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DPtV-Umfrage von angestellten Psychotherapeut*innen: Hohe Belastung und strukturelle Defizite in Kliniken und Praxen
„Angestellte Psychotherapeut*innen tragen wesentlich zur Versorgung bei, arbeiten aber unter Bedingungen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden“, betont Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). 4847 Psychotherapeut*innen in Anstellung nahmen an einer DPtV-Umfrage teil. „Weniger als zwei von zehn Psychotherapeut*innen können sich vorstellen, unter den aktuellen Bedingungen bis zum Rentenalter in der Klinik oder sozialen Versorgungseinrichtungen tätig zu bleiben. Arbeitgeber*innen und Politik sollten diese Zahlen ernstnehmen. Vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels und des wachsenden Versorgungsbedarfs ist dies ein Risiko für die stationäre Versorgung. Das Versorgungssystem muss sich endlich an die Realität eines seit Jahrzehnten etablierten Berufsstandes anpassen“, fordert Elisabeth Dallüge aus dem DPtV-Bundesvorstand.
Stationäre psychotherapeutische Versorgung gerät durch fehlende Strukturen unter Druck
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass die stationäre psychotherapeutische Versorgung stark unter Druck steht. Eine hohe Arbeitsbelastung belastet die Mitarbeitenden: 85 Prozent geben an, diese sei hoch oder sehr hoch. Gleichzeitig kritisieren 46 Prozent die unzureichende Personalausstattung, und über jeden Sechsten beurteilt die Versorgung insgesamt als unzureichend. Zudem schätzen 30 Prozent, dass bei besserer Personalbesetzung mindestens die Hälfte der Zwangsmaßnahmen vermeidbar wäre. Damit wird deutlich, dass strukturelle Defizite nicht nur das Personal, sondern auch die Versorgungsqualität erheblich beeinträchtigen.
Leitungsfunktionen und KJP strukturell benachteiligt
„Psychotherapeut*innen in Leitungsfunktionen tragen große Verantwortung, die nicht adäquat anerkannt wird. Nur rund jede*r Fünfte ist in der von Berufsverbänden und Gewerkschaften empfohlenen Entgeltgruppe eingruppiert. Mehr als jede vierte Leitungsfunktion ist nicht einmal offiziell ausgewiesen“, sagt Dallüge. „Leitende Psychotherapeut*innen übernehmen zentrale Aufgaben für die Funktionsfähigkeit der Versorgung. Psychotherapeut*innen, die Kinder und Jugendliche behandeln (KJP), verdienen im Durchschnitt weniger als Kolleg*innen, die mit Erwachsenen arbeiten − sowohl während der Ausbildung als auch nach der Approbation. Ausgerechnet ein Bereich mit hohem Versorgungsbedarf und besonderen fachlichen Anforderungen ist damit strukturell schlechter gestellt. Im ambulanten Bereich zeigt die Umfrage, dass bei rund der Hälfte der angestellten Psychotherapeut*innen in Praxen oder MVZ Ausfallstunden Auswirkungen auf Arbeitszeit oder Gehalt haben.“
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