
Cornelia Mahler & Stephanie Joos (Hrsg.)
Integrative Interventionen in der Onkologie
Ein interprofessionelles Praxis- und Beratungsbuch
Hogrefe Verlag, Bern 2025, 220 Seiten, 38,00 €, ISBN 978-3-456-86340-5
Die vorliegende Veröffentlichung richtet sich aus interprofessioneller Sicht an Pflegefachpersonen und MedizinerInnen, die in der direkten Versorgung von Menschen mit onkologischen Erkrankungen tätig sind. Inhaltlich bieten die AutorInnen einen weiten Blick über nicht-medikamentöse Verfahren zur supportiven Behandlung, um Krankheitssymptome zu lindern, Nebenwirkungen von Therapien zu reduzieren und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Herausgegeben wird das Buch von zwei Autorinnen, die die pflegerische bzw. medizinische Kompetenzebene vertreten: Cornelia Mahler ist Krankenschwester, Erziehungs- und Pflegewissenschaftlerin; Stephanie Joos ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnungen in Naturheilverfahren und Akupunktur. Beide sind in der Universitätsklinik Tübingen tätig. Sie konnten fünfzehn weitere AutorInnen – Pflegefachkräfte, Pflegewissenschaftlerinnen und Medizinerinnen – gewinnen, die die einzelnen Aufsätze zu symptombezogenen Maßnahmen und Beratungsinhalten gestaltet haben.
Das vorliegende Buch basiert auf den Erkenntnissen der CCC-Integrativstudie an Comprehensive Cancer Centers in Baden-Württemberg, die zwischen 2019 und 2023 durchgeführt und vom Innovationsausausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wurde.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile und Anhang. In den ersten drei Kapiteln werden Grundlagen integrativer Interventionen und komplementärer Verfahren in der Onkologie als Selbstverständnis der Arbeit des Projektteams und als Grundlage der Ausführungen zur Behandlung der spezifischen Symptome beschrieben. Unter „integrativer Onkologie“ verstehen die Autorinnen ein interprofessionelles Interventions- und Beratungskonzept, das sich um die Einbeziehung komplementärer Verfahren bemüht, die nicht dem naturwissenschaftlichen Paradigma folgen, aber die Nebenwirkungen onkologischer Therapien lindern können. Hierbei nehmen langjährig erfahrene onkologische Fachkräfte als AnsprechpartnerInnen der PatientInnen eine besondere Rolle ein.
Im zweiten Teil werden in 20 Themenleitfäden Interventionen zu den in verschiedenen Studien herausgestellten Hauptbelastungsfaktoren (z.B. Fatique, Angst, Schlafstörung, Mukositis) von Menschen mit onkologischen Erkrankungen entwickelt. Alle Abschnitte sind nach dem gleichen Schema aufgebaut: Beschreibung der Symptome/Phänomens, Aussagen in Leitlinien, Lebensstil und allgemeine Hinweise, nicht-medikamentöse Maßnahmen, äußere Anwendungen, Medikamente und Tees. Bei den Leitlinien werden jeweils wesentliche Inhalte aus den krankheitsbezogenen S3-Leitlinien oder onkologischen Querschnittsleitlinien herangezogen und mit Zitatangaben belegt. Durch Literaturangaben belegt werden auch die Ausführungen zu Lebensstil und zu den allgemeinen Hinweisen. Ausführlich werden die komplementären Verfahren beschrieben und erläutert; hier wird allerdings auf einen Literaturbeleg im Text verzichtet, sondern nur eine Literaturliste am Ende des Teilkapitels aufgeführt. Dies erschwert die Nachvollziehbarkeit der Evidenzbasierung.
Der umfangreiche Anhang unterstützt in hohem Maße die Anwendungsorientierung dieser Veröffentlichung. Über einen Internet-Link können 88 illustrierte doppelseitige "Infozepte" (von Akupressur und Ängstlichkeit bis Zucker-Öl-Peeling bei Polyneuropathie) heruntergeladen werden, die als Anleitung zur Durchführung der Maßnahmen oder Anleitungen zur Beratung zu verstehen sind. Teilweise finden sich am Ende des jeweiligen Infoblattes Literaturverweise.
Fazit: Den Autorinnen gelingt es, für die komplexe Versorgungssituation von Menschen mit onkologischen Erkrankungen, deren Lebensqualität oft durch die therapeutischen Maßnahmen herabgesetzt ist, sinnvolle und umsetzbare Interventionen zu beschreiben, um die Leidensepisoden zu verkürzen. Innovativ ist hierbei der interprofessionelle Ansatz, der insbesondere onkologischen Fachpersonen in der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung neue eigenständige Aufgabenfelder zuweist.
Ausführlicher hätten die Herausgeberinnen jedoch auf Fragen der Implementierung eingehen können und hierbei die notwendigen Qualifikationen von Pflegefachpersonen beschreiben können. Insbesondere der Einsatz von Advanced Nurse Practitioners (ANP) sollte hier diskutiert werden.
Eine Rezension von Heinrich Recken
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