr detailliert – offenbar auch, weil sie sonst kaum Gehör finden“, sagt Dr. Tuğba Aksakal, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Versorgungsforschung. „Diese Berichte zeigen auch, wie stark Diskriminierung das Vertrauen in das Gesundheitssystem erschüttern kann.“

Mehr Diversität und klare Antidiskriminierungsstrukturen nötig

Die Studie macht zudem deutlich, dass Diskriminierung nicht nur auf individueller Ebene stattfindet. Auch institutionelle und strukturelle Faktoren tragen dazu bei – etwa wenn Patient:innen aufgrund fehlender Dolmetschangebote wichtige Informationen nicht verstehen, Formulare und Aufklärungsbögen ausschließlich auf Deutsch vorliegen oder kulturelle Unterschiede im medizinischen Alltag kaum berücksichtigt werden. Solche Strukturen führen dazu, dass Menschen schlechter informiert sind und dadurch benachteiligt werden.

Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden mehrere Empfehlungen ab:

  • Verpflichtende Trainings zu interkultureller Kompetenz für alle Gesundheitsberufe
  • Transparente Antidiskriminierungsrichtlinien und klar geregelte Beschwerdeverfahren
  • Mehr Diversität in Führungspositionen im Gesundheitswesen

Diese Maßnahmen sollen helfen, Vorurteile abzubauen und die Versorgung für alle Patient:innen zu verbessern.

Hintergrund: Die Untersuchung entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts „Rassismus im Gesundheitswesen“ (RiGeV). RiGeV ist ein Verbundprojekt, das Rassismus im deutschen Gesundheitssystem aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Auf Basis der Ergebnisse aller Teilprojekte wurden Handlungsempfehlungen zum Abbau von Rassismus in der Gesundheitsversorgung entwickelt. Sie richten sich insbesondere an Leitungskräfte und Verantwortliche in Einrichtungen der stationären Versorgung.

Die Empfehlungen sind online verfügbar und können hier heruntergeladen werden: https://zenodo.org/records/18957444

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