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Verbundprojekt „KomReGe“ gestartet: Kompetenz und Resilienz in der regionalen Gesundheitsversorgung
Wie kann die Gesundheitsversorgung in einer Region auch angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierung, demografischem Wandel und zunehmenden Krisen zuverlässig und bedarfsgerecht sichergestellt werden? Diese Fragestellung steht im Zentrum des neuen Verbundprojekts „Kompetenz und Resilienz in der regionalen Gesundheitsversorgung“ (KomReGe) der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Partner im Verbund sind die Gesundes Kinzigtal GmbH, die Pflegeeinrichtungen des Caritasverbands Kinzigtal e.V. sowie das Evangelische Diakoniekrankenhaus in Freiburg. Das Projekt wird über drei Jahre vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Das Kick-off-Treffen fand am 24. Februar 2026 statt.
Das Gesundheitswesen zählt zu den zentralen gesellschaftlichen Infrastrukturen, steht jedoch unter erheblichem Kostendruck und strukturellem Wandel. Personalengpässe, eine alternde Bevölkerung, steigende Versorgungsanforderungen sowie eine zunehmende Krisenanfälligkeit stellen sowohl Einrichtungen als auch Mitarbeitende vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Resilienz an Bedeutung – verstanden als die Fähigkeit, Belastungen nicht nur zu bewältigen, sondern ihnen proaktiv vorzubeugen, Anpassungsfähigkeit zu stärken und aus Veränderungen zu lernen.
Hier setzt das Verbundprojekt KomReGe an: Ziel ist es, Faktoren resilienter Wertschöpfung im Gesundheitswesen zu identifizieren und darauf aufbauend praxisnahe Konzepte sowie digitale Verfahren zur Förderung von Resilienz zu entwickeln und zu erproben. Im Fokus stehen vier miteinander verbundene Ebenen: die individuelle Resilienz von Beschäftigten, die kollektive Resilienz in Teams, die organisationale Resilienz von Einrichtungen sowie die sektorübergreifende Resilienz entlang der gesamten Versorgungskette.
„Resilienz entsteht nicht durch einfache Schritt-für-Schritt-Programme“, betont die wissenschaftliche Leitung, Prof. Dr. Stefanie Hiestand von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. „Entscheidend ist, Zielkonflikte sichtbar zu machen – zwischen individueller Belastung, Teamdynamik, organisationalen Rahmenbedingungen und sektorübergreifenden Schnittstellen. KomReGe setzt genau dort an: wissenschaftlich fundiert, partizipativ und praxisnah.“
Starke Partner für eine resiliente Versorgungskette
Im Projekt kooperieren die Pädagogische Hochschule Freiburg, die Gesundes Kinzigtal GmbH, der Caritasverband Kinzigtal e.V. und das Evangelische Diakoniekrankenhaus Freiburg eng miteinander. Durch die Verknüpfung von Akutkrankenhaus, Pflege, Besonderer Versorgung und wissenschaftlicher Expertise entstehen Lösungsansätze, die über einzelne Einrichtungen hinaus Wirkung entfalten und perspektivisch auf weitere Regionen übertragbar sind.
Für die Gesundes Kinzigtal GmbH steht dabei insbesondere die sektorübergreifende Zusammenarbeit im Mittelpunkt: „Besondere Versorgung – ehemals Integrierte Versorgung – funktioniert nur, wenn die Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg auch in Belastungssituationen stabil bleibt“, erklärt Dr. Renyi, Geschäftsführerin der Gesundes Kinzigtal GmbH. „KomReGe hilft uns dabei, Resilienz nicht nur individuell zu denken, sondern als gemeinsame Fähigkeit eines regionalen Netzwerks – von Prävention bis Versorgung. “
Auch aus Sicht der Pflege ist ein erweitertes Resilienzverständnis entscheidend: „Pflege bedeutet täglich verantwortungsvolle und wertvolle Arbeit in einem dynamischen Umfeld – gefragt sind daher achtsame und fundierte ethische Entscheidungen“, betont Frau Trove, Geschäftsführerin des Caritasverbands Kinzigtal e.V. „Für uns ist entscheidend, Resilienz nicht als ‚Durchhalten‘ zu verstehen, sondern als gemeinsame Stärke, Arbeitsbedingungen, Teamstrukturen und Kooperationen so zu gestalten, dass gute Pflege langfristig, nachhaltig und mit hoher Qualität möglich bleibt.“
Am Evangelischen Diakoniekrankenhaus Freiburg steht insbesondere die digitale Transformation im Fokus. „Die Einführung eines neuen Krankenhausinformationssystems ist nicht nur ein IT-Projekt, sondern ein tiefgreifender Veränderungsprozess für Mitarbeitende, Abläufe und Schnittstellen“, erläutert Herr Feldt, Pflegedirektor des Evangelischen Diakoniekrankenhauses Freiburg. „KomReGe unterstützt uns dabei, digitale Transformation resilient zu gestalten – mit Beteiligung, Lernen im Arbeitsalltag und einem klaren Blick auf Versorgungsqualität, Datensicherheit und den Fokus der Mitarbeitenden auf ihre Kernprozesse.“
Digitale Tools und Experimentierräume: Resilienz praktisch stärken
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung eines digital gestützten Resilienzindikators. Mit diesem Instrument können Einrichtungen ihren Resilienzbedarf systematisch erfassen und daraus gezielte Maßnahmen ableiten. Ergänzend werden in den beteiligten Organisationen sogenannte Experimentierräume geschaffen – geschützte Innovations- und Lernräume, in denen Mitarbeitende und Führungskräfte gemeinsam neue Arbeits- und Kooperationsformen entwickeln, Prototypen testen und deren Wirkung reflektieren.
Auf diese Weise entsteht mit KomReGe ein Modellprojekt für eine resiliente, lernfähige und kooperationsstarke Gesundheitsversorgung – sowohl in der Region als auch darüber hinaus.
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